ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2021Somatoforme Störungen und potenziell schädliche Interventionen in der ambulanten Versorgung
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Hintergrund: Patienten mit funktionellen somatischen Störungen (FSS) könnten für potenziell gefährliche medizinische Interventionen in der ambulanten Versorgung anfällig sein. Primäres Ziel war die Untersuchung, ob Patienten mit FSS vermehrt diagnostische Untersuchungen mit Röntgendiagnostik, Computertomografie (CT), Magnetresonanztomografie (MRT) und ambulante Operationen in Anspruch nehmen. Sekundäres Ziel war die Evaluation, inwiefern durch eine hausärztliche Koordination diese Inanspruchnahme reduziert wird.

Methode: Retrospektive Kohortenstudie mit longitudinaler Regressionsanalyse von Routinedaten. FSS-Patienten wurden im Regressionsmodell gewichtet, um einen repräsentativen Vergleich mit der bayerischen Bevölkerung zu ermöglichen. Die Beobachtungsdauer war fünf Jahre vor bis zehn Jahre nach der Diagnosestellung einer FSS.

Ergebnisse: Die Kohorte umfasste 43 676 FSS-Patienten und 50 003 Patienten in der Kontrollgruppe ohne FSS-Diagnose. FSS-Patienten zeigten eine kontinuierlich erhöhte Inanspruchnahme über 15 Jahre. Das relative Risiko (RR) der FSS-Patienten betrug bis zu 1,48 (95-%-Konfidenzintervall: [1,46; 1,50]) für Röntgendiagnostik, 2,01 [1,94; 2,08] für CT, 1,91 [1,87; 1,96] für MRT und 1,30 [1,27; 1,34] für ambulante Operationen im Vergleich zur Kontrollgruppe. Patienten, deren Behandlung nicht durch den Hausarzt gesteuert wurde, zeigten eine höhere Inanspruchnahme als Patienten, die durch den Hausarzt versorgt und koordiniert wurden. Die ambulanten Kosten waren bis zu 1,37 [1,36; 1,38] -mal höher.

Schlussfolgerung: Patienten mit FSS unterziehen sich häufiger einer potenziell gefährlichen und teuren Diagnostik und ambulanten Operationen. Eine durch den Hausarzt koordinierte Versorgung geht mit einer geringeren Inanspruchnahme einher.

LNSLNS

Die geschätzte Prävalenz von funktionellen somatischen Syndromen (FSS) liegt in der Primärversorgung bei 26 bis 35 %, wie ein systematisches Review unter Einschluss von 32 Studien aus 24 Ländern gezeigt hat (1). Zudem bestehen bei Patienten mit FSS häufig Depressionen oder Angststörungen im Sinne einer psychischen Komorbidität (2). Aufgrund des hohen psychischen und körperlichen Leidendrucks werden oft zahlreiche unterschiedliche Ärzte konsultiert (3). Dies stellt letztlich eine große Herausforderung für alle medizinischen Disziplinen dar, denn in der Regel wird wiederholt eine weiterführende Diagnostik eingefordert, um organische Erkrankungen mit vermeintlich letzter Sicherheit auszuschließen (4). Dementsprechend ist die Bedeutung für eine erhöhte Inanspruchnahme des Gesundheitssystems gut belegt (5, 6, 7). Studien aus dem (tertiären) Krankenhaussetting haben vereinzelt gezeigt, dass sich Patienten mit FSS als Konsequenz ihres hilfesuchenden Verhaltens häufiger diagnostischen Prozeduren und eventuell auch mehr chirurgischen Interventionen unterziehen, die zum einen teuer, zum anderen aber auch potenziell gefährlich sein könnten (8, 9, 10, 11, 12). Die Bedeutung von Somatisierungsstörungen auf die Inanspruchnahme in der ambulanten Versorgung ist im Hinblick auf potenziell schädliche Interventionen bislang jedoch unklar.

