ArchivDeutsches Ärzteblatt PP6/2021Träume in der Verhaltenstherapie: Anleitung für die Arbeit mit Träumen

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Träume in der Verhaltenstherapie: Anleitung für die Arbeit mit Träumen

Koch, Joachim

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Viele Patientinnen und Patienten berichten in der Therapie von Träumen, die sie belasten, die sie aufschlussreich finden oder die sie gerne mit ihrem Therapeuten besprechen möchten. Weil Träume in der Kognitiven Verhaltenstherapie fast gar keine Rolle spielen – zumindest was den deutschen Sprachraum betrifft – und Verhaltenstherapeuten sich oft nicht dafür gerüstet fühlen, mit den geschilderten Träumen umzugehen, hat der Autor dieses Buch verfasst und gibt damit jedem eine vollständige Anleitung an die Hand, um mit Träumen zu arbeiten und sie in die verhaltenstherapeutische Arbeit zu integrieren. Die Arbeit mit Träumen wird ausführlich und gut verständlich dargestellt. Die verschiedenen Phasen der Arbeit mit Träumen werden auch auf Arbeitsblättern pointiert mit ihren einzelnen Elementen und Methoden anschaulich dargestellt.

Der Autor orientiert sich an dem Modell zur Arbeit mit Träumen von C. E. Hill, das gründlich und intensiv empirisch überprüft und evaluiert worden ist. Träume scheinen mit den kognitiv-emotionalen Schemata und Belastungen des Wachlebens verbunden zu sein und enthalten eine für jeden Träumenden individuell bedeutsame Aussage.

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In der ersten Phase, der Explorationsphase, geht es darum, Informationen über den Traum, der in eine Abfolge von Traumbildern eingeteilt worden ist, in Erfahrung zu bringen. Diese Phase ist besonders wichtig, weil sie das Fundament für die folgenden darstellt. In der Einsichtsphase hilft der Therapeut den Patienten, die Informationen aus der Exploration zusammenzuführen und die Bedeutung des Traums zu ermitteln. Dies führt zu einer besseren Selbsterkenntnis der Patienten. Danach wird die Bedeutung des Traums auf einer abstrakteren Ebene formuliert, also ein neues Verständnis erarbeitet. In der anschließenden Handlungsphase kann die Möglichkeit einer Veränderung erkundet werden und an der Entwicklung von Handlungsplänen gearbeitet werden.

Der Autor gibt seine Erfahrung weiter, dass die Bearbeitung eines Traums nach diesem Vorgehen zwei Therapiestunden braucht. Der Therapeut benötigt keine besondere Schulung oder Ausbildung für die Arbeit mit Träumen. Nach der Behandlung der Phasen der Traumbearbeitung wird ausführlich die Evaluation der Arbeit mit Träumen thematisiert. Dann geht es um den therapeutischen Umgang mit Albträumen, luziden Träumen und präkognitiven Träumen. Abschließend wird die Traumbearbeitung mit zwei langen Fallbeispielen noch einmal anschaulich illustriert. Schön beschrieben werden auch die Handlungsimplikationen für die weitere Psychotherapie. Joachim Koch

Reinhard Pietrowsky: Träume in der Kognitiven Verhaltenstherapie. Ein Praxisleitfaden. Hogrefe Verlag, Göttingen 2021, 179 Seiten, kartoniert, 29,95 Euro

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