ArchivDeutsches Ärzteblatt26/2021Klimaschutz im Krankenhaus: Der Strukturwandel hat begonnen

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Klimaschutz im Krankenhaus: Der Strukturwandel hat begonnen

Osterloh, Falk

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Während die Auswirkungen des Klimawandels immer greifbarer werden, steigt die Zahl der Krankenhäuser, die ihre Treibhausgasemissionen reduzieren. Bei ihnen zeigt sich: Der Wandel ist möglich und er reduziert nicht nur den CO2-Ausstoß, sondern teilweise auch die Ausgaben.

Foto: Андрей Яланский/stock.adobe.com
Foto: Андрей Яланский/stock.adobe.com

Zu den Aufgaben von Ärztinnen und Ärzten gehört es, „an der Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen im Hinblick auf ihre Bedeutung für die Gesundheit der Menschen mitzuwirken“. So steht es in § 1 der ärztlichen (Muster-)Berufsordnung. Darauf verwies der Präsident der Ärztekammer Berlin, PD Dr. med. Peter Bobbert, Mitte Juni auf dem Hauptstadtkongress in Berlin. „Der Klimawandel macht krank“, betonte Bobbert. „Deshalb liegt es in der Verantwortung der Ärzteschaft, jetzt zu handeln.“ Die Bekämpfung des Klimawandels sei eine ureigene ärztliche Aufgabe.

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Der Klimawandel hat seine Ursache in der täglich anwachsenden Konzentration an Treibhausgasen in der Atmosphäre. Diese Gase lassen zwar die ankommende Sonnenstrahlung ungehindert passieren, die von der Erde reflektierte Wärmestrahlung jedoch nicht. Ein Teil der Wärmestrahlung wird von ihnen wieder Richtung Erdoberfläche zurückgeschickt, sodass es dort immer heißer wird. Zu Beginn der Industrialisierung lag die Konzentration von CO2 in der Atmosphäre bei 280 parts per million (ppm). Im 1990 wurden weltweit 22 Milliarden Tonnen CO2 ausgestoßen, der Gehalt an Kohlenstoffdioxid in der Atmosphäre lag bei 354 ppm. Während der 1990er-Jahre stieg die CO2-Konzentration in der Atmosphäre um 1 ppm pro Jahr, in den 2010er-Jahren um jährlich 3 ppm. Der weltweite CO2-Ausstoß stieg auf 35 Milliarden Tonnen im Jahr 2018. Und 2021 wurde erstmals ein Wert von fast 420 ppm in der Atmosphäre gemessen.

Ärztetag im November

„Spätestens seit dem Jahr 2019 ist einem Großteil der Ärzteschaft klar, dass sie sich im Klimaschutz engagieren muss“, sagte Bobbert. Damals wurde auf dem Deutschen Ärztetag in Münster das Thema „Klimawandel und Gesundheit“ als Schwerpunktthema für den kommenden Ärztetag ausgewählt. Da es wegen der Coronapandemie 2020 gar keinen und 2021 nur einen verkürzten Ärztetag gab, wird das Thema Anfang November auf einem weiteren Ärztetag behandelt. Denn „wir können nicht noch ein Jahr warten, um uns mit dem Klimawandel und der Gesundheit zu befassen“, wie Bobbert betonte, der in der Bundesärztekammer der Arbeitsgruppe vorsitzt, die das Thema für den Ärztetag vorbereitet. Bobbert zufolge hat der Klimawandel für die Ärzteschaft dabei zwei Aspekte: den Ausstoß von Treibhausgasen im Gesundheitswesen zu reduzieren und die Strukturen so anzupassen, dass die Patienten vor den Folgen des Klimawandels geschützt werden.

