ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2000Zusammenarbeit von Hausarzt und Augenarzt in der Diabetikerbetreuung Kommunikation unerlässlich: Schlusswort

MEDIZIN: Diskussion

Zusammenarbeit von Hausarzt und Augenarzt in der Diabetikerbetreuung Kommunikation unerlässlich: Schlusswort

Dtsch Arztebl 2000; 97(11): A-712 / B-613 / C-562

Bertram, Bernd

Zu dem Beitrag von Prof. Dr. med. Bernd Bertram in Heft 47/1999
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LNSLNS Die beiden Zuschriften bestätigen, dass in der Praxis die Zusammenarbeit zwischen Hausarzt/Internisten/Diabetologen und Augenarzt an vielen Stellen zu verbessern ist. Ein Anstoß in diese Richtung war Ziel des Artikels. Es hilft kein Jammern über die Unzulänglichkeiten der jeweils anderen Seite. Wir sollten versuchen, miteinander vermehrt ins Gespräch zu kommen und dann zusammen die Situation zu verbessern. Dazu tragen neben den im Artikel genannten Aspekten sicherlich auch interdisziplinäre Fortbildungen oder Qualitätszirkel bei, die nach Informationen des Berufsverbandes der Augenärzte aber leider häufig an mangelndem Interesse der Hausärzte scheitern. Weitere positive Initiativen sind zum Beispiel die Aktivitäten der Initiativgruppe "Früherkennung von diabetischen Augenerkrankungen" und der AG "Diabetes und Auge" der Deutschen Diabetes-Gesellschaft, in denen Diabetologen und Augenärzte intensiv zusammenarbeiten und die Leitlinien zur diabetischen Retinopathie der Deutschen Diabetes-Gesellschaft und des Berufsverbandes der Augenärzte. Verbesserungsbedürftig sind einige Schulungsprogramme für Diabetiker, in denen die Patienten teilweise nicht und teilweise nur in zu geringem Maß auf die diabetische Retinopathie und auf die Notwendigkeit regelmäßiger augenärztlicher Kontrollen auch bei Beschwerdefreiheit hingewiesen werden.
Die Kritik von Herrn Dr. Orda an den Zahlen über die geringe Zuweisungsrate von Diabetikern möchte ich zurückweisen. Es gibt sicherlich einige Hausärzte, Internisten und Diabetologen, die regelmäßig alle Diabetiker bei einem Augenarzt vorstellen. Die in dem Artikel genannten Zahlen stammen nicht aus einer Praxis, sondern aus einer Erhebung an 19 000 Patienten von 106 repräsentativen Augenarztpraxen in Deutschland und zeigen eine erschreckend niedrige Rate an Netzhautuntersuchungen bei Diabetikern und an Überweisungen dazu.
Die in beiden Zuschriften bemängelten Defizite in der Kommunikation können meines Erachtens nicht durch eine obligate Zuweisungspflicht des Hausarztes verbessert werden, sondern nur durch eine vermehrte Einsicht in die Notwendigkeit einer Zusammenarbeit. Obwohl zumindest die mit Tabletten oder Insulin behandelten Diabetiker zur Medikamentenverordnung regelmäßig den Hausarzt aufsuchen müssen, weisen zu wenige Hausärzte diese dann auf die Notwendigkeit einer regelmäßigen Augenuntersuchung hin. Die geringe Rate liegt also weniger darin begründet, dass die Diabetiker nie zum Hausarzt gehen, als in der Tatsache, dass von einigen Hausärzten zu selten an die Überweisung zum Augenarzt gedacht wird. Außerdem sehen sich gerade die gut informierten deutschen Diabetiker als ihr eigener Gatekeeper im Gesundheitswesen.
Durch Ansehen der wichtigen Daten in einem kurzen Brief des Hausarztes oder dem Diabetespass kann der Augenarzt sich ein Bild über das Ausmaß der Erkrankung und die Diabeteseinstellung verschaffen und damit eine "Scheuklappenmedizin" vermeiden. Diabetiker, die bei der Frage nach ihrer Einstellung angeben, schon länger nicht mehr bei ihrem Hausarzt untersucht worden zu sein, sollte jeder Augenarzt an den Hausarzt überweisen.
Die Klage über die niedrige Honorierung der Diabetikerbetreuung wird sowohl von Hausärzten als auch von Augenärzten immer wieder zu Recht vorgebracht. Dies darf jedoch nicht dazu führen, dass die obligate Kommunikation vonseiten des Hausarztes (beispielsweise Übermittlung des HbA1(c)-Wertes) oder des Augenarztes (beispielsweise Befundbericht) Mängel aufweist. Hier sind die ärztlichen Berufspolitiker und die Krankenkassen gefordert, beispielsweise in Strukturverträgen oder Modellversuchen für eine Regelung und eine angemessene Honorierung zu sorgen. Leider waren bisher fast alle augenärztlichen Bemühungen um Einbeziehung in Diabetesvereinbarungen erfolglos. Bisher sind nur in Südwürttemberg und Hessen die Augenärzte an einer Diabetesvereinbarung beteiligt.
Die Fluoreszenz-Angiographie ist eine wertvolle Untersuchung bei bestimmten Stadien der diabetischen Retinopathie. Da dies nicht Thema des Artikels war, wurde darauf nicht eingegangen.


Prof. Dr. med. Bernd Bertram
Löhergraben 30
52064 Aachen

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