ArchivDeutsches Ärzteblatt PP6/2021Imaginatives Überschreiben: Wichtige Ergänzung zu kognitiven Techniken

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Imaginatives Überschreiben: Wichtige Ergänzung zu kognitiven Techniken

Koch, Joachim

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Das Imaginative Überschreiben ist eine erlebnisorientierte Behandlungstechnik, die gezielt schwierige Emotionen anspricht und in Verbindung mit erinnerten Bildern aus der Kindheit bringt, die dann imaginativ verändert werden. Es stellt eine wichtige Ergänzung zu kognitiven Techniken dar, die vorwiegend auf die Veränderung negativer Gedanken abzielen. Während kognitive Techniken die inhaltliche Bedeutung von negativen Grundannahmen oder negativen selbstbezogenen Bildern verändern, zielt das Imaginative Überschreiben auf das emotionale negative selbstbezogene Erleben.

Die Anwendung des Verfahrens ist umso mehr indiziert, je weniger die problematischen Gefühle die tatsächliche Lebenssituation widerspiegeln. Ein typisches Indikationsbeispiel ist intensive Angst, sich in eine herausfordernde soziale Situation zu begeben, beispielsweise in ein Vorstellungsgespräch, obwohl die Person diese von ihrer Kompetenz gut bewältigen könnte und ein plausibler biografischer Hintergrund besteht wie beispielsweise Mobbing in der Jugend. So ist Imaginatives Überschreiben kontraindiziert, wenn die vom Patienten gezeigten problematischen Emotionen mit der Realität korrespondieren. Auch das Fehlen eines plausiblen biografischen Zusammenhangs spricht gegen diese Technik. Stehen reine Ängste im Vordergrund, ist Imaginatives Überschreiben weniger indiziert, stattdessen sollte Expositionstherapie angewendet werden.

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Im Buch wird ausführlich das Vorgehen in der Behandlung erläutert. Dazu werden die sechs Schritte des Imaginativen Überschreibens gut verständlich und mit Praxisbeispielen illustriert dargestellt. Zuerst wird die Patientin oder der Patient angeleitet, einen Zustand der entspannten Aufmerksamkeit zu erreichen. Dann wird eine Problemsituation, die in der Therapie häufig geschildert wurde, exploriert. Im dritten Schritt wird von einem aktuellen Gefühl in der Therapie eine „emotionale Brücke“ (Affektbrücke) in die Vergangenheit geschlagen. Dann wird die biografische Erinnerung exploriert. Als Herzstück der Technik wird die traumatische oder belastende Erinnerung bildlich verändert. Dazu wird eine Helferfigur eingeführt und Täter werden mit ihren Taten konfrontiert. Im letzten Schritt ist das Ziel ein Abschluss mit positiven Gefühlen. Mit einem längeren Fallbeispiel wird das Vorgehen in der Behandlung noch einmal auf beeindruckende Weise zusammenhängend gezeigt. Joachim Koch

Laura Seebauer, Gitta Jacob: Imaginatives Überschreiben. Hogrefe Verlag, Göttingen 2021, 76 Seiten, kartoniert, 19,95 Euro

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