ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2021Internistenkongress: Wie Fake News in der Medizin groß werden

MEDIZINREPORT

Internistenkongress: Wie Fake News in der Medizin groß werden

Schenk, Maren

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Nicht erst das Coronajahr hat die Medizin zu vielen falschen Heilsversprechen und Widersprüchen verleitet. Ärzte werden in der Praxis einerseits mit Wissenschaftsleugnung und andererseits mit überzogenen Erwartungen konfrontiert. Für den Umgang damit gaben Internisten ihren Kolleginnen und Kollegen Empfehlungen an die Hand.

Foto: rudall30/stock.adobe.com
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Die einen sprechen von „Abfall“ und von einer „Infodemie“, die anderen behaupten, es seien dadurch Leben gerettet worden: Beide Seiten meinen den Publikationsboom, den die medizinische Wissenschaft seit Beginn der Coronapandemie produziert hat (1, 2, 3, 4, 5). Unstrittig ist, dass noch nie so viele Studien in so kurzer Zeit als „preprints“ ohne vorherige Prüfung durch die Fachwelt erschienen sind. Etliche davon mussten auch wieder zurückgezogen werden.

Das hat das Vertrauen in die medizinische Forschung nicht gerade befördert und zudem der Verleugnung mancher wissenschaftlichen Tatsachen den Boden bereitet. Welche Mechanismen dabei wirksam werden, wurde auf dem diesjährigen Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) beleuchtet.

Ein Paradebeispiel dafür, wie es in der Coronapandemie zu vorschnellen Trugschlüssen kam, ist das Anti-Malariamittel Hydroxychloroquin (HCQ). Es wurde zu Beginn der Coronapandemie als Medikament gegen SARS-CoV-2 diskutiert und dann als Wundermittel regelrecht gehypt. Nach zahlreichen Studien kommt ein Cochrane-Review inzwischen aber zu dem Schluss, dass weder Hydroxychloroquin noch Chloroquin bei COVID-19 einen Nutzen haben (6).

Unzureichend von Anfang an

In einer ersten breit rezipierten In-vitro-Studie vom März 2020 hemmte HCQ die Virusreplikation in Zellkultur (7). Allerdings: „Das ist nicht sehr aussagekräftig, viele Substanzen hemmen Viren in vitro“, erklärte Dr. med. Till Koch, der als Internist am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf in der Infektiologie tätig ist. Als „Game- Changer-Studie“ galt dann aber die ebenfalls im März 2020 veröffentlichte In-vivo-Studie aus Marseille – publiziert von einem Team um Prof. Dr. med. Didier Raoult, einem eher umstrittenen Virologen, so Koch (8).

In einer Gruppe von 20 COVID-19-Patienten, die HCQ erhalten hatten, wurde bei 14 (70 %) die Viruslast gesenkt. Das sei „aus heutiger Sicht ein schlechtes Maß für die Wirksamkeit, da hierdurch der Verlauf der Erkrankung nicht gut vorhergesagt werden kann“, so der Hamburger Infektionsexperte. Kritisiert wurde die Studie auch gleich nach der Publikation. Die umfangreiche Medienarbeit von Raoult auf Youtube, Twitter & Co. machten aber viele auf HCQ aufmerksam.

Soziale Medien als Superspreader
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Soziale Medien als Superspreader

Doch entscheidend war die Aufmerksamkeit aus den USA: Tucker Carlson, ein einflussreicher Kommentator bei Fox News, wies auf diese Studie und eine weitere Arbeit hin, wonach HCQ eine „effektive Behandlung von COVID-19“ sei. Diese Publikation stammte nur angeblich von der Stanford University und war am 13. März 2020 bei Google Docs hochgeladen worden. „Auch Elon Musk hat dieses Paper seinen 50 Millionen Followern bei Twitter zur Lektüre empfohlen“, schilderte Koch den weiteren Verlauf.

Bekanntlich hatte auch Donald Trump HCQ seinen Followern ans Herz gelegt – er nehme es zur Prophylaxe, hatte er erklärt. Schon am 30. März 2020 erteilte die amerikanische Zulassungsbehörde FDA eine vorübergehende Notfallzulassung für HCQ und Chloroquin, gefolgt von Zulassungen in einigen anderen Ländern.