Bei der Behandlung von Patienten in der alltäglichen Praxis ist es sehr anspruchsvoll, die Patienten im Hinblick auf ihre Bedürfnisse bezüglich der medizinischen Versorgung zufrieden zu stellen (13, 14). Als Behandlungsstrategie wird die sogenannte „Reattribuierung“ empfohlen, bei der im Rahmen einer strukturierten Konsultation gemeinsam mit dem Patienten ein psychosomatisches Erklärungsmodell für die funktionellen Körperbeschwerden erarbeitet wird (15, 16, 17, 18, 19). Durch dieses „Reframing“ soll erreicht werden, dass der Patient lernt, seine körperlichen Beschwerden im Zusammenhang mit den eigenen verstärkenden und abschwächenden psychosozialen Belastungsfaktoren zu sehen. Im Kontext des bio-psycho-sozialen Modells ist eine gute Arzt-Patient-Beziehung hilfreich, um ein vertrauensvolles Verhältnis aufzubauen, das eine Reattribuierung von Körpersymptomen auf Belastungssituationen, unter anderem auch mit Herstellung von familiären oder beruflichen Bezügen, erleichtert.

Die Definition der Allgemeinmedizin fokussiert auf eine langfristige, patientenzentrierte hausärztliche Versorgung, die eine Einbeziehung von psychosozialen und seelischen Aspekten umfasst und eine vertrauensbasierte Versorgung betont; weitere wesentliche Merkmale sind eine Kontinuität und Koordination der Versorgung (18, 19). Eine Koordination der spezialisierten Versorgung könnte für Patienten mit FSS von besonderer Bedeutung sein, um die Inanspruchnahme von wiederholten und potenziell gefährlichen medizinischen Untersuchungen beziehungsweise Interventionen zu reduzieren, denn es ist anzunehmen, dass der freie Zugang zu Spezialisten bei Patienten mit FSS eine Fehlversorgung begünstigt. Patienten, die gegebenenfalls von einer koordinierten Versorgung profitieren würden, könnten beispielsweise durch eine erhöhte Inanspruchnahme im Hinblick auf Arztkontakte, Überweisungen oder häufige Arbeits­unfähigkeits­bescheinigungen identifiziert werden (6, 20).

Primäres Ziel der Routinedatenanalyse war die Evaluation, inwiefern Patienten mit FSS eine erhöhte Inanspruchnahme von teuren und potenziell gefährlichen diagnostischen und medizinischen Prozeduren über einen ausgedehnten Zeitraum aufweisen. Darüber hinaus wollten wir die Bedeutung einer hausärztlich koordinierten Versorgung ermitteln.

Methode

Studiendesign

Es wurde eine longitudinale Analyse von Routinedaten durchgeführt. Die Kohorte setzte sich aus FSS-Patienten und Patienten ohne FSS-Diagnose zusammen. Die Patienten wurden über einen 15-jährigen Zeitraum zwischen 2005 und 2019 beobachtet. Dies umfasste die Zeit fünf Jahre vor Diagnosestellung bis zu zehn Jahre danach (eMethodenteil).

Datensatz

Der anonymisierte Datensatz wurde von der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns bereitgestellt. Alle für die Behandlungsepisoden relevanten Diagnosen wurden in den Abrechnungsquartalen als ICD-10-Diagnosen kodiert. Die ambulanten chirurgischen Interventionen wurden über den Operationen- und Prozedurenschlüssel (OPS) erfasst.

