ArchivDeutsches Ärzteblatt26/2021Chronisch subdurales Hämatom: Schlechteres klinisches Ergebnis bei einer Therapie mit Dexamethason

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Chronisch subdurales Hämatom: Schlechteres klinisches Ergebnis bei einer Therapie mit Dexamethason

Vetter, Christine

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Foto: picture alliance/Image Source Scott Camazine
Foto: picture alliance/Image Source Scott Camazine

Das chronisch subdurale Hämatom ist eine häufige neurologische Erkrankung, vor allem bei älteren Menschen. Charakteristisch ist eine Ansammlung von Blut und Blutabbauprodukten im subduralen Raum. Auslöser ist häufig ein Schädeltrauma, das Entzündungsreaktionen hervorruft. Eine britische Multizenterstudie hat die Effekte einer Dexamethason-Behandlung bei symptomatischen Patienten mit chronisch subduralem Hämatom untersucht, für die eine chirurgische Entfernung des Hämatoms geplant war.

Insgesamt 748 Patienten im durchschnittlichen Alter von 74 Jahren wurden in der Studie randomisiert 2 Wochen lang mit Placebo oder oralem Dexamethason behandelt, beginnend mit 8 mg 2 Mal täglich. 680 Patienten schlossen die Studie wie geplant ab.

Primärer Endpunkt war ein modifizierter Rankin-Score (mRS, Score von 0–3 (0 = keine Symptome bis 6 = Tod) im Zeitraum von 6 Monaten nach Randomisierung als Zeichen eines positiven Outcomes. Diesen erreichten 286 von 341 Patienten (83,9 %) in der Dexamethason-Gruppe und 306 von 339 Patienten (90,3 %) in der Placebogruppe. Der Unterschied von 6,4 % war statistisch signifikant (95-%-Konfidenzintervall [–11,4; –1,4]) zugunsten von Placebo (p = 0,01). Allerdings konnte durch Dexamethason die Rate erneuter operativer Eingriffe gesenkt werden. Diese erfolgten lediglich bei 6 von 349 Patienten (1,7 %) in der Dexamethason-Gruppe und bei 25 von 350 Patienten (7,1 %) unter Placebo. Der Unterschied von 5,4 % ist jedoch nicht signifikant.

Die Dexamethason-Behandlung führte zudem zu signifikant mehr Nebenwirkungen gegenüber Placebo (0,9 vs. 3,2 %; Odds Ratio [OR]: 3,40 [1,81; 6,85]). Schwerwiegende Nebenwirkungen waren ebenfalls mit 16 % unter Dexamethason vs. 6,4 % unter Placebo häufiger (OR: 2,49 [1,54; 4,15]).

Fazit: „Seit den 1970er-Jahren wird ein positiver Aspekt der Kortisongabe bei Patienten mit chronisch subduralem Hämatom diskutiert“, erläutert Prof. Dr. med. Veit Rohde, Direktor der Neurochirurgischen Klinik am Uniklinikum Göttingen und Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Neurochirurgie. „Allein zur Beendigung einer alten, in letzter Zeit allerdings wieder intensivierten Diskussion ist diese Studie von hoher Wertigkeit. Bei signifikant schlechterem Outcome und signifikant häufigeren Komplikationen gibt es keine guten Argumente mehr für die 14-tägige Dexamethasongabe, auch wenn die Zahl der Reoperationen in der Studie etwas geringer war.“ Christine Vetter

Hutchinson PJ, Edlmann E, Bulters D, et al.: Trial of dexamethason for chronic subdural hematoma. N Engl J Med 2020; 383: 2616–27.

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