ArchivDeutsches Ärzteblatt27-28/2021GVWG: Reine Symbolpolitik
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Leider haben Sie in dem Artikel nur am Rande und in einem kleinen Kasten den eigentlichen Skandal dieses „GVWG“ erwähnt: Die Vergütungsregelungen des mit großer medialer Präsenz eingeführten TSVG werden mittels erneuter Bereinigung still und leise so gut wie abgeschafft. Das ist ein Schlag ins Gesicht aller niedergelassenen Vertragsärzte, die diese „offenen Sprechstunden“ einführen mussten und immer mehr Patienten behandeln sollen. Die extrabudgetäre Vergütung für diese verbesserte Versorgung – großspurig angekündigt von Minister Spahn – war den Krankenkassen dann doch zu teuer und nun wird diese auf Bestreben des GKV-Spitzenverbandes nahezu komplett gestrichen.

Erneut verweigert man den niedergelassenen Ärzten das im Berufsrecht festgeschriebene angemessene Honorar und speist uns mit oft lächerlich geringem budgetierten Honorar für unbegrenzte Inanspruchnahme ab – genauso wie beim Impfen, der Ausstellung von digitalen Impfausweisen u. v. m.

Die „offene Sprechstunde“ wurde aufgrund der Coronapandemie in vielen Praxen inzwischen sowieso gestoppt und ich habe auch die Zusammenarbeit mit der TSS einstellen müssen, weil die Patienten dann sehr oft einfach nicht gekommen sind. Viele Kollegen werden die TSVG-Vorgaben nun sicher nur noch zum Schein aufrechterhalten. Eine betriebswirtschaftlich überlebensfähige Praxis kann halt nur beschränkte Leistungen für beschränktes Geld anbieten.

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Dass TSVG war also reine Symbolpolitik, die Vergütungsregelungen haben keine zwei Jahre überlebt. So geht diese Regierung mit den Vertragsärzten um, während Krankenhäuser an leer stehenden Betten verdient haben und die Apotheker alleine für die Digitalisierung eines Impfausweises besser vergütet werden als manch ein Facharzt für ein ganzes Quartal oder für eine COVID-19-Impfung. Ich würde mir als Kammermitglied vom deutschen Ärzteblatt als unserem „verfassten Organ“ hier sehr viel mehr kritische Berichterstattung dazu wünschen.

Dirk Paulukat, Facharzt, 65520 Bad Camberg

Kommentare

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Avatar #615036
co_ed
am Donnerstag, 15. Juli 2021, 07:50

Me too-Mitglied bei Ärztekammer

>> Ich würde mir als Kammermitglied vom deutschen Ärzteblatt als unserem „verfassten Organ“ hier sehr viel mehr kritische Berichterstattung dazu wünschen.

„Me too!“ - Ich auch!

Doch - an der Symbolpolitik des „auf Dauer angelegten Zusammenschluss von Personen, die einen überindividuellen Zweck verfolgen, dessen Bestand vom Wechsel der Mitglieder unabhängig ist“ (wikipedia.org/wiki/Körperschaft), hat sich seit fünf oder sechs Jahrzehnten nichts geändert. Die Probleme und das Wünschen sind geblieben.
Wurde die Zusammenarbeit von G-BA, Politik, Krankenkassen und Ärztekammern sowie den dadurch vertretenen Akteuren je demokratisch weiterentwickelt?
Zusammenarbeit ≙ Kooperation. Gelungene Kooperation führt zum Ausgleich von Interessen – eigentlich.

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