ArchivDeutsches Ärzteblatt PP6/2021Randnotiz: Wie gesund ist Kaffee?

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Randnotiz: Wie gesund ist Kaffee?

Meyer, Rüdiger

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Kaffee gehört zu den Lieblingsgetränken der Epidemiologen. Während andere Genussmittel wie Alkohol, Tabak und Zucker eher mit Krankheiten in Verbindung gebracht werden, ist die Bilanz bei den traditionellen koffeinhaltigen Getränken positiv. Wer täglich mehrere Tassen Kaffee trinkt, hat nach übereinstimmenden Ergebnissen von Studien ein vermindertes Sterberisiko. In den meisten Arbeiten ist der Zusammenhang sogar dosisabhängig. Natürlich gibt es eine Grenze. Die Dosis, ab der Koffein toxisch wirkt, ist jedoch sehr hoch. Die verbreitete Ansicht, dass Koffein den Blutdruck erhöht, trifft bei den meisten Menschen nur in den ersten Wochen zu. In der Regel kommt es schnell zu einem Gewöhnungseffekt. Einige Zubereitungsarten wie Espresso, Presskaffee oder Mokka können das HDL-Cholesterin erhöhen, während der klassische Filterkaffee keine Auswirkungen auf den Lipidstoffwechsel hat. Das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist bei Kaffeetrinkern nicht erhöht. Langfristig ist ein höherer Kaffeekonsum sogar mit einem Rückgang der kardiovaskulären Sterblichkeit verbunden. Kaffee könnte darüber hinaus eine krebspräventive Wirkung haben. Trotz allem wird es Kaffee auf Rezept in absehbarer Zeit nicht geben. Die meisten Erkenntnisse zu den protektiven Wirkungen von Koffein beruhen auf epidemiologischen Studien, die bekanntlich häufig zu verzerrten Ergebnissen führen und sich als Grundlage für Therapieempfehlungen nicht eignen. Das Minimalfazit ist, dass Kaffee im Gegensatz zu anderen Genussmitteln keine schädlichen Wirkungen hat und als Teil eines gesunden Lebensstils gesehen werden kann.

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