ArchivDeutsches Ärzteblatt PP6/2021Ambulante Versorgung: Diskussion fortsetzen
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Die von den Autoren aufgegriffenen Themen sind zweifelsohne wichtig. Aber der Psychotherapeutenschaft hier vorzuwerfen, dass sie nicht gut diagnostizieren könne, falsche Priorisierungen vornehme oder keine sozial gerechten oder nachhaltigen Entscheidungen treffen könne, ist doch sehr vermessen und entspricht nicht der Versorgungsrealität. Dabei lassen es die Autoren offen, ob der angeblich mangelnde Quotient der geleisteten Sprechstunden aus den Abrechnungsdaten entnommen wurde oder dem ungedeckten Bedarf der TSS entspricht. Dabei handelt es sich wohl um theoretische Zahlen und nicht wirklich um einen Mangel an Vermittlungsmöglichkeiten. Warum die Autoren die Psychotherapeuten hier insgesamt derartig schlecht reden müssen, bleibt letztendlich vollkommen unverständlich. Besonders problematisch ist dabei die Vermischung mangelnder struktureller Qualität mit einer angeblich mangelhaften Behandlungsqualität, die dann für strukturelle Defizite verantwortlich sei. Andererseits heben die Autoren völlig zu Recht hervor, dass sich die strukturellen Defizite nicht durch eine Forderung alleine nach immer mehr Psychotherapiesitzen beheben lassen werden, sondern es hier Möglichkeiten braucht, wie wir Psychotherapeuten unsere eigenen Behandlungsstrukturen verbessern können, bessere Vernetzungen möglich sein könnten usw. Gleichzeitig sei darauf hingewiesen, dass es inzwischen ganze Regionen gibt, in denen es keine niedergelassenen Psychiater mehr gibt oder Soziotherapie oder häusliche psychiatrische Pflege mangels Leistungsanbietern gar nicht erst verschrieben werden kann. Hier vor allem nach einer besseren Steuerung der Psychotherapie zu verlangen, liest sich dann eher wie alter Wein in neuen Schläuchen. Aber was sicherlich richtig ist, dass wir Psychotherapeuten die Diskussion über strukturelle Verbesserungen der Psychotherapie weiter fortsetzen müssen, hier eigene Ideen und Akzente setzen und nicht darauf warten sollten, bis andere wieder versuchen werden, unsere Versorgung zu steuern.

Sebastian Rühl, Praxis für Psychotherapie, 63589 Linsengerich-Altenhaßlau

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