ArchivDeutsches Ärzteblatt PP6/2021Ambulante Versorgung: In das gleiche Horn gestoßen
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Die Autoren nehmen in ihrem Artikel die nach wie vor bestehende Unterversorgung in der Psychotherapie zum Anlass, um die aus ihrer Sicht mögliche Fehlentwicklungen zu benennen. Dabei verweisen sie auf das Prinzip der sozialen Gerechtigkeit und machen auf Basis einer ungenügenden Datenlage ihre Kolleginnen und Kollegen dafür verantwortlich, dass, um es verkürzt zu beschreiben, diese mit „leichten“ Patientinnen und Patienten zu lange Therapie machten und damit Behandlungskapazitäten blockierten. Damit wird in „das gleiche Horn gestoßen“, wie es schon von einschlägiger psychiatrischer Seite (Lütz, Linden und Co.) immer mal wieder behauptet wird. Neu ist nun, dass diese undifferenzierten Behauptungen aus unserer psychotherapeutischen Berufsgruppe heraus kommen. Zumal wir seit einem Jahr in einer erschwerten pandemischen Situationen stecken und uns, unsere Praxen und unsere Patienten im Umgang mit den vielfältigen Herausforderungen „über Wasser halten“. Die von den Autoren geforderte Gruppentherapie ist zum Beispiel unter diesen Bedingungen überhaupt nicht mehr möglich. (...)

Aus eigener Erfahrung und aus denen von bekannten Kollegen kann ich auch nur sagen, dass alle gesellschaftlichen Gruppierungen berücksichtigt werden (Altersgruppen, sozialer Status, Migrationshintergrund etc.) und auch keine Selektion bezüglich des Schweregrades und der Diagnosen vorgenommen wird. Die meisten Patient/-innen sind multimorbid erkrankt, Anpassungsstörungen sind eher selten und werden in einer Kurzzeittherapie behandelt. (...)

Schlussendlich möchte ich noch hervorheben, dass man die allgemein „verhassten“ Berichte zur Begutachtung nicht als Qualitätsmerkmal der therapeutischen Arbeit heranziehen sollte.

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Dr. phil. Erika Rey, Psychologische Psychotherapeutin, 53115 Bonn

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