Kohorte

Die Kohorte umfasste Patienten im Alter von 18 bis 50 Jahren mit der Erstdiagnose einer der folgenden funktionellen somatischen Syndrome im Jahr 2010: Chronic Fatigue Syndrom (CFS: ICD-10-GM Code F48.0 und G93.3), Reizdarmsyndrom (RDS: F45.32 und K58), andere funktionelle intestinale Störung (FIS: K59), Fibromyalgie (FM: M79.7), Spannungskopfschmerz (SK: G44.2) und Somatoforme Störung (SS: F45.0). Kinder, Jugendliche und Patienten, die älter als 50 Jahre waren, wurden ausgeschlossen, um eine Fehlklassifikation der Symptome oder eine Verwechslung von funktionellen Körperbeschwerden und somatischen Erkrankungen zu vermeiden. Patienten wurden ausgeschlossen, wenn der Beobachtungszeitraum kürzer war als zwei Jahre vor und nach Erstdiagnose. Damit sollte ein adäquat langer Beobachtungszeitraum gesichert werden.

Eine Kontrollgruppe wurde aus dem Pool der Patienten ohne dokumentierte FSS-Diagnose gezogen, die die gleichen Einschlusskriterien erfüllten. Die Stichprobe wurde nach Alter, Geschlecht und Wohnort stratifiziert, wobei die Anzahl der Teilnehmer in jeder Gruppe als repräsentativ für die bayerische Bevölkerung ausgewählt wurde.

Zielgrößen

Als Maßzahl für die Inanspruchnahme wurden folgende diagnostische Untersuchungen über einen 15-Jahreszeitraum gewählt: Röntgendiagnostik, Computertomografie (CT) und Magnetresonanztomografie (MRT), wobei das Mammografie-Screening ausgeschlossen wurde. Stellvertretend für potenziell gefährliche medizinische Prozeduren wurden ambulante chirurgische Interventionen gewählt. Die Gesamtkosten der ambulanten Versorgung wurden in Euro analysiert, bezogen auf die haushalts- und budgetbereinigten Quartalsabrechnungen.

Definition von koordinierter Versorgung

Die Patienten wurden in drei Gruppen eingeteilt, die jeweils die Koordination in der ambulanten Versorgung während des Quartals widerspiegelt, in der die Erstdiagnose vergeben wurde. Die erste Gruppe umfasste Patienten, die nur den Hausarzt aufsuchten („nur-Hausarzt“). Als Hausärzte wurden Allgemeinärzte, hausärztliche Internisten und Praktische Ärzte klassifiziert. Die zweite Gruppe der koordinierten Patienten (KP) konsultierten einen oder mehrere niedergelassene Spezialisten nur mit hausärztlicher Überweisung. Die dritte Gruppe der „unkoordinierten Patienten“ (UP) konsultierten einen oder mehrere Spezialisten ohne hausärztliche Überweisung. Um den Effekt einer hausarztbasierten Versorgung zu ermitteln kombinierten wir die „nur-Hausarzt“-Gruppe mit der KP-Gruppe und fassten diese zu einer „hausarztbasierten Versorgungs“-Gruppe (HBV-Gruppe) zusammen. Diese HBV-Gruppe wurde mit der UP-Gruppe verglichen. Im Rahmen einer Sensitivitätsanalyse wurden die KP- und UP-Gruppen miteinander verglichen, unter der Annahme, dass bei den Patienten mit Spezialistenkontakten schwerer ausgeprägte Formen von FSS vorlagen.

Statistische Analysen

Wir haben zeitabhängige relative Risiken („risk ratios“, [RR]) berechnet, um die Unterschiede bei der Inanspruchnahme von medizinischen Leistungen zwischen der FSS- und der Kontrollgruppe sowie zwischen koordinierten und unkoordinierten FSS-Patienten zu quantifizieren.

Die Zielparameter wurden unter Verwendung von longitudinalen Regressionsmodellen modelliert, wobei die Zeiteinheit durch den quartalsbasierten Abrechnungszeitraum definiert wurde. Ein „Generalized Estimating Equation“(GEE)-Ansatz wurde angewendet, um die Autokorrelation innerhalb des Patienten zu berücksichtigen, wobei eine autoregressive Varianzstruktur der ersten Ordnung angenommen wurde. In den Modellen wurden Alter und Geschlecht des Patienten sowie der Wohnort berücksichtigt, wie er anhand einer vierstufigen Klassifizierung von „Großstadt“ bis „dünn besiedeltem ländlichen Gebiet“ vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung eingeordnet wird (21).

