ArchivDeutsches Ärzteblatt PP6/2021Mehrsprachige Patienten: Therapeuten sollten offen sein

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Mehrsprachige Patienten: Therapeuten sollten offen sein

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Manche Psychotherapiepatienten beherrschen mehrere Sprachen. Britische Psychotherapeuten um PhD Louise Rolland an der University of London haben nun untersucht, inwiefern dies im Therapieprozess berücksichtigt und genützt wird. Eine Befragung von 109 mehrsprachigen Psychotherapiepatienten erbrachte, dass die Patienten normalerweise mit dem Therapeuten in der Landessprache sprechen und darüber auch nicht kommuniziert wird. Einige Befragte hatten den Eindruck, dass ihr Therapeut durchaus das gelegentliche Wechseln in eine andere Sprache oder in einen Dialekt tolerieren würde, machten davon aber keinen Gebrauch.

Da mehrsprachige Patienten sich in anderen als der Landessprache aber oft besser ausdrücken können, empfehlen die Autoren, dass Therapeuten sich öffnen und dieses Potenzial nützen sollten, vor allem wenn sie selbst weitere Sprachen beherrschen. Für den therapeutischen Prozess kann es laut Rolland und Kollegen förderlich sein, wenn Therapeuten und Patienten anfangs darüber sprechen, in welcher Sprache beziehungsweise in welchen Sprachen kommuniziert werden soll. Darüber hinaus sollten Therapeuten ihre Patienten ermuntern, verschiedene Sprachen und Dialekte einzusetzen, und sich für die Geschichte des Spracherwerbs und die Bedeutung der verschiedenen Sprachen oder Dialekte für die Patienten interessieren. „Das bewirkt, dass Patienten ihre Therapeuten für kompetent halten und sich von ihnen besser verstanden fühlen“, meinen die Autoren. ms

Rolland L, Costa B, Dewaele J-M: Negotiating the language(s) for psychotherapy talk. Counselling and Psychotherapy Research 2021; 21 (1): 107–17.

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