Viele Ärztinnen und Ärzte engagieren s

„Am wichtigsten ist es bei dem Transformationsprozess, die Mitarbeiter mitzunehmen.“ Christian Grah, Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe. Foto: GKH
„Am wichtigsten ist es bei dem Transformationsprozess, die Mitarbeiter mitzunehmen.“ Christian Grah, Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe. Foto: GKH
ich mittlerweile für den Klimaschutz. Organisiert sind sie unter anderem in der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG), die sich im Oktober 2017 gegründet hat. Ziel von KLUG ist es, auf die weitreichenden Folgen des Klimawandels auf die Gesundheit aufmerksam zu machen. „Die Gesundheitsberufe sollen zu Akteuren der notwendigen gesamtgesellschaftlichen Transformation werden und außerdem dazu beitragen, den ökologischen Fußabdruck des Gesundheitssystems zu senken, um die Erderwärmung zu begrenzen“, erklärt die Allianz. Auf dem Hauptstadtkongress betonte der Vorsitzende von KLUG, Dr. med. Martin Herrmann, dass es einen „ethischen Imperativ“ gebe, den Ausstoß von Treibhausgasen im Gesundheitswesen zu senken. Es sei sehr wichtig, „dass wir Ärzte dieses Thema ernst nehmen und schnell handeln. Denn der Klimawandel ist ein Notfall.“ Er warb dafür, im Diskurs über den Klimawandel nicht den Verzicht in den Vordergrund zu stellen, sondern alles, was der Mensch durch mehr Klimaschutz gewinnen kann. „Die Luftverschmutzung würde zurückgehen, an der acht Millionen Menschen weltweit verfrüht versterben“, sagte er. „Und durch eine bessere Ernährung würde es uns auch gesundheitlich besser gehen.“

Tipps für Krankenhäuser

Am 24. Juni hat KLUG ein gemeinsam mit anderen Experten verfasstes Rahmenwerk „Klimagerechte Gesundheitseinrichtungen“ herausgegeben. Darin ist dargelegt, wie Krankenhäuser und andere Gesundheitseinrichtungen ihre Treibhausgasemissionen senken können (siehe Kasten). Das Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe, das am westlichen Rand Berlins an der Havel liegt, hat viele der dargestellten Maßnahmen bereits umgesetzt. „Schon 1995 wurde die Planetary-Health-Medizin in das Leitbild des Krankenhauses integriert“, sagt Dr. med. Christian Grah dem Deutschen Ärzteblatt (DÄ), der als Pneumologe in Havelhöhe arbeitet und der den Transformationsprozess koordiniert. Damals war das von der Schließung bedrohte Krankenhaus gerade von jungen Mitarbeitern übernommen worden, die es selbstverwaltet, ganzheitlich und nachhaltig führen wollten. Seitdem hat sich die Zahl der Mitarbeiter auf knapp 1 000 verdoppelt und die Zahl der Patienten verdreifacht.

Foto: wip-studio/stock.adobe.com
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Foto: I Viewfinder/stock.adobe.com
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Foto: volody10/stockadobe.com
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Bereits 1995 wurde ein Arbeitskreis Ökologie gegründet, der Maßnahmen zur ökologischen Transformation des Unternehmens vorbereitete. „Die Fehler in der Energiewirtschaft wurden entdeckt und schrittweise behoben“, sagt Grah, der Mitherausgeber des Rahmenwerks ist. „Im Jahr 2000 erfolgte zum Beispiel eine Umstellung von Heizöl auf Erdgas, seit 2002 beziehen wir Ökostrom und schrittweise haben wir unsere Gebäude energetisch saniert.“ Nachdem der CO2-Ausstoß im Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe im Jahr 1995 noch bei 6 258 Tonnen pro Jahr lag, werden in der Summe durch diese Maßnahmen mittlerweile 4 193 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart – während gleichzeitig noch zahlreiche neue Großgeräte angeschafft wurden. „Zwischen 1995 und 2018 haben wir unseren CO2-Ausstoß um 70 Prozent reduziert“, sagt Grah. Doch das reichte den Mitarbeitern nicht. „Seit sich die Klimakrise seit 2018 weiter zuspitzt, hat sich eine zweite Welle aktiver Mitarbeiter gebildet, die die Entwicklung zum klimaneutralen Krankenhaus weiter vorantreiben wollen“, sagt der Pneumologe. „So haben wir im Jahr 2020 als erstes Krankenhaus in Deutschland als Ziel ausgegeben, bis 2030 komplett klimaneutral arbeiten zu wollen.“

Dafür haben die Mitarbeiter weitere 14 Tätigkeitsfelder definiert, in denen sie eine CO2-Reduktion erreichen wollen: von der Mobilität über Nahrungsmittel und Einkauf bis zu Medikamenten und Klimasprechstunden. Aktuell sind unter anderem die Anbringung von Photovoltaikanlagen auf allen Krankenhausdächern vorgesehen, der Austausch von Kontrastmitteln für Röntgenuntersuchungen gegen umweltfreundliche Alternativen und eine weitere Reduktion von Fleisch. „Sorgen gemacht haben wir uns vor allem bei der Umstellung unseres Speiseplans“, erzählt Grah. „Wir hatten Angst, dass die bodenständigen Spandauer nicht wiederkommen, weil sie bei uns ihre Hausmannskost nicht mehr bekommen.“ Aber die Umstellung auf mehr vegetarische Gerichte erwies sich als absolut unproblematisch. „Im Gegenteil“, betont Grah. „Sie hat uns als Arbeitgeber attraktiver gemacht, weil gerade viele junge Menschen eine gesunde Küche sehr schätzen.“

