ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2021Langzeitergebnisse der Knieendoprothesenimplantation: Revisionseingriffe nach Knieersatz bei Männern und bei jüngeren Patienten häufiger

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Langzeitergebnisse der Knieendoprothesenimplantation: Revisionseingriffe nach Knieersatz bei Männern und bei jüngeren Patienten häufiger

Gerste, Ronald D.

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Foto: SciePro/ stock.adobe.com
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Die Implantation eines künstlichen Kniegelenks ist eine effektive Methode, um Patienten mit fortgeschrittenen Knieerkrankungen wie der Osteoarthrose zu helfen. Dies ist die häufigste Form einer Gelenkentzündung und sie tritt bei Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises auf. Schmerzen und Bewegungseinschränkungen sind die Folgen. Die Wahrscheinlichkeit, im Laufe des Lebens ein künstliches Kniegelenk zu benötigen, wird auf 1 Mal pro 6 Frauen und auf 1 Mal pro 10 Männer geschätzt. Für Deutschland wird für die Zeit von 2020 bis 2050 mit einer Zunahme der Eingriffe um 43 % gerechnet.

82 % der implantierten Kniegelenkendoprothesen funktionieren für > 25 Jahre. Dennoch sind Revisionen nicht ungewöhnlich. Die wichtigsten Ursachen sind im Gesamtkollektiv der Revisionsfälle eine aseptische Lockerung mit oder ohne Osteolyse, gefolgt von Implantatinfektionen. Für frühe Revisionseingriffe nach < 1 Jahr ist die Infektion des Implantats die häufigste Ursache. Eine britische Autorengruppe hat auf Basis des National Joint Registry in England and Wales analysiert, welche Risiken zu Revisionen von Knieersatz, auch zu mehrfachen, führen können.

Im Register wurden 1 197 698 Kniegelenkersatzoperationen, von denen 97,4 % aufgrund einer Osteoarthrose erfolgten, und 33 292 Revisionen zwischen 2003 und 2018 mit Bezug auf den Ersteingriff dokumentiert.

In 3 575 Fällen kam es zu einer 2. und in 574 Fällen zu einer 3. Revision. Solche Folgeeingriffe waren bei Männer mit 20 % ([95-%-Konfidenzintervall] [19,0; 21,0]) häufiger als bei Frauen mit 14,8 % [13,9; 15,6] und bei jüngeren Patienten < 55 Jahre mit 26,6 % [23,9; 29,5] häufiger als bei jenen in der Altersgruppe von 75 bis 79 Jahren mit 13,6 % [10,6; 17,5]. Bei Frauen waren es 21,0 % [18,6; 23,5] in der jüngeren Gruppe im Vergleich zu 8,3 % [6,8; 10,2] in der älteren Gruppe. Bei jedem 5. Patienten (19,9 % [18,3; 21,5]) kam es binnen der ersten 13 Jahre nach dem Primäreingriff zu einer Revision.

Bei den Patienten, die weiterer Eingriffe bedurften, halbierte sich der betreffende Zeitraum jeweils: 20,7 % [19,1; 22,4] der Zweitrevisionen erfolgten in den nächsten 5 Jahren und 20,7 % [17,1; 24,9] der Drittrevisionen innerhalb der darauffolgenden 3 Jahre.

Fazit: „Neben den unterschiedlichen geschlechterspezifischen Langzeitergebnissen ist auch das Ergebnis der immer kürzer werdenden Intervalle nach Revisionseingriffen hervorzuheben“, kommentiert Prof. Dr. med. Sven Ostermeier, Leitender Orthopäde des zertifizierten Endoprothetikzentrums an der Gelenk-Klinik Gundelfingen. „Daher sollte bei jedem primären Gelenkersatz das Motto gelten: Der ‚erste Schuss‘ muss sitzen!“ Dr. med. Ronald D. Gerste

Deere K, Whitehouse MR, Kunutsor SK, et al.: How long do revised and multiply revised knee replacements last? A retrospective observational study of the National Joint Registry. Lancet Rheumatology 2021; 3: E438–46.

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