ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2021Corona-Warn-App: Das digitale Taschenmesser

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Corona-Warn-App: Das digitale Taschenmesser

Reichardt, Alina

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Seit einem Jahr gibt es die Anwendung. Laut einer ersten Datenanalyse half sie, Tausende Infektionsketten zu unterbrechen. Die Entwickler der App planen bereits weitere Funktionen.

Update: In seiner neusten Version kann die Corona- Warn-App auch das digitale Impfzertifikat anzeigen. Bald soll auch der „Genesen-Status“ hinzukommen. Foto: picture alliance/dpa/tmn/Zacharie Scheurer
Update: In seiner neusten Version kann die Corona- Warn-App auch das digitale Impfzertifikat anzeigen. Bald soll auch der „Genesen-Status“ hinzukommen. Foto: picture alliance/dpa/tmn/Zacharie Scheurer

Mit der Corona-Warn-App werden ähnlich viele Infizierte angesprochen wie über die analoge Kontaktverfolgung durch die Gesundheitsämter. Das legt eine erste Auswertung der Anwendung durch das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium (BMG) und das Robert Koch-Institut (RKI) nahe. Die App wurde vor einem Jahr erstmals in den Stores von Google und Apple angeboten. Sie wurde mittlerweile mehr als 28 Millionen Mal heruntergeladen und 15,6 Millionen Mal für die Übermittlung von Testergebnissen genutzt, wie die Macher zum Jubiläum der Anwendung mitteilten.

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Für die vorläufige Analyse zogen die Autoren zwei Datenquellen heran. Zum einen haben Nutzer der App seit März die Möglichkeit, bestimmte Daten unter Wahrung ihrer Anonymität zu spenden. Acht Millionen Anwender machten nach Angaben des BMG davon Gebrauch.

Aus den gespendeten Daten lasse sich unter anderem ableiten, dass Nutzer, die ein positives Coronatestergebnis über die App teilten, zwischen fünf und zehn andere Nutzer warnten, die daraufhin eine Warnung durch die App erhielten.

Zum anderen führten die Autoren eine Online-Befragung unter denjenigen Nutzern durch, die eine solche Warnmeldung erhalten hatten. Diese umfasste eine Erstbefragung, an der knapp 26 000 Nutzer teilnahmen und eine Folgebefragung fünf Tage später, auf die rund 15 500 Nutzer antworteten.

Warnung überraschte viele

Fast 90 Prozent hatten die Risikoermittlung durchgehend genutzt. Zwei Drittel wurden nach eigenen Angaben von der Risikomeldung überrascht. Rund 65 Prozent der Gewarnten gab an, einen Test machen zu wollen, weitere 15 Prozent wollten zunächst einen ärztlichen Rat einholen. Rund 87 Prozent der Nutzer erklärten in der Folgebefragung, einen Test gemacht zu haben. Den Angaben zufolge wurden sechs Prozent von ihnen positiv auf SARS-CoV-2 getestet und teilten dieses Ergebnis mehrheitlich über die Corona-Warn-App.

Grob hochgerechnet hätten so – basierend auf der Studienpopulation – zwischen 110 000 und 230 000 App-Nutzer nach einer Warnung als positiv identifiziert werden können, erklären die Autoren. Das entspreche etwa der Positivrate, die bei der analogen Kontaktnachverfolgung beobachtet werden könne. Die Anwendung leiste somit einen wichtigen Beitrag, um Infektionsketten zu brechen. Der Nutzen könne zudem mit jedem weiteren Anwender weiter gesteigert werden.

Auch das aktive Mitteilen positiver Testergebnisse sei wichtig, sagte Hilmar Schepp, Pressesprecher des Softwarekonzerns SAP, der die Corona-Warn-App gemeinsam mit der Telekom entwickelte. „Bisher wurden 475 000 positive Ergebnisse geteilt. Etwas mehr als ein Drittel der Nutzer, die ein positives Ergebnis bekommen haben, teilt dies leider nicht“, so Schepp in einem Update-Podcast, den die beiden Hersteller regelmäßig veröffentlichen. Welche Entwicklung es in diesem und anderen Aspekten gab, will das RKI im Herbst in einer differenzierten Analyse der Daten nachliefern.

Bis dahin soll die App noch weitere Funktionen erhalten. Sie umfasst bereits ein Kontakttagebuch sowie eine Check-in-Funktion für Restaurants und Einzelhandel und kann Testergebnisse und das digitale Impfzertifikat anzeigen. Nun soll der „Genesen-Status“ folgen. „Ein bisschen wie ein Schweizer Taschenmesser“, so Schepp, der noch weitere Ergänzungen für denkbar hält. „Das Virus entscheidet gewissermaßen darüber mit, wie weit unsere digitale Reise mit der Corona-Warn-App noch geht.“ Alina Reichardt

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