Charlson-Komorbiditäten wurden für das Jahr vor der Erstdiagnose berechnet und in das Regressionsmodell aufgenommen (22). Eine frühere psychische Störung, definiert als dokumentierte Diagnose Depression (ICD-10-Code F32 oder F33), Angst (F41) oder Belastungsstörung (F43), wurde als weitere relevante Komorbidität aufgenommen. Um die Vergleichbarkeit der Gruppen zu gewährleisten, wurden alle FSS-Patienten im Regressionsmodell so gewichtet, dass die Verteilung von Alter, Geschlecht und Wohnbezirk der bayerischen Bevölkerung im Alter zwischen 18 und 50 Jahren im Jahr 2010 entsprach. Die Analysen wurden vom Statistiker ED durchgeführt. Details zur statistischen Analyse sind in der Online-Beilage dargestellt.

Ergebnisse

Von den 108 412 Patienten mit der Erstdiagnose einer FSS im Jahr 2010 waren 48 225 zwischen 18 und 50 Jahre alt. Letztlich konnten 43 676 Patienten in die Analyse aufgenommen werden, da diese mindestens zwei Jahre vor und nach Diagnosestellung beobachtet werden konnten (eGrafik). Den FSS-Patienten wurden 50 003 Patienten aus der Kontrollgruppe gegenübergestellt. Dementsprechend bestand die Kohorte aus 93 679 Patienten. 93 % wurden mindestens vier Jahre vor Diagnosestellung und 90 % mindestens neun Jahre nach Diagnosestellung beobachtet. FSS-Patienten waren häufiger weiblich, hatten häufiger psychische Erkrankungen und wiesen häufiger koordinierte und unkoordinierte Spezialistenkontakte auf (Tabelle 1).

Patientencharakteristiken und Koordinationsstatus der FSS-Gruppe und Kontrollgruppe im Quartal der Erstdiagnose bzw. des Einschlusses
Tabelle 1
Patientencharakteristiken und Koordinationsstatus der FSS-Gruppe und Kontrollgruppe im Quartal der Erstdiagnose bzw. des Einschlusses
Flussdiagramm zur Patientenselektion
eGrafik
Flussdiagramm zur Patientenselektion

Relative Häufigkeit von diagnostischen Prozeduren und ambulanten Operationen

Grafik 1 zeigt die RR im zeitlichen Verlauf für diagnostische Prozeduren und ambulante Operationen entsprechend der Berechnungen im Regressionsmodell. FSS-Patienten nahmen über den gesamten Zeitraum häufiger Röntgendiagnostik, CT- und MRT-Untersuchungen und ambulante Operationen in Anspruch als die Patienten der Kontrollgruppe (schwarze Linie). Die medizinische Diagnostik und ambulante Operationen zeigen ähnliche Verlaufsmuster, wobei die RR jeweils um den Zeitpunkt der Erstdiagnose am höchsten lagen. Die Maxima der RR sind in Tabelle 2 dargestellt. Unkoordinierte FSS-Patienten (UP) zeigten eine höhere Inanspruchnahme als Patienten der HBV-Gruppe (rote Linie). Die Subgruppenanalyse bezogen nur auf die Patienten mit Spezialistenkontakten zeigte ebenfalls eine höhere Inanspruchnahme der unkoordinierten Patienten (UP) im Vergleich zu den koordinierten Patienten (KP) (blaue Linie).