Am Ende ein Sargnagel für HCQ

Die Wissenschaftler wollten mithalten: Im April 2020 nahm die Zahl der Studien über die Wirkung von HCQ als Prophylaktikum sowie bei ambulanten und hospitalisierten COVID-19-Patienten deutlich zu. „Die meisten zeigten keinen Benefit“, so Koch, „aber die Berichte über Risiken nahmen zu“.

Ein „großer Sargnagel“ für HCQ seien die Ergebnisse der randomisierten RECOVERY-Studie gewesen (9). Sie wurde wegen fehlenden Benefits sogar vorzeitig abgebrochen, wie im Juni 2020 bekannt wurde. Am 15. Juni 2020 nahm die FDA ihre Notfallzulassung zurück. „HCQ war ein toter Fisch“, so das Fazit von Koch. Doch wie konnte es dazu kommen und was lässt sich gegen solche Dynamiken im Wissenschaftsbetrieb tun?

Die Pandemie erzeugt Druck, Evidenz generieren zu müssen, erklärte Koch. Ideal wären randomisiert-kontrollierte Studien gewesen – als verlässlichste Form von Interventionsstudien mit Medikamenten. Aber das war von Anfang an Wunschdenken. Es wurden bald sogar immer mehr ungeprüfte Preprints publiziert. Oder es wurden, wie etwa bei der WHO-Solidarity-Studie, bewusst weniger Daten erhoben, in einem schlankeren Studiendesign, um schneller Antworten geben zu können, erklärte Koch (10). Immer mehr Studien werden daher inzwischen zurückgezogen.

Koch nennt zwei weitere Besonderheiten im Falle der Coronaepidemie: „Der Maschinenraum der Wissenschaft ist gläsern geworden: Die ganze Gesellschaft diskutiert mit.“ Zudem sei der Handlungsdruck auf die Politik groß. „Die unsichere Evidenzgewinnung und die politische Dimension des Problems bilden den Nährboden für Wissenschaftsleugnung und Fake News“, so Koch. Aber egal ob Coronapandemie oder Klimawandel, Desinformationskampagnen folgten oft gleichen Regeln (Kasten). Ein Problem dabei sei der anhaltende Einfluss von Falschinformationen, so blieben diese lange im Gedächtnis. Doch es gebe Gegenstrategien, sagte Koch, zum Beispiel die „Inoculation Theory“ aus den 1960er-Jahren, die für die COVID-19-Pandemie aktualisiert wurde (11).

Danach könne man Menschen gegen Falschinformationen „psychologisch immunisieren“, indem man erstens Inhalte widerlege. Es sei hierbei aber besser, etwa bei einem Vergleich von COVID-19 mit Influenza nicht über die Grippe, sondern über die Schwere von COVID-19 zu reden. Zweitens sollte man die Mechanismen von Fake News erklären (Kasten). Drittens sollte man „Ross und Reiter“, die Akteure hinter den Falschinformationen, benennen und viertens den kritischen Umgang mit Quellen vermitteln. Als weitere Gegenstrategie empfahl Koch einzuräumen, dass Wissenschaft politisch sei. Wer woran forsche, seien politische Entscheidungen, „das kann man nicht ignorieren – wir sind nicht in unserem Elfenbeinturm und komplett apolitisch“. Wichtig sei auch anzuerkennen, dass es grundlegende Probleme der Wissenschaft gebe – etwa den Mangel an Ressourcen zur Erforschung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten.

Hydroxychloroquin als mögliche Therapie bei COVID-19 sei deshalb ein lehrreiches Beispiel für Wissenschaftsleugnung, erläuterte Koch, weil HCQ als Lösung eines politischen Problems in den USA propagiert wurde. Zudem habe man weiter daran festgehalten, als bereits die Erkenntnisse vorlagen, dass es nutzlos war (12). „Hier wurden wissenschaftliche Erkenntnisse aus politischen Gründen instrumentalisiert.“ Kontern könnten Wissenschaftler, indem sie zum Beispiel darauf hinweisen, dass In-vitro-Ergebnisse nicht genügend aussagekräftig sind, dass manche der Studien nicht randomisiert seien und was dies bedeute. „Wir müssen Position beziehen in der COVID-19-Pandemie als gesellschaftspolitisch-wissenschaftliches Thema.“

Methadon als Antikrebsmittel

Ein weiteres Beispiel für den ungerechtfertigten Hype um ein Arzneimittel begann ebenfalls mit vielversprechenden Versuchen in Zellkultur: Die Diskussionen um das Opioid Methadon als „nebenwirkungsarmes Heilmittel gegen Krebs“ und als „Wirkverstärker in der Chemotherapie“ erreichte 2017 seinen Höhepunkt in der medialen Aufmerksamkeit.