Am wichtigsten sei es bei dem Transformationsprozess, resümiert Grah, die Mitarbeiter mitzunehmen: „Man muss alle mit ins Boot holen, die Hausleitung ebenso wie die Reinigungskraft. Denn nur, wenn jeder die Umstellung versteht und verinnerlicht, kann sie auch nachhaltig sein.“

Dass die Dringlichkeit des Themas Klimaschutz bei der Mehrzahl der Krankenhäuser in Deutschland angekommen ist, glaubt Grah allerdings nicht. „Mit unserem Rahmenwerk wollen wir alle Krankenhäuser in Deutschland und ihre Mitarbeiter ermutigen, sich auch auf den Weg zu machen“, erklärt er. Von der Politik wünscht er sich dabei, dass sie die Krankenhäuser unterstützt. „Mit einigen Klimaschutzmaßnahmen kann man direkt Geld einsparen, vor allem bei den Energiekosten“, erklärt Grah. „Wir konnten unsere Energiekosten seit 1990 im Durchschnitt um 300.000 Euro pro Jahr senken. Bei manchen Maßnahmen muss man aber investieren. Und dabei brauchen die Krankenhäuser finanzielle Hilfe.“ Dieser Ansicht ist auch die Deutsche Krankenhausgesellschaft. In ihrem Positionspapier zur kommenden Legislaturperiode fordert sie eine Unterstützung der Kliniken bei der Reduktion ihrer CO2-Emissionen. „Sinnvoll könnte zum Beispiel ein Sonderprogramm zur Förderung der CO2-Neutralität von Krankenhäusern sein“, heißt es dort.

Fotos: contrastwerkstatt/stock.adobe.com
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Foto: ghazii/stock.adobe.com
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Foto: Eaknarin/stock.adobe.com
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Auf ihrem Weg zu mehr Nachhaltigkeit hat sich das Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe auch als „Energie sparendes Krankenhaus“ vom BUND Berlin zertifizieren lassen. Zusätzlich zu der Vergabe dieses Gütesiegels organisiert der Landesverband Berlin des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) auch das Projekt KLIK green, das das von 2014 bis 2016 gelaufene Projekt „KLIK – Klimamanager für Kliniken“ seit 2019 fortsetzt. Im Rahmen von KLIK green können sich Mitarbeiter von Kliniken zu Klimamanagern fortbilden lassen. Dabei kommen die Teilnehmenden zu verschiedenen Workshops und Schulungen zusammen, bei denen sie Klimaziele in den Bereichen Energie, Abfall, IT, Ernährung, Mobilität, Beschaffung, Ressourcenverbrauch und Nutzerverhalten vereinbaren und gezielte Maßnahmen zu deren Erreichung entwickeln. Bei KLIK konnten in 50 Krankenhäusern und Rehakliniken 34 500 Tonnen CO2-Äquivalente eingespart werden. Die gesamten Energiekosten der teilnehmenden Kliniken sanken um mehr als neun Millionen Euro. Bei KLIK green wurden bislang mit 226 bereits bilanzierbaren Maßnahmen jährlich 6 900 Tonnen CO2-Äquivalente eingespart. Hochgerechnet auf die Wirkdauer der einzelnen Maßnahmen geht der BUND Berlin von einer Treibhausgasreduktion von etwa 70 000 Tonnen aus. „Im Projekt KLIK green beteiligen sich deutlich mehr Einrichtungen, die eine Strategie für Klimaschutz entwickeln, als im Vorgängermodell“, betont die Projektleiterin Annegret Dickhoff, die ebenfalls zu den Herausgebern des Rahmenwerks gehört. Zudem könnten nicht nur im Bereich Energie, sondern auch in vielen anderen Bereichen Maßnahmen realisiert werden. Ziel des über drei Jahre laufenden Projekts ist es, dass 250 Krankenhäuser mindestens 100 000 Tonnen CO2-Äquivalente einsparen. Das Bundesumweltministerium fördert das Projekt noch bis zum April 2022.