Relatives Risiko (RR) für die Outcomes Magnetresonanztomografie, Computertomografie, Röntgendiagnostik und ambulante Operationen, mit den Vergleichen „FSS-Gruppe versus Kontrollgruppe“ (schwarze Linie), „unkoordinierte Spezialistenversorgung versus hausarztbasierte Versorgung“ (rote Linie) und „unkoordinierte Spezialistenversorgung versus koordinierte Spezialistenversorgung“ (blaue Linie).
Grafik 1
Relatives Risiko (RR) für die Outcomes Magnetresonanztomografie, Computertomografie, Röntgendiagnostik und ambulante Operationen, mit den Vergleichen „FSS-Gruppe versus Kontrollgruppe“ (schwarze Linie), „unkoordinierte Spezialistenversorgung versus hausarztbasierte Versorgung“ (rote Linie) und „unkoordinierte Spezialistenversorgung versus koordinierte Spezialistenversorgung“ (blaue Linie).
Vergleich der Inanspruchnahme zwischen den unterschiedlichen Gruppen, es werden die Spitzenwerte der Risk Ratios (RR) angegeben
Tabelle 2
Vergleich der Inanspruchnahme zwischen den unterschiedlichen Gruppen, es werden die Spitzenwerte der Risk Ratios (RR) angegeben

Deskriptive Analyse der einzelnen FSS

Grafik 2 bildet den Anteil der Patienten eines jeden Quartals ohne Adjustierung und Glättung, die sich den jeweiligen medizinischen Interventionen unterzogen haben, ab. Die detaillierten ambulanten Operationen sind in der eTabelle dargestellt. Patienten mit Fibromyalgie nahmen häufiger medizinische Interventionen in Anspruch als die anderen Patientengruppen, insbesondere bei MRT und Röntgendiagnostik, die deutlich häufiger in Anspruch genommen wurden als CT-Untersuchungen und ambulante Operationen. Gut sichtbar sind auch die Spitzen der MRT- und CT-Diagnostik zum Zeitpunkt der Diagnosestellung bei Patienten mit Spannungskopfschmerzen.

Anteile der Patientengruppen, die sich in jedem Quartal den unterschiedlichen medizinischen Prozeduren unterziehen, separat für die sechs FSS-Untergruppen und die Kontrollgruppe
Grafik 2
Anteile der Patientengruppen, die sich in jedem Quartal den unterschiedlichen medizinischen Prozeduren unterziehen, separat für die sechs FSS-Untergruppen und die Kontrollgruppe
Zusammenfassung der am häufigsten durchgeführten ambulanten chirurgischen Eingriffe bei den Patienten der Kohorte
eTabelle
Zusammenfassung der am häufigsten durchgeführten ambulanten chirurgischen Eingriffe bei den Patienten der Kohorte

Relative Kosten in der ambulanten Versorgung

In Grafik 3 werden die relativen Kostenunterschiede in der ambulanten Versorgung auf Basis des Regressionsmodells dargestellt. Die RR sind in Tabelle 2 wiedergegeben. Nach Adjustierung für potenzielle konfundierende Variablen zeigten sich bei den FSS-Patienten höhere Kosten als bei der Kontrollgruppe über fünf Jahre vor bis zehn Jahre nach Diagnosestellung (schwarze Linie). Die unkoordinierten Patienten wiesen dabei durchgehend höhere Kosten auf als Patienten der HBV-Gruppe, beginnend vier Jahr vor Diagnosestellung (rote Linie). In der Subgruppenanalyse von Patienten mit Spezialistenkontakten wies die UP-Gruppe gleichfalls höhere Kosten auf als die KP-Gruppe (blaue Linie).

Relative Zunahme der ambulanten Kosten, mit den Vergleichen „FSS-Gruppe versus Kontrollgruppe“ (schwarze Linie), „Unkoordinierte Spezialistenversorgung versus hausarztbasierte Versorgung“ (rote Linie) und „Unkoordinierte Spezialistenversorgung versus koordinierte Spezialistenversorgung“ (blaue Linie).
Grafik 3
Relative Zunahme der ambulanten Kosten, mit den Vergleichen „FSS-Gruppe versus Kontrollgruppe“ (schwarze Linie), „Unkoordinierte Spezialistenversorgung versus hausarztbasierte Versorgung“ (rote Linie) und „Unkoordinierte Spezialistenversorgung versus koordinierte Spezialistenversorgung“ (blaue Linie).

