ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2000Metastasierendes Mammakarzinom: Exemestan erweitert Palliativtherapie

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Metastasierendes Mammakarzinom: Exemestan erweitert Palliativtherapie

Dtsch Arztebl 2000; 97(11): A-716 / B-606 / C-573

Leinmüller, Renate

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LNSLNS Beim hormonabhängigen, metastasierten Mammakarzinom ist die Rolle von Tamoxifen in der medikamentösen Therapie unumstritten. Versagt die Behandlung mit dem Antiestrogen, werden Gestagene (Megestrolacetat und andere) oder Aromatasehemmer eingesetzt. Der jüngste und gleichzeitig erste steroidale Vertreter dieser Gruppe, Exemestan, geht nach einer Phase-III-Ver-gleichsstudie mit 769 Patientinnen bei guter Verträglichkeit mit einer signifikant besseren medianen Überlebensdauer einher als die Vergleichssubstanz Megestrolacetat.
Aromatasehemmer werden eingesetzt, um die Umwandlung von Vorläufersubstanzen wie Androstendion und Testosteron in Östron und Estradiol zu hemmen, die über den Enzymkomplex der Aromatase in verschiedenen Körpergeweben bewerkstelligt wird. Nachdem dieses Enzym beim hormonabhängigen, metastasierten Brustkrebs auch in den Tumorzellen selbst nachgewiesen wurde, begannen Studien mit - zunächst - nichtsteroidalen Aromatasehemmern.
Second-line-Therapie Im Unterschied zu diesen Substanzen erfolgt bei Exe-mestan eine irreversible Hemmung des Enzymkomplexes, sodass keine Aromatase-Resistenz entstehen kann. Eine maximale Estrogen-Suppression wird nach zwei bis drei Tagen erreicht, wie bei einer Veranstaltung von Pharmacia & Upjohn im Rahmen der 10. Europäischen Krebskonferenz in Wien deutlich wurde.
Bereits in Phase-II-Studien hatten sich unter Exemestan in der Second-line-Therapie beim metastasierten Mammakarzinom Ansprechraten von 47 Prozent (bei viszeralen Metastasen 33 Prozent) gezeigt. Dass die hormonsensitive Phase des Karzinoms mit diesem Aromatasehemmer zu verlängern ist, belegt nach Auffassung von Prof. Manfred Kaufmann (Frankfurt) eine prospektive Phase-III-Studie. Postmenopausale Brustkrebs-Patientinnen mit Metastasen erhielten (nach Tamoxifen und vorausgegangener Chemotherapie) entweder Exemestan (1 × 25 mg/die) oder Megestrolacetat (4 × 40 mg/die). Der Aromatasehemmer schneide hinsichtlich der medianen Überlebensdauer - die Zeitspanne, nach der noch 50 Prozent der Frauen am Leben sind - schon jetzt signifikant besser ab, so Kaufmann. In der Vergleichsgruppe betrug er 28 Monate. Bessere Ergebnisse wurden unter Exemestan außerdem bei der Verzögerung des Tumorwachstums und der medianen Ansprechdauer erzielt. Die gute Verträglichkeit (leichte Nebenwirkungen in fünf Prozent, in erster Linie Übelkeit und Hitzewallungen) spiegelte sich im Vergleich in einem deutlicheren Zugewinn an Lebensqualität wider.
Exemestan wurde im Januar als Aromasin® zur Secondline-Therapie beim hormonabhängigen metastasierten Mammakarzinom eingeführt. In Zukunft wird der Aromatasehemmer möglicherweise auch beim Frühkarzinom eingesetzt werden, entsprechende Phase-III-Studien laufen nach Angaben von Dr. Michael Untch (München) bereits. Denkbar ist für den Onkologen auch eine präventive Gabe bei Frauen mit familiärer Prädisposition: Anders als bei Tamoxifen zeichne sich bei Exemestan kein erhöhtes Risiko für Endometriumkarzinome oder Thrombosen ab.
Dr. Renate Leinmüller
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