Während das synthetische Opioid in der Substitutionsbehandlung und zur Schmerztherapie etwa palliativ bei Krebspatienten schon lange eingesetzt wird, ist seine Wirkung als onkologisch wirksame Therapie umstritten. 2017 warnten 4 Fachgesellschaften vor dem Einsatz von Methadon bei Krebspatienten (13). Derzeit läuft eine prospektive klinische Multicenterstudie zu Methadon in der Krebstherapie unter der Leitung der Universitätsklinik Ulm (14).

Dr. med. Ulrich Schuler erläuterte anhand dieses Beispiels, wie Ärzte und Patienten ohne ausreichende Evidenz einerseits Vertrauen in eine vielleicht sinnvolle Therapie gewinnen, aber auch verlieren können. Zudem sei die Frage, wie Ärzte mit überzogenen Erwartungen umgehen sollen. Erstmals war Schuler als Direktor des Palliativzentrums am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus in Dresden Weihnachten 2014 damit konfrontiert, als ein sterbenskranker Patient auf seiner Palliativstation im Radio von Methadon gehört hatte. Der Onkologe wurde neugierig, nahm Kontakt mit dem MD Andersson Cancer Center in Houston/Texas auf und initiierte eine Studie. In dieser Fall-Kontroll-Studie mit 164 Patienten (publiziert 2017) zeigte Methadon keinen Überlebensvorteil gegenüber anderen Opioiden – bestenfalls einen marginalen Effekt (15). „Daher war für mich zu Beginn 2017 das Thema eigentlich kaum noch interessant“, erklärte er.

Bei Google erreichte Methadon damals allerdings einen Peak: Die größte Google-Aufmerksamkeit generierte ein Bericht bei RTL stern TV am 21. Juni 2017. Allerdings war das Interesse an Methadon in diesem Kontext ein fast ausschließlich deutschsprachiges Phänomen. „Im Ausland hat das kaum jemanden interessiert“, so Schuler.

Interessant ist zu sehen, wie etwas in manchen Ländern hohe Wellen schlägt, andernorts aber überhaupt nicht. Dass hierzulande Patienten so viel Hoffnung mit Methadon verknüpften, Ärzte es aber nicht überzeugend fanden, habe zum Beispiel auch an einem Statement in „momentum“, der Zeitschrift der Biologischen Krebsabwehr, gelegen (16). Dort hieß es von einer Wissenschaftlerin des Zentrums für biomedizinische Forschung in Ulm: „Ich bin der Überzeugung, dass D,L-Methadon praktisch allen Krebspatienten helfen könnte. … Krebspatienten bekommen nur einen Bruchteil der Dosis, die sich in der Substitutionstherapie bewährt hat. Sie können mit Methadon nur gewinnen, nicht verlieren.“

Schuler widerspricht dem jedoch: Methadon werde bei Krebspatienten als „Wirkverstärker“ mit meist mehr als der Hälfte der Dosis in der Substitution verwendet. „Man darf diese Darstellung beschönigend nennen. Das ist einer der Gründe, dass ich dazu kein Vertrauen entwickelt habe.“

Im RTL-Bericht habe es offenbar den Moderator kaum beeindruckt, dass ein Großteil aller Medikamente in klinischen Studien scheitern (17). Schuler monierte in seinem Vortrag die mangelhafte Recherche in solchen Beiträgen: „Wissen solche Moderatoren, dass sie mit Gefühlen von Menschen spielen, die in einer lebensbedrohlichen Lage sind?“, gab er zu bedenken.