Diskussion

Unseres Wissens nach ist dies die erste Studie, die die Inanspruchnahme eines breiten Spektrums von Patienten mit FSS über einen Zeitraum von 15 Jahren in der ambulanten Versorgung untersucht. Wir fanden, dass sich FSS-Patienten häufiger bildgebenden Verfahren und ambulanten Operationen unterziehen als Patienten ohne FSS. Das Ausmaß der Inanspruchnahme war bei denjenigen Patienten höher, deren spezialisierte Versorgung nicht hausärztlich koordiniert war.

Die erhöhte Inanspruchnahme von bildgebenden Verfahren und Operationen ist insbesondere besorgniserregend, da hierdurch inhärente Risiken für die Patienten gegeben sind. Die Zusammenhänge zwischen wiederholter Röntgen- und CT-Diagnostik und einem erhöhten Krebsrisiko sind hinlänglich gut bekannt (23). Bei ambulanten Operationen besteht ein Risiko von Infektionen oder iatrogenen Läsionen. Unsere Analysen dehnen die Erkenntnisse aus dem tertiären Krankenhaussetting (8, 9, 10, 11, 12) in den ambulanten Sektor auf der Basis einer großen Patientenkohorte aus. Dabei konnte gezeigt werden, dass diese Effekte über den gesamten Zeitraum anhalten, beginnend bereits lange Zeit vor Dokumentation der Erstdiagnose einer FSS. Darüber hinaus wurde die Bedeutung der teuren Diagnostik und Prozeduren für die ambulanten Versorgungskosten deutlich.

Zum Zeitpunkt der Diagnosestellung waren Spitzenwerte bei den diagnostischen Verfahren zu finden, die vermutlich durch eine Ausschlussdiagnostik zustande kamen. Da die erhöhte Inanspruchnahme jedoch über den gesamten Zeitraum bestand, scheint es nach wie vor herausfordernd zu sein, diese vulnerablen Patienten zeitgerecht zu identifizieren, um eine somatische Fixierung und Überdiagnostik zu vermeiden. Die Implementierung der eingangs beschriebenen Behandlungsstrategien und Konzepte zum Patientenmanagement (4, 15, 16, 17) erfordern ein „ganzheitliches“ bio-psycho-soziales Verständnis der Patienten, basierend auf einer langdauernden und vertrauensvoll angelegten Arzt-Patient-Beziehung. Diese Aspekte werden als Kernelemente der Allgemein- und Familienmedizin betont (18, 19, 24). Passend hierzu konnten wir zeigen, dass eine geringere Inanspruchnahme mit einer hausärztlichen Koordination einherging. Auf den ersten Blick scheint dieser Effekt nicht besonders groß zu sein. Die Größenordnung entspricht jedoch den Effekten von anderen populationsbasierten Analysen, in denen die Bedeutung der Versorgungskontinuität und der umfassenden Patientenversorgung untersucht wurde (25, 26). Gleichwohl scheint die erhöhte Inanspruchnahme von potenziell gefährlichen Interventionen auf ein Versorgungsdefizit hinzuweisen. Weitere Anstrengungen sind daher erforderlich, um effektive Kommunikations- und Behandlungsstrategien in der ambulanten Versorgung zu entwickeln und zu evaluieren, um den Langzeitverlauf der Patienten mit FSS zu verbessern.