Energieeffizienz erhöhen

Eine weitere Möglichkeit für Krankenhäuser, ihre Treibhausgasemissionen zu reduzieren, ist eine Zertifizierung nach der 2011 eingeführten Norm ISO 50001, die Unternehmen beim Aufbau eines standardisierten Energiemanagements hilft. Dabei werden alle Energieflüsse in einem Unternehmen erfasst und die Energieeffizienz bewertet. Über strategische, organisatorische und technische Interventionen wird die Energieeffizienz in der Folge erhöht. Externe Auditoren überprüfen schließlich, ob die Unternehmen die Vorgaben einhalten.

Im Januar dieses Jahres wurde der private Krankenhausträger Helios Kliniken an allen Standorten und Einrichtungen nach ISO 50001 zertifiziert. „2019 haben wir mit dem unternehmensweiten Aufbau eines integrierten Umwelt- und Energiemanagementsystems begonnen“, erklärt Constanze von der Schulenburg, Leiterin der Stabsstelle Nachhaltigkeit bei Helios dem . „Der gesamte Prozess wurde von dem konzerneigenen Energieversorger, der HKG Energiedienstleistungen GmbH, geleitet.“ Den externen Auditierungen gingen dabei interne voraus, die durch die zuvor geschaffene Arbeitsgruppe Energie vorgenommen wurden. „Der Zertifizierungsprozess zur ISO 50001 findet dreijährig wiederholend an zwölf wechselnden Standorten statt, begleitet von jährlichen internen Audits sowie Überwachungsaudits durch die externe Zertifizierungsstelle“, sagt von der Schulenburg. Darüber hinaus zählen zum Nachhaltigkeitsmanagement von Helios beispielsweise die energetischen Sanierungen der Gebäude, ein Dienstradleasing für die Beschäftigten sowie seit 2020 Elektrofahrzeuge als Dienstwagen. An 47 der 89 Standorte wurden insgesamt 70 Blockheizkraftwerke installiert, mit denen der Energieverbrauch des Unternehmens reduziert wird. Eine Zertifizierung nach der Umweltmanagementnorm ISO 14001, mit der Umweltziele definiert und standardisiert erreicht werden sollen, dauert derzeit noch an.

Wie in anderen Bereichen der Gesellschaft sind es auch in der Ärzteschaft insbesondere die jungen Ärztinnen und Ärzte, die sich für mehr Klimaschutz einsetzen. Viele von ihnen haben sich 2013 im Bündnis Junge Ärzte (BJÄ) zusammengeschlossen, dem heute Ärztinnen und Ärzte aus 25 Verbänden und Fachgesellschaften angehören. „Der Klimawandel stellt ein hohes und inakzeptables Risiko für die gegenwärtige und zukünftige Gesundheit der Bevölkerung auf der ganzen Welt dar“, betont BJÄ-Sprecherin Mira Faßbach gegenüber dem . „Die bereits heute spürbaren Auswirkungen des Klimawandels auf die menschliche Gesundheit werden sich voraussichtlich in Zukunft verstärken.“

Vorbildfunktion der Ärzte

Im Februar dieses Jahres hat das BJÄ deshalb ein „Positionspapier zu Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen und globalem Gesundheitsschutz“ veröffentlicht. Darin fordern die jungen Ärztinnen und Ärzte die Ärzteschaft zu klimaneutralen Finanzanlagen und Investitionen auf, sie fordern, dass unnötige Arztbesuche und Untersuchungen vermieden werden und dass Ärzte gegenüber ihren Patienten für eine gesunde und nachhaltige Ernährung werben. „Wir wollen das Handeln jedes Einzelnen anregen, nach dem Motto: „Think globally, act locally“, sagt Faßbach.

Das Planetary-Health-Konzept, das die globalen Wechselwirkungen zwischen der Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt beinhaltet, finde gesellschaftlich zunehmend Beachtung. „Hierfür müssen wir stärker sensibilisieren und sowohl in der Ärzteschaft als auch in der Gesellschaft für einen breiteren Konsens werben“, so Faßbach. „Dies wird nur durch klare fachliche Aufklärung gelingen und damit verbundenem Verständnis für die Hintergründe.“ Dabei betont das BJÄ die Vorbildfunktion der Ärzte. „Die Rolle des Arztes“, so Faßbach, „muss die eines Vermittlers sein, der den Zusammenhang zwischen nachhaltigem Handeln und Verbesserung der individuellen Gesundheit aufzeigt.“ Falk Osterloh

