ArchivDeutsches Ärzteblatt PP6/2021Ambulante Versorgung: Datenbasis fehlt
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Ausgehend von der Behauptung, eine Profession vernachlässige zugunsten eines Teils ihres Klientels ein anderes Klientel, reihen die Autoren eine Reihe Thesen aneinander, mit denen ich mich gerne – bei aller Emotionalisierung durch das Lesen des Beitrags – sachlich auseinandersetzen möchte. Leider ist es mir nach Lesen des Artikels nicht möglich nachzuvollziehen, auf welcher Datenbasis die Autoren ihre Argumentation aufbauen, was ich als handwerkliches Defizit wahrnehme. (...) Anbei daher der Vorschlag einiger zu überprüfender Hypothesen:

  • „Trotz Zunahme an Praxissitzen in den letzten zehn Jahren bestehen laut BPtK weiterhin lange Wartezeiten“ – zu überprüfende Alternativhypothesen wären:
    1. Ist der Bedarf an Psychotherapie gestiegen (Outcome: mehr diagnostizierte Fälle)?;
    2. Hat sich das Nachfrageverhalten bei diagnostizierten Fällen verändert (Outcome bspw.: Reduktion des Anteil diagnostizierter Fälle, die sich nicht in Behandlung begeben Prä vs. Post)?
  • „Seit Einführung der Sprechstunde zeigt sich keine Fallzahlerhöhung pro Kopf, die einzelnen Psychotherapeuten sehen also nicht mehr Patienten“, „Die Flexibilisierung des Angebots und ein niederschwelliger Zugang zur Psychotherapie finden demnach nicht statt“ à Gegenfrage: Warum sollte dies denn so sein? Zu überprüfende Alternativhypothese: 1. In der Sprechstunde stellen sich behandlungsbedürftige Patienten vor (Outcome: Diagnose nach Sprechstunde); 2. Es findet ein niederschwelliger Zugang zu Psychotherapie statt: Nach der ersten Sprechstunde werden weitere Sprechstunden und die Probatorik durchgeführt, ein Antrag für Psychotherapie wird gestellt (Outcome: Abrechnungsdaten); 3. Der einzelne Psychotherapeut bietet vor und nach der Einführung der Sprechstunde 2017 ähnlich viel Stundenkontingent an, unabhängig von der Bezeichnung der erbrachten Leistung (Outcome: Abrechnungsdaten).
  • Auch bei der Argumentationskette, von der Höhe der abgerechneten Morbidität im Verhältnis zur Bevölkerungsanzahl auf eine Absenkung der Krankheitsdefinition zu schließen und damit wiederum auf eine angebotsinduzierte Nachfrage, vermisse ich Alternativerklärungen. (...)

Dr. Petra Schmid, Psychologische Psychotherapeutin, 88662 Überlingen

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