Stärken und Schwächen der Studie

Die Möglichkeit der Analyse einer großen, repräsentativen Abrechnungsdatenbank mit einer zuverlässigen Beobachtungsmöglichkeit von anonymisierten Patienten über einen Zeitraum von fünfzehn Jahren stellt eine große Stärke der Studie dar. Eine Limitation ist, dass in der Gruppe der FSS-Patienten mehr weibliche Patienten und häufiger frühere psychische Erkrankungen vorhanden waren als bei der Kontrollgruppe; dieser Effekt wurde durch Gewichtungsprozesse und Adjustierungen im Regressionsmodell doppelt berücksichtigt. Zudem wurden die Diagnosen verwendet, wie sie von den Ärzten und Psychotherapeuten zum Zeitpunkt der Erstbehandlung dokumentiert wurden, um Risiken wie zum Beispiel eines Recall Bias zu minimieren. Die Verwendung von Routinedaten könnte generell als Limitiation gesehen werden, denn der medizinische Informationsgehalt ist auf die dokumentierten ICD-10-Diagnosen begrenzt, die wiederum die Besonderheiten des Vergütungssystems und den Codiergewohnheiten der Ärzte unterworfen sind. Die Kohortenselektion beruhte daher auf dem klinischen Urteil der individuellen Ärzte und nicht auf standardisierten Tests oder wissenschaftlich objektivierten diagnostischen Klassifikationen. Eine weitere Einschränkung besteht darin, dass wir nur den Koordinationsstatus im Quartal der ersten Diagnose berücksichtigen konnten, da die Zuordnung jedes Patienten zu einer einzelnen Koordinationsgruppe die Analyse und Interpretation der Daten für die Verlaufsanalyse einfacher macht als die Einbeziehung von zeitabhängigen Variablen. Der Zeitpunkt der Erstdiagnose repräsentiert jedoch ein besonders kritisches Stadium im Krankheitsverlauf, in der eine koordinierte Versorgung besonders bedeutsam ist. Darüber hinaus konnten nur FSS-Patienten mit wiederholter Konsultation in die Analyse aufgenommen werden. Patienten mit einmaliger Vorstellung könnten weniger schwere FSS-Verlaufsformen repräsentieren, worüber jedoch keine Aussage gemacht werden kann. Zudem hatten wir keine Informationen zu Interventionen im Krankenhaussetting. Dies könnte zu einer Unterschätzung der Inanspruchnahme von medizinisch gefährlichen Prozeduren bei FSS-Patienten geführt haben.

Resümee

Patienten mit FSS nehmen häufiger potenziell gefährliche diagnostische Untersuchungen und ambulante Operationen in Anspruch. Die hausärztliche Koordination und die Kontinuität der Versorgung sollten gestärkt werden, um eine frühzeitige Identifikation dieser vulnerablen Patienten zu ermöglichen und das ambulante Versorgungsmanagement zu erleichtern.

Danksagung

Die Autoren bedanken sich bei der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns für die Unterstützung und den Zugang zum Datensatz.

Ethikvotum

Die Analyse wurde gemäß der „Guten Praxis Sekundärdaten“ mit einem anonymisierten Datensatz durchgeführt. Dementsprechend waren ein Ethikvotum und eine Einverständniserklärung von Patienten nicht erforderlich. Die Studie wurde unter strikter Einhaltung des Datenschutzes durchgeführt, wie sie vom Dateninhaber (Kassenärztliche Vereinigung Bayerns) vorgeschrieben wurde.

Interessenkonflikt

Die Autoren erklären, dass keine Interessenkonflikte bestehen. Die Analyse und Mitwirkung am Manuskript erfolgte im Rahmen der Promotionsarbeit des Zweitautors ED (geteilte Erstautorenschaft).

Manuskriptdaten
eingereicht: 10. 9. 2020, revidierte Fassung angenommen: 26. 1. 2021

Anschrift für die Verfasser
Prof. Dr. med. Antonius Schneider
Institut für Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung
Klinikum rechts der Isar, TU München
Orleansstraße 47, 81667 München
antonius.schneider@tum.de

Zitierweise
Schneider A, Donnachie E, Zipfel S, Enck P: Patients with somatoform disorders are prone to expensive and potentially harmful medical procedures—results of a retrospective cohort study over 15 years. Dtsch Arztebl Int 2021; 118: 425–31. DOI: 10.3238/arztebl.m2021.0135

