SPEKTRUM: Leserbriefe

Patienten: Widerspruch

Dtsch Arztebl 2000; 97(11): A-658 / B-570 / C-524

Holland, C.

Zu dem Kommentar "Patienten sind keine Kunden" von Dr. med. Otmar Kloiber in Heft 5/2000:
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LNSLNS Diesen Beitrag darf man nicht unwidersprochen lassen. Fast möchte man sagen: dieser Kollege hat nichts von dem begriffen, was in den letzten Jahren geschehen ist.
Insbesondere die Krankenhäuser wurden aufgefordert, in einen Wettbewerb einzutreten und zu rationalisieren, um sich auf Dauer behaupten zu können. Dass uns da die Politik einen bösen Streich spielte, indem sie entgegen anfangs gemachten Zusagen die Budgetierung von Jahr zu Jahr fortschrieb und Leistungen kontingentiert wurden, selbst wenn man sich gerade darauf vorbereitet hatte, durch Investitionen für bestimmte Leistungen "Spitze" zu sein, ist eine andere Sache. Auf jeden Fall waren die Krankenhäuser gezwungen, mehr denn je, wirtschaftlich zu denken und zu handeln. Das ist nur möglich, wenn alle in einem Krankenhaus Tätigen begreifen, dass sie in einem Wirtschaftsunternehmen arbeiten und Leistungsanbieter sind. Und Leistungen bietet man nun einmal Kunden an.
Also traten viele Krankenhäuser den mühsamen Weg an, ein Umdenken bei ihren Mitarbeitern zu erreichen, um sich für den Wettbewerb fit zu machen und die Herausforderungen der Zeit anzunehmen. Ein solcher Prozess, der sowohl von der Geschäftsführung wie von allen leitenden Mitarbeitern, besonders den Chefärzten, nicht nur geduldet, sondern einsichtig gewollt und gefördert werden muss, dauert Jahre und reduziert sich nicht auf die Erkenntnis, dass der Patient Kunde ist.
Nur wer in langen Diskussionen mit vielen Mitarbeitern begriffen hat, dass "Fürsorge, Nächstenliebe und soziale Verantwortung" nicht verschwinden, wenn man den Patienten als Kunden erkennt, sondern vielmehr eine neue Wertung erfahren, kann verantwortlich mitreden. Natürlich gehört heute auch eine Wertschöpfung zu einem Krankenhaus, was denn sonst kann sein Überleben sichern, als möglichst schwarze Zahlen zum Jahresende? Man muss die Dinge beim Namen nennen!
Es gibt darüber hinaus Formulierungen in diesem Beitrag, die erschrecken lassen, wie die folgende, die der sächsische Datenschutzbeauftragte gemacht haben soll: "Der Patient ist nicht mündig, sondern krank." Ich selbst möchte einem Kollegen, der so denkt, nicht in die Hände fallen. Und: Nach über 40 Jahren ärztlicher Tätigkeit muss ich leider die Formulierung "nicht selten benötigen Patienten Schutz durch ihren Arzt" durch die Feststellung ergänzen "nicht selten benötigen Patienten Schutz vor ihrem Arzt".
Prof. Dr. med. C. Holland, Amselweg 11, 46446 Emmerich
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