Empfehlungen für Krankenhäuser

Die Herausgeber (1) des Rahmenwerks „Klimagerechte Gesundheitseinrichtungen“ haben auf 58 Seiten zusammengestellt, welche Maßnahmen Krankenhäuser und ihre Mitarbeiter ergreifen können, um den CO2-Ausstoß zu reduzieren. „Wäre das globale Gesundheitssystem ein Land, wäre es der fünftgrößte Treibhausgasemittent, wobei die Krankenhäuser mit 13 Prozent dazu beitragen“, schreiben sie zunächst. „Ein Drittel der Emissionen entsteht in und rundum die Einrichtungen und kann durch sie selbst maßgeblich reduziert werden. Zwei Drittel entstehen in den Lieferketten und können nur indirekt über die Art der Beschaffung beeinflusst werden.“

Die Autoren weisen darauf hin, dass es viele geringinvestive oder sogar geldsparende Maßnahmen gebe, die schnell umgesetzt werden könnten. „Im Energiebereich sind Einsparpotenziale zwischen zehn und 50 Prozent bereits heute realisierbar, vor allem, wenn Gesundheitseinrichtungen eine eigene Energiezentrale betreiben und bisher wenige Sparmaßnahmen ergreifen konnten“, schreiben sie. Viele Änderungen können dabei nur von den Entscheidungsträgern im Krankenhaus vorgenommen werden, zum Beispiel in den Bereichen Gebäude, Baumaterialien, Beschaffung, Digitalisierung, Medizinprodukte, Arzneimittel und Finanzierung. Manche Transformationsprozesse können jedoch auch die Mitarbeiter umsetzen.

Aktiv werden: „Der erste Schritt ist die Bildung einer möglichst interdisziplinären Interessengruppe innerhalb der Gesundheitseinrichtung“, heißt es in dem Rahmenwerk. Mitarbeiter können sich mit Gleichgesinnten zusammenschließen und gegenüber der Geschäftsführung ihren Wunsch zum Ausdruck bringen, mehr Klimaschutz umzusetzen. Sinnvoll seien dabei Mitgliedschaften in den bereits bestehenden Netzwerken in Deutschland, heißt es. Schließlich sei es zentral, Klimaneutralität als strategisches Ziel in den Unternehmenszielen zu verankern und die Zuständigkeiten im Transformationsprozess zu klären.

Mobilität: Die Autoren des Rahmenwerks schlagen vor, Anreize für eine Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs zu setzen sowie eine ausreichende Anzahl an Stellplätzen für Fahrräder sowie Ladepunkte für Elektroautos und -räder einzurichten. „Wichtig ist, dass die meist besser verdienenden Entscheider in den Einrichtungen ihrer Vorbildfunktion gerecht werden und ebenfalls auf ÖPNV und das Fahrrad zurückgreifen“, heißt es in dem Rahmenwerk. Für einen Teil der Beschäftigten sei zudem eine Arbeit im Homeoffice zu realisieren. Besprechungen könnten immer dann virtuell abgehalten werden, wenn damit dasselbe Ziel wie bei einem persönlichen Treffen erreicht werden könne. Und Flugreisen seien auf das Notwendigste zu beschränken und sollten nur in Ausnahmefällen als Reisekosten erstattungsfähig sein.

Ernährung: Die Autoren des Rahmenwerks weisen auf die energie- und ressourcenintensive Herstellung und Verarbeitung insbesondere von Lebensmitteln aus der konventionellen Landwirtschaft hin. Sie schlagen vor, dass Kliniken regionale und saisonale Lebensmittel einsetzen, lokal produzieren und kochen, den Anteil fleischhaltiger Speisen reduzieren sowie Strategien gegen die Lebensmittelverschwendung festlegen und Lebensmittelabfälle monitoren.

Recycling: „Nach Hochrechnungen fallen in jeder Klinik täglich mehrere Tonnen Abfall an“, heißt es in dem Rahmenwerk. Zunächst seien Abfälle durch den Verzicht auf unnötige Produkte vermeidbar. Zudem könnten Mehrweg- statt Einwegprodukte verwendet werden sowie Recyclingprodukte wie Recyclingpapier. Alle Mitarbeiter können darüber hinaus bei ihrer täglichen Arbeit darauf achten, dass sie die unterschiedlichen Wertstoffe richtig recyceln.

Das Rahmenwerk im Internet: http://daebl.de/WR62

1 Herausgegeben wird das Rahmenwerk von Annegret Dickhoff vom BUND Berlin, Dr. med. Christian Grah vom Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe, PD Dr. med. Christian Schulz von KLUG und Prof. Dr. med. Edda Weimann von der Technischen Universität München.

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