►Die englische Version des Artikels ist online abrufbar unter:
www.aerzteblatt-international.de

Zusatzmaterial
eLiteratur, eMethodenteil, eTabelle:
www.aerzteblatt.de/m2021.0135 oder über QR-Code

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* Die Autoren teilen sich die Erstautorenschaft
Institut für Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung, Klinikum rechts der Isar, TU München: Prof. Dr. med. Antonius Schneider, MSc Ewan Donnachie
Abteilung für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Universitätsklinikum Tübingen:
MSc Ewan Donnachie, Prof. Dr. med. Stephan Zipfel, Prof. Dr. med. Paul Enck
Relatives Risiko (RR) für die Outcomes Magnetresonanztomografie, Computertomografie, Röntgendiagnostik und ambulante Operationen, mit den Vergleichen „FSS-Gruppe versus Kontrollgruppe“ (schwarze Linie), „unkoordinierte Spezialistenversorgung versus hausarztbasierte Versorgung“ (rote Linie) und „unkoordinierte Spezialistenversorgung versus koordinierte Spezialistenversorgung“ (blaue Linie).
Grafik 1
Relatives Risiko (RR) für die Outcomes Magnetresonanztomografie, Computertomografie, Röntgendiagnostik und ambulante Operationen, mit den Vergleichen „FSS-Gruppe versus Kontrollgruppe“ (schwarze Linie), „unkoordinierte Spezialistenversorgung versus hausarztbasierte Versorgung“ (rote Linie) und „unkoordinierte Spezialistenversorgung versus koordinierte Spezialistenversorgung“ (blaue Linie).
Anteile der Patientengruppen, die sich in jedem Quartal den unterschiedlichen medizinischen Prozeduren unterziehen, separat für die sechs FSS-Untergruppen und die Kontrollgruppe
Grafik 2
Anteile der Patientengruppen, die sich in jedem Quartal den unterschiedlichen medizinischen Prozeduren unterziehen, separat für die sechs FSS-Untergruppen und die Kontrollgruppe
Relative Zunahme der ambulanten Kosten, mit den Vergleichen „FSS-Gruppe versus Kontrollgruppe“ (schwarze Linie), „Unkoordinierte Spezialistenversorgung versus hausarztbasierte Versorgung“ (rote Linie) und „Unkoordinierte Spezialistenversorgung versus koordinierte Spezialistenversorgung“ (blaue Linie).
Grafik 3
Relative Zunahme der ambulanten Kosten, mit den Vergleichen „FSS-Gruppe versus Kontrollgruppe“ (schwarze Linie), „Unkoordinierte Spezialistenversorgung versus hausarztbasierte Versorgung“ (rote Linie) und „Unkoordinierte Spezialistenversorgung versus koordinierte Spezialistenversorgung“ (blaue Linie).
Patientencharakteristiken und Koordinationsstatus der FSS-Gruppe und Kontrollgruppe im Quartal der Erstdiagnose bzw. des Einschlusses
Tabelle 1
Patientencharakteristiken und Koordinationsstatus der FSS-Gruppe und Kontrollgruppe im Quartal der Erstdiagnose bzw. des Einschlusses
Vergleich der Inanspruchnahme zwischen den unterschiedlichen Gruppen, es werden die Spitzenwerte der Risk Ratios (RR) angegeben
Tabelle 2
Vergleich der Inanspruchnahme zwischen den unterschiedlichen Gruppen, es werden die Spitzenwerte der Risk Ratios (RR) angegeben
Flussdiagramm zur Patientenselektion
eGrafik
Flussdiagramm zur Patientenselektion
Zusammenfassung der am häufigsten durchgeführten ambulanten chirurgischen Eingriffe bei den Patienten der Kohorte
eTabelle
Zusammenfassung der am häufigsten durchgeführten ambulanten chirurgischen Eingriffe bei den Patienten der Kohorte
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