ArchivDeutsches Ärzteblatt24/2021Sterbehilfe: Kein Zwang, aber Straffreiheit
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Die vier Professoren erläutern ausführlich,wie wichtig es ist, vor allem die psychischen Probleme suizidwilliger Patienten zu erkennen, ihnen geduldig zuzuhören und empathisch zu begegnen und sie intensiv über alle palliativmedizinischen Möglichkeiten aufzuklären. Was ich vermisse, ist die Beantwortung der Frage, was denn nun geschehen soll, wenn der Patient trotz aller ärztlichen Bemühungen nicht von seinem Suizidwunsch abrückt. Wird dann das Gespräch beendet und der Patient entlassen? Soll dieser ausländische Ärzte um Suizidhilfe bitten, soll er sich an kommerzielle Sterbehilfe-Organisationen wenden oder soll er sich auf oft grausame Art selbst umbringen? Diese sind keine akzeptablen Alternativen. Man kann einen Vergleich zur Schwangerenberatung ziehen. Es ist legitim und auch notwendig, die abtreibungswillige Schwangere ausführlich zu beraten und ihr alternative Möglichkeiten und Hilfen anzubieten. Wenn sie allerdings auf eine Abtreibung besteht, sollen Ärzte bereit sein, ihren Wunsch zu erfüllen, was ja auch straffrei möglich ist, und sie nicht in die Hände von Quacksalbern treiben.

So müssen auch die Hausärzte dazu bereit sein, als Ultima Ratio beim Suizid zu helfen, indem sie die letalen Medikamente beschaffen, dem Patienten das Prozedere erläutern und auch zum Todeszeitpunkt anwesend sind, wenn Patient und/oder Angehörige dieses dringend wünschen. Das erwartet übrigens die überwiegende Mehrheit der deutschen Bevölkerung von ihren Ärzten.

Selbstverständlich darf kein Arzt gezwungen werden, Suizidhilfe zu leisten. Wer aus religiösen oder weltanschaulichen Gründen dazu nicht bereit ist, sollte zumindest den Patienten an eine Kollegin oder einen Kollegen weiterüberweisen, die diese Skrupel nicht haben. Nur Ärzte können schwerstkranken Menschen in dieser wohl schmerzlichsten und dramatischsten Situation ihres Lebens bei der Selbsttötung helfen und sie können das heute gelassener tun, da sie keine berufs- oder strafrechtlichen Konsequenzen mehr zu befürchten haben. 

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 Prof. Dr. med. Claus Werning, 50226 Frechen/Köln

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