ArchivDeutsches Ärzteblatt27-28/2021Regelmäßige Blutdruckkontrolle: Frauen mit Migräne erkranken nach der Menopause häufiger an Hypertonie

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Regelmäßige Blutdruckkontrolle: Frauen mit Migräne erkranken nach der Menopause häufiger an Hypertonie

Meyer, Rüdiger

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Foto: 4frame group/stock.adobe.com
Foto: 4frame group/stock.adobe.com

Bei vielen Migränepatientinnen kommt es nach den Wechseljahren zu einem Rückgang der Kopfschmerzen. Das Hypertonierisiko könnte nach den Ergebnissen einer prospektiven Studie aber ansteigen.

Die Kohortenstudie E3N begleitet in Frankreich seit 1990 eine Gruppe von Erwachsenen im Alter von 50 bis 65 Jahren. Das Ziel ist die Suche nach Risikofaktoren für Krebs und andere nichtinfektiöse Erkrankungen. Unter den Teilnehmern sind 56 202 Frauen, die zum Zeitpunkt der Menopause weder hohen Blutdruck noch Herz-Kreislauf-Erkrankungen hatten.

In dieser Gruppe ist es seither – nach 826 419 Personenjahren – zu 12 501 neuen Fällen von Hypertonie gekommen. Bei ihnen wurde untersucht, ob Frauen, die vor der Menopause unter Migräne litten, häufiger an Hypertonie erkranken. Der Verdacht gründet auf der Gefäßbeteiligung an der Pathogenese der Migräne. Frühere Untersuchungen haben gezeigt, dass die Atherosklerose bei Migränepatienten schneller voranschreitet, was sich in einer Zunahme der Intima-Media-Dicke der Halsschlagader oder einer vermehrten Verkalkung der Hirngefäße im CT zeigt.

Die Analyse der E3N bestätigt den Verdacht: Während der 826 419 Personenjahre kam es bei 15 von 1 000 Frauen zur Neudiagnose einer Hypertonie. Bei Frauen ohne Migräne betrug die Rate 14 Fälle pro 1 000 Personenjahre, verglichen mit 19 Fällen pro 1 000 Personenjahre bei Frauen mit Migräne vor der Menopause (Hazard Ratio [HR] 1,29 [95-%-Konfidenzintervall [KI] 1,24–1,35]). Unterschiede im Body-Mass-Index, der körperlichen Aktivität und der kardiovaskulären Familienanamnese wurden bei der Berechnung berücksichtigt.

Fazit: Einen signifikanten Unterschied zwischen Migräne mit und ohne Aura konnten die Autoren um Dr. Conor James MacDonald vom französischen Forschungsinstitut INSERM nicht beobachten. Sie gehen deshalb davon aus, dass beide Gruppen gefährdet sind. Die regelmäßige Kontrolle des Blutdrucks sollte deshalb bei Migränepatientinnen immer zur „Nachsorge“ gehören, auch wenn die Migränebeschwerden nach den Wechseljahren nachgelassen haben. Rüdiger Meyer

MacDonald CJ, El Fatouhi D, Madika AL, et al.: Association of Migraine With Incident Hypertension After Menopause: A Longitudinal Cohort Study. Neurology 21 April 2021, DOI: 10.1212/WNL.0000000000011986.

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.

Fachgebiet

Der klinische Schnappschuss

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote