ArchivDÄ-TitelSupplement: PerspektivenSUPPLEMENT: Onkologie 2/2021Frühes Mammakarzinom: Olaparib bei BRCA-Mutation ist neuer Standard

SUPPLEMENT: Perspektiven der Onkologie

Frühes Mammakarzinom: Olaparib bei BRCA-Mutation ist neuer Standard

Dtsch Arztebl 2021; 118(26): [4]; DOI: 10.3238/PersASCO.2021.07.02.01

Siegmund-Schultz, Nicola

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OlympiA-Studie: Bei hohem Risiko und BRCA1/2-Mutation senkt der PARP-​Inhibitor Olaparib das Rückfallrisiko. Die Studie unterstreicht die generelle Notwendigkeit, alle Frauen mit Mammakarzinom von Beginn an molekulargenetisch testen zu lassen.

Foto: picture alliance Phanie IFR ST-LOUIS
Foto: picture alliance Phanie IFR ST-LOUIS

Für Patientinnen mit frühem Her2-negativen Mammakarzinom, bei denen eine BRCA1/2- Keimbahnmutation nachgewiesen worden ist und die ein hohes Rückfallrisiko haben, bringt die 1-jährige Behandlung mit dem PARP-Inhibitor Olaparib einen klinisch relevanten Benefit. Die Olaparib-Gabe erfolgte im Anschluss an eine Operation und eine Chemotherapie, zum Teil auch nach Chemoradiotherapie.

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In der Phase-3-Studie OlympiA war der Anteil der Patientinnen, die 2,5 Jahre nach Beendigung einer zusätzlichen Olaparib-Behandlung ohne lokoregionäre Rezidive und Metastasen überlebt hatten, um 42–43 % höher als in der Placebogruppe. Die Nachbeobachtungszeit ist noch zu kurz, um statistisch signifikante Unterschiede für das Gesamtüberleben aufzeigen zu können. Aber es gibt einen Trend: zu höheren Überlebenraten im Studienzeitraum von 42 Monaten, wenn der PARP-Inhibitor im Anschluss an eine Standardtherapie gegeben wurde.

Die Daten der internationalen, randomisierten, placebokontrollierten und doppelblinden OlympiA-Studie hat Prof. Andrew Tutt vom Institute of Cancer Research and Kings College in London beim ASCO-Kongress vorgestellt. Es ist die erste Studie, in der Effektivität und Sicherheit eines PARP-Inhibitors bei Frauen mit frühem, Her2-negativen Mammakarzinom und BRCA-Mutation untersucht worden sind.

Neue Option für die adjuvante Behandlung

„Die Ergebnisse sind klinisch relevant und könnten Therapieentscheidungen bei Patientinnen, wie sie in diese Studie eingeschlossen wurden, wesentlich beeinflussen“, kommentierte ASCO-Präsidentin Prof. Lori Jo Pierce von der University of Michigan. „Eine wichtige praktische Folge ist vor allem, dass Frauen mit frühem Mammakarzinom und hohem Rezidivrisiko auf BRCA-Mutationen hin getestet werden sollten. Liegt eine Mutation vor, könnten PARP-Inhibitoren eine Option für die adjuvante Behandlung sein.“

Für das Jahr 2020 wird die Zahl der Brustkrebsneuerkrankungen bei Frauen in Deutschland auf 69 700 geschätzt (RKI; Krebs in Deutschland 2019). Circa 5 % von ihnen haben eine Mutation in BRCA1- und/oder -2-Genen.

In die OlympiA-Studie waren 1 836 Patientinnen mit Her2-negativen Mammakarzinomen (Stadien 2–3) nach Beendigung der Standardbehandlung eingeschlossen worden. Alle hatten Keimbahnmutationen in den BRCA1- und/oder -2 Genen: Circa 3 von 4 Frauen hatten BRCA1-Gen-mutationen, circa 1/4 BRCA2-Genmutationen und einige wenige (n = 7) Mutationen in beiden Genen.

Die Verumgruppe erhielt 300 mg Olaparib 2-mal täglich oral für 1 Jahr (n = 921) und eine zweite Gruppe Placebo (n = 915). Der primäre Endpunkt war das Überleben ohne ein invasives Karzinom.

Gesamtüberleben nach 3 Jahren nominell erhöht

Nach 3 Jahren hatten 85,9 % der Teilnehmerinnen aus der Verumgruppe den primären Endpunkt erreicht und 77,1 % in der Placebogruppe. Dies war eine Differenz von 8,8 Prozentpunkten und eine Risikoreduktion unter Verum um 42 % (Hazard Ratio: 0,58; p < 0,0001). Das Überleben ohne Fernmetastasen lag nach 36 Monaten bei 87,5 % in der Verumgruppe und bei 80,4 % unter Placebo (HR: 0,57; p < 0,0001).

Die Raten des Gesamtüberlebens, einem sekundären Endpunkt, betrugen 92,0 und 88,3 % (Verum vs. Placebo). Die Differenz ist mit einem p-Wert von 0,024 statistisch nicht signifikant. „Die Nachbeobachtung läuft noch“, sagte Tutt, „für eine statistische signfikante Differenz in diesem Endpunkt ist die Zeit noch zu kurz.“

Es wurden nicht mehr unerwünschte Effekte ≥ Grad 3 unter Olaparib beobachtet als in früheren Studien und auch keine andersartigen. Die meisten ≥-Grad-3-Nebenwirkungen der Verumtherapie waren Anämie (9 %), Neutropenie (5 %), Leukopenie (3 %) und Fatigue (2 %) und sie waren kontrollierbar.

„Die Daten der OlympiA-Studie werden die klinische Praxis verändern“, sagte Nadine M. Tung von der Harvard Medical School in Boston, die die Studie in der Plenary Session kommentierte. „Die zusätzliche Olaparib-Behandlung dieser Patientinnengruppe nach der üblichen Therapie wird neuer Standard werden. Eine der wichtigen Fragen für die Zukunft wird sein, ob die Dauer der Olaparib-Therapie mit 1 Jahr optimal ist.“

„Die Studie unterstreicht die generelle Notwendigkeit, die Therapie von Frauen mit Mammakarzinom von Beginn an im interdisziplinären Team zu planen inklusive der Molekulargenetik“, fügte Christian Jackisch, Professor am SANA-Klinikum Offenbach, im virtuellen Portal von ASCODirect2021 hinzu: „Mit der molokekularbiologischen Testung hinken wir in Deutschland in der Routinebehandlung des Mammakarzinoms hinterher, das muss sich schnell ändern, auch die Hausärzte müssen stärker einbezogen werden.“

DOI: 10.3238/PersASCO.2021.07.02.01

Dr. rer.nat. Nicola Siegmund-Schultz

1.
ASCO 2021, Abstract DOI: 10.1200/JCO.2021. 39.15_suppl.LBA1.
2.
Tutt A, Garber J E, Kaufman B, et al.: Adjuvant Olaparib for Patients with BRCA1- or BRCA2-Mutated Breast Cancer. NEJM, 2021: DOI: 10.1056/NEJMoa2105215 CrossRef MEDLINE
1.ASCO 2021, Abstract DOI: 10.1200/JCO.2021. 39.15_suppl.LBA1.
2.Tutt A, Garber J E, Kaufman B, et al.: Adjuvant Olaparib for Patients with BRCA1- or BRCA2-Mutated Breast Cancer. NEJM, 2021: DOI: 10.1056/NEJMoa2105215 CrossRef MEDLINE

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