ArchivDeutsches Ärzteblatt28-29/1996Medizinischer Fakultätentag 1996: Ärztliche Approbationsordnung ex ovo?

POLITIK: Aktuell

Medizinischer Fakultätentag 1996: Ärztliche Approbationsordnung ex ovo?

Krannich, Hans-Walter

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LNSLNS Im Februar 1996 hatte sich ein Außerordentlicher Medizinischer Fakultätentag (MFT) in einer Resolution gegen den vom Bundesministerium für Gesundheit vorgelegten Entwurf einer Neufassung der Approbationsordnung für Ärzte (Stand: Dezember 1995) ausgesprochen. Er sah damals keine Möglichkeit, den Entwurf umzusetzen, da die zur Realisierung nötige Reduktion der Studentenzahlen nicht juristisch abgesichert sei und die zur Ausgestaltung erforderlichen Ressourcen und Organisationsstrukturen fehlten. Diese Problematik stand auch beim Ordentlichen Fakultätentag am 8. Juni in Leipzig im Mittelpunkt der Beratungen. Besonderes Interesse weckte die Diskussion auch bei den Experten der Bundesministerien für Gesundheit sowie für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie, ferner der Länder, insbesondere der Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft der Leitenden Medizinalbeamten der Länder (AGLMB), Dr. med. Siegrun Stepphuhn, Potsdam, – vor allem deshalb, weil eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe im Anschluß an den Diskussionsentwurf von 1993 über einen Zeitraum von zwei Jahren eine revidierte Fassung einer neuen Approbationsordnung erarbeitet hatte.
Die Vertreter der Medizinischen Fakultäten beklagten ihre unzureichende Einbindung in die Erste Prüfung, die Aufwertung der praktischen Ausbildung zu Lasten der Vorlesungen und vor allem die fehlenden Ressourcen. Zudem bemängelten sie die unzureichenden Möglichkeiten der Einflußnahme auf den Entwurf im Rahmen der geführten Diskussionen, obwohl der Vorsitzende des Medizinischen Fakultätentags, Prof. Dr. med. Dr. h. c. mult. Fritz H. Kemper, Münster/Westfalen, der vor zwei Jahren einstimmig für weitere drei Jahre in seinem Amt bestätigt worden war, seit 1993 in regelmäßigen Abständen den Fakultäten hierüber nicht nur im Rahmen von fünf wissenschaftlichen Fachtagungen in Verbindung mit der MFT-Kommission für Ausbildungs- und Qualifizierungsfragen berichtet hatte.
Der Abteilungsleiter des Ministeriums für Gesundheit, Ministerialdirektor Dr. jur. Rudolf Grupp, Bonn, wies vor dem Hintergrund sich "nachhaltig verringernder ökonomischer Ressourcen" darauf hin, daß die seit fast zwanzig Jahren für notwendig erachtete Reform der Medizinerausbildung mit den Schwerpunkten – Verbesserung der Bedingungen für die praktische Ausbildung unter entsprechender Reduzierung der Zahl der Medizinstudenten und – mehr Gestaltungsraum für die Hochschulen unter Verringerung der staatlichen Vorgaben in Gefahr sei, endgültig zu scheitern.


Entwurf in Ungnade
Viele Fakultäten seien offenbar auf Ablehnung eingestimmt. Die Finanz- und Bildungspolitiker nähmen dies vermutlich nicht ungern zur Kenntnis, weil das ihre Prioritätensetzung erleichtere. Er bedauerte, daß der Außerordentliche Fakultätentag den Vorschlag seines Ministeriums ohne ein eigenes Gegenkonzept pauschal abgelehnt habe. Der Fakultätentag möge sagen, ob er eine Neuordnung des Medizinstudiums mit den genannten gesundheitspolitischen Eckpunkten wolle und, wenn ja, welche alternativen Vorschläge er zum Entwurf des Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­iums habe.
Wenn der Fakultätentag eine inhaltliche Neuordnung der Medizinerausbildung nicht für notwendig hielte, werde die Gesundheitspolitik entscheiden, ob sie die Reformdiskussion beende und die weitere Entwicklung den Bildungs- und Finanzministerien der Länder überlasse. Ihm liege an Klarheit und klaren Verantwortlichkeiten.
Frau Dr. med. Stepphuhn wies auf die einstimmig angenommene Entschließung der Ge­sund­heits­mi­nis­ter der Länder vom 29. April hin, in der diese den Arbeitsentwurf des Bundesministeriums für Gesundheit begrüßten. Die Ge­sund­heits­minis­ter­kon­fe­renz (GMK) sah hierin ein überzeugendes Konzept, um die Qualität der ärztlichen Versorgung zu verbessern. Der wesentliche Streitpunkt zwischen dem Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium und den Ländern, nämlich die Abschaffung der AiP-Phase, sei aber noch nicht ausgeräumt.
In einem einstimmig angenommenen Beschluß setzte der Fakultätentag eine Präsidialkommission zur Vorbereitung von Vorschlägen zu einer neuen Approbationsordung für Ärzte ein. Der MFT beauftragte die zwölf Mitglieder dieser Kommission, dem MFT bis September 1996 eine Stellungnahme zur Neufassung der Approbationsordnung für Ärzte (in Form von "Leitlinien"), insbesondere unter Berücksichtigung der Finanzierung und der im Zusammenhang mit der Kapazitätsverordnung relevanten Sachverhalte, vorzulegen. Dieses Papier soll die Grundlage einer Beratung auf einem Außerordentlichen Medizinischen Fakultätentag bilden.
Der Fakultätentag bat ferner den Verwaltungsausschuß der Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen, Vertreter der Fakultäten/ Fachbereiche in die Diskussion zu den Grundsätzen und den Durchführungsverordnungen zur Kapazitätsverordnung einzubeziehen. Darüber hinaus regte der MFT wegen der stark diskutierten Neugestaltung von Struktur und Finanzierung der Medizinischen Einrichtungen an den Universitäten zur Wahrung der jeweiligen Interessen die Gründung einer Interessengemeinschaft der Dekane, ärztlichen Direktoren und Verwaltungsdirektoren an. Dieser Tagesordnungspunkt stellte mit dem Punkt "Zusammenwirken Dekan/Ärztlicher Direktor" "ad usum proprium" zu behandelnde Themen dar.
Hans-Walter Krannich, Köln

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