ArchivDeutsches Ärzteblatt29-30/2021Phlebothrombose beider Fußsohlen nach AstraZeneca-Impfung
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a) koronare und b) sagittale T1fs-Sequenz nach Kontrastmittelgabe mit charakteristischer Kontrastmittelaussparung des distendierten Fußsohlenvenenbogens
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a) koronare und b) sagittale T1fs-Sequenz nach Kontrastmittelgabe mit charakteristischer Kontrastmittelaussparung des distendierten Fußsohlenvenenbogens

Ein 63-jähriger, durch die Pandemie bedingt im Home-Office arbeitender, ansonsten gesunder Patient stellte sich nach hausärztlicher Konsultation mit starken Schmerzen und Krämpfen der linksseitigen Fußsohle zum Ausschluss eines symptomatischen Fersensporns vor. In der Bildgebung mithilfe der Magnetresonanztomografie (MRT) zeigte sich jedoch eine über 10 cm lange Kontrastmittel aussparende Phlebothrombose des Arcus venosus plantaris. Anamnestisch ergab sich kein Hinweis auf bisherige Thrombosen. Es wurde allerdings berichtet, dass die Schmerzen linksseitig sechs Tage und rechtsseitig geringer ausgeprägt drei Tage nach der ersten Impfung mit AstraZeneca begannen. Im ergänzend durchgeführten MRT rechts fand sich eine weitere 4 cm lange Teilthrombosierung. Der hinzugeschaltete Angiologe leitete nach bestätigender D-Dimer-Bestimmung (1,3) mit normwertiger Thrombozytenzahl und einer Ultraschall-Doppleruntersuchung eine rasch ansprechende Antikoagulation mit Eliquis (D-Dimer: 0,6 nach zwei Wochen) ein. Der Patient ist aktuell beschwerdefrei. Auch wenn der Zusammenhang mit der Impfung nicht zu beweisen ist, zeigt dieser Fall, dass neben der seltenen Sinusvenenthrombose nach Coronaimpfung auch an Thrombosen anderer, gegebenenfalls ungewöhnlicher, Lokalisation als Ursache von Schmerzen zu denken ist.

Dr. Sebastian Lins, MRT Radiologie am Gasteig, München, info@radiologe-in-muenchen.de

Alice Kolbinger, Allgemeinmedizin Josephsburg, München

Dr. Karl Ludwig Maier, Internist & Angiologe Moosfeld, München

Interessenkonflikt: Die Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Zitierweise: Lins S, Kolbinger A, Maier KL: Bilateral plantar phlebothrombosis after AstraZeneca vaccination.
Dtsch Arztebl Int 2021; 118: 511. DOI: 10.3238/arztebl.m2021.0273.

Dieser Beitrag erschien online am 8. 7. 2021 (online first) auf www.aerzteblatt.de

►Vergrößerte Abbildung und englische Übersetzung unter: www.aerzteblatt.de

a) koronare und b) sagittale T1fs-Sequenz nach Kontrastmittelgabe mit charakteristischer Kontrastmittelaussparung des distendierten Fußsohlenvenenbogens
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a) koronare und b) sagittale T1fs-Sequenz nach Kontrastmittelgabe mit charakteristischer Kontrastmittelaussparung des distendierten Fußsohlenvenenbogens

Kommentare

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Avatar #685886
mgvascu
am Donnerstag, 5. August 2021, 13:51

missverständliche Textpassage

Die Information über eine weitere "atypische Thrombose" ist wichtig. Zielführend sind die Anamnese und die Diagnostik (wie immer) . Hierzu findet sich im Begleittext eine irreführende Passage: .... nach bestätigender D-Dimer-Bestimmung (!!!) (1,3) .... ....rasch ansprechende Antikoagulation mit Eliquis (D-Dimer 0,6 nach 2 Wo)...... Diese Passage ist zumindest irreführend, weil der D-Dimer-TEst einen hohen NEGATIVEN prädiktiven Wert hat, also verwendet wird, um eine VTE AUSZUSCHLIESSEN! EIn positiver D-Dimer ist folgerichtig daher für die DIagnose einer Erst-VTE WERTLOS. In der Verlaufskontrolle spielt die duplexsonografische Kontrolle die Hauptrolle, NICHT ein absinkender D-Dimer, dessen VErlauf aufgrund der Vielzahl an Möglichkeiten durchaus auch NICHT absinken kann. Bei V.a. eine FOLGE-VTE, also zB nach 12 Mon nach durchgemachter Erst-VTE kann ein POSITIVER D-Dimer-Test das um den Faktor ca 2,5-fach ERHÖHTE Risiko des Pat anzeigen vs dem negativ getesteten mit einem Re-TVT Risiko um 3.2 %. Die Aussagekraft des D-Dimer-Testes besteht somit in erster Linie darin, bei minderer Vortestwahrscheinlichkeit für ein Erstereignis (z.B. Wells-Score) eine VTE AUSZUSCHLIESSEN. Zum Thema gibt es eine große Literaturbibliothek, empfehlenswert sind besonders die ACCP Guidelines, die S2-Leitlinie der DGA, die ASH- und ASCO-Guidelines.
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