In der Sendung kam auch ein Arzt zu Wort, der 2018 in der Zeitschrift Schmerzmedizin einen Artikel zu den „Vorteilen von Methadon gegenüber Opiaten“ verfasst hatte. Mehrere Leserbriefe widersprachen und machten auf falsche Inhalte aufmerksam (18, 19). Schuler wies auf ein weiteres Problem in der Publikation hin: Dort werden dosisabhängige Äquivalenzdosen für Methadon in einer Tabelle genannt, die aus einer anderen Publikation mit 14 Patienten übernommen worden waren (20). Man hätte darauf aufmerksam machen müssen, dass man mit 14 Patienten schlecht 6 Dosisempfehlungen begründen kann, monierte der Palliativarzt Schuler in seinem Vortrag.

Enttäuschte Patienten

Der Palliativmediziner berichtete schließlich von eigenen Erfahrungen mit Krebspatienten, die Methadon erhalten hatten: Bei der Mehrzahl der Patienten seien keine dramatischen Nebenwirkungen aufgetreten. Allerdings hatte er in der Klinik mehrfach mit Patienten zu tun, die massiv vom Ausbleiben des Erfolgs enttäuscht waren und die Methadon dann in Situationen absetzen wollten, in denen es schmerztherapeutisch durchaus eine Option war.

Er erlebte auch häufig eine negative Beeinflussung notwendiger, sinnvoller Therapieentscheidungen. In einem Fall hätten er und seine Kollegen beinahe eine notwendige antikonvulsive Therapie reduziert – wegen einer Sedierung durch eine vor ihnen geheim gehaltene Methadon-Einnahme.

Schuler wies weiterhin auf die wichtige Rolle der Familie hin. Er empfiehlt Kollegen daher, auch auf die Angehörigen zu schauen, denn oft sei nicht der Patient die treibende Kraft bei der Suche nach Rettungsankern. „Es ist ein Ausdruck von Kümmern und Zuwendung, möglicherweise auch ein Ausdruck von Verdrängung bei den Angehörigen.“

Der Patient möchte seinerseits die Gefühle der Angehörigen nicht verletzen und ist daher womöglich in einer Zwickmühle zwischen ihnen und den behandelnden Ärzten. „Der Patient und unter Umständen auch die Angehörigen benötigen oft psychoonkologische Mitbetreuung.“ Ein weiterer Tipp von Schuler, um besseres Wissen zu fördern: „Fordern Sie Patienten und Angehörige auf, mit den richtigen Suchbegriffen ins Internet zu gehen.“

Er empfiehlt als Fazit, zur Krebstherapie Methadon nicht außerhalb von Studien einzusetzen. Bei Patienten, die es nutzen, sollte es nicht vorschnell abgesetzt oder umgestellt werden, denn es könne zum Beispiel zu Entzugssymptomen, Schmerzen oder Konflikten in der Familie kommen. „Machen Sie eine Risiko-Evaluation“, so Schuler zu seinen Kollegen. Man könne das EKG, die Vigilanz, die Elektrolyte, eine geplante Medikation und anderes bewerten. Im Fall von erkennbaren Risiken sollte die juristische Dimension der Weiterbehandlung geklärt werden, denn auf Basis des Patientenwillens ist dies seines Erachtens ungeklärt. Schuler bat die Zuhörer überdies, Gewebespiegel zu bestimmen, wenn sie Patienten unter Methadon einem chirurgischen Eingriff zuweisen. „Dies wäre hochinteressant, da bisher wenig bekannt ist über In-vivo-Spiegel.“

Vom Umgang mit Homöopathie

Nicht nur um die wissenschaftliche Bewertung einzelner, gehypter Medikamente ging es auf dem Kongress. Mit der seit dem 18. Jahrhundert bekannten und auch innerhalb der Ärzteschaft heftig debattierten Homöopathie beschäftigte sich Dr. med. Christian W. Lübbers, Facharzt für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde in Weilheim. Er ist Sprecher des Informationsnetzwerks Homöopathie (INH). Dabei handelt es sich um einen Zusammenschluss von Ärzten und Wissenschaftlern, die sich für eine faire, wissenschaftliche begründete Aufklärung über Homöopathie einsetzen.

Homöopathie bei Corona – Was die Deutschen von einer ergänzenden Therapie halten
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Homöopathie bei Corona – Was die Deutschen von einer ergänzenden Therapie halten

Hier sei die evidenzbasierte Medizin gefordert. Seit 1991 sind 11 indikationsübergreifende systematische Übersichtsarbeiten zur Homöopathie erschienen, verfasst von Ärzten und Wissenschaftlern und nicht zuletzt von Homöopathie-Befürwortern selbst. „Keines dieser 11 Reviews kam zu dem Ergebnis, dass eine verlässliche Evidenz für die Wirksamkeit einer homöopathischen Behandlung bei irgendeiner Indikation vorliegt“, sagte Lübbers.

Eines der Reviews empfiehlt zum Beispiel Menschen, die Homöopathie benutzen, dies ihrem Arzt mitzuteilen und keine anderen bereits verschriebenen Medikamente abzusetzen (21). Dies zähle zu den Risiken einer solchen Therapie, denn Homöopathie könne auch schaden, mahnte Lübbers.

Dies hält die Europäische Akademie der Wissenschaften (European Academies Science Advisory Council, EASAC) explizit fest, zu der auch die Leopoldina gehört. Sie hat in einem Statement 2017 auf die Gefahren der Homöopathie hingewiesen (22, 23): Dazu gehören zum Beispiel ethische Bedenken, wenn Homöopathie ohne Patienten-Aufklärung oder -Information angewendet wird, aber auch Gefahren durch die Herstellung, durch fehlende Verdünnung oder Verunreinigungen.

Nicht zuletzt können die Verzögerung oder sogar Verhinderung einer wirksamen Therapie für den Patienten ein erhebliches Risiko darstellen. Daher fordert die EASAC die EU und die Mitgliedsstaaten auf, Homöopathika nicht als Arzneimittel zu registrieren oder zuzulassen, Krankenkassen sollten die Kosten nicht erstatten, die Inhaltsstoffe und -mengen sollten klar und verständlich angegeben werden und beschönigende Werbe- und Marketingaussagen müssen unterbleiben.

Situation in Deutschland

Lübbers machte darauf aufmerksam, dass mittlerweile bereits 11 von 17 Ärztekammern die Homöopathie aus der ärztlichen Weiter­bildungs­ordnung gestrichen haben oder streichen wollen. Schließlich sei eine der Hauptforderungen des INH, die erleichterte Zulassung von Homöopathika als Arzneimittel auf den Prüfstand zu stellen.

„Wenn es nicht gelingt, das Problem des wissenschaftlich unstrittigen Etikettenschwindels der Homöopathie und des dadurch bedingten Sonderstatus in Zulassung und Erstattung zu lösen, brauchen wir gar nicht erst anfangen, über weniger eindeutige, aber dennoch fragwürdige Dinge in der Medizin zu diskutieren. Dieses Messen mit zweierlei Maß führt zu einem irreparablen Glaubwürdigkeitsverlust“, so sein Fazit. Maren Schenk

Literatur im Internet:
www.aerzteblatt.de/lit2521
oder über QR-Code.

Tricks der Wissenschaftsleugner

Die 5 häufigsten Techniken der Wissenschaftsleugnung werden im Englischen seit 2013 als FLICC bezeichnet. Mit diesem Kunstwort fasste man damals die 5 häufigsten Methoden von Klimawandelleugnern zusammen. Im Englischen stehen die Buchstaben für Fake Experts, Logical Fallacies, Impossible Expectations, Cherry Picking und Conspiracy Myths. Im Deutschen heißt das Akronym PLURV:

  • Pseudo-Experten
  • Logikfehler: Argumente, die sich bei genauer Betrachtung als unlogisch erweisen
  • Unerfüllbare Erwartungen: zum Beispiel nach einem unerreichbaren Grad von Gewissheit
  • Rosinenpickerei: bewusst auf lückenhafte Informationen oder Anekdoten verweisen
  • Verschwörungsmythen

Quelle: https://doinggeoandethics.com/2021/05/10/p-l-u-r-v-dies-sind-die-haufigsten-desinformations-tricks-von-wissenschafts-leugnern/

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Soziale Medien als Superspreader
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Homöopathie bei Corona – Was die Deutschen von einer ergänzenden Therapie halten
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Homöopathie bei Corona – Was die Deutschen von einer ergänzenden Therapie halten
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