ArchivDeutsches Ärzteblatt29-30/2021Erweiterte interdisziplinäre Überlegungen
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Den Kollegen ist eine umfassende Übersicht zu Diagnostik und operativen Möglichkeiten gelungen (1). Wir möchten ergänzend auf moderne strahlentherapeutische Behandlungsoptionen im Zusammenspiel mit der neurochirurgischen Resektion eingehen. Die Indikation zur Strahlenbehandlung kann bei (progredientem) Tumorrest, Rezidiv oder hohem Risiko einer Re-Operation gestellt werden und erfolgt nicht routinemäßig postoperativ. Als Bestrahlungstechniken stehen neben einer konventionell fraktionierten Bestrahlung die Einzeit-Stereotaxie (Radiochirurgie) und fraktionierte Stereotaxie zur Verfügung. Die lokalen Kontrollraten differieren nach fünf Jahren zwischen 72 und 100 % (2). Auch sind nach Bestrahlung eine Normalisierung der dysregulierten Hormonachsen oder eine Verbesserung des Visus durch Tumorregression möglich (2, 3).

Die Auswahl des verwendeten Bestrahlungsschemas und der -dosis erfolgt in Abhängigkeit von Adenomgröße und Abstand zu kritischen Risikoorganen, insbesondere dem Chiasma opticum. Typische Verschreibungsdosen der konventionellen (normofraktionierten) Radiotherapie betragen 45–54 (Gray) Gy in Einzeldosen von 1,8–2 Gy (3). Dagegen werden bei der Radiochirurgie 13–16 Gy beziehungsweise 16–25 Gy für nichtsezernierende oder sezernierende Adenome eingesetzt (3). Für die optimale Durchführung der Radiatio sind eine präzise Planungsbildgebung, exakte Zielvolumen- und Risikoorgankonturierung sowie Möglichkeiten der bildgestützten Strahlentherapie essenziell. Die hohe Lokalkontrollrate muss abgewogen werden mit potenziellen (Langzeit-)Toxizitäten wie einer Hypophysenunterfunktion, die bei 20–50 % der Patienten auftreten kann (2). Ihr Auftreten ist dosisabhängig: In einem modernen radiochirurgischen Kollektiv wurden 11 Gy oder mehr als dosimetrischer Prädiktor identifiziert (4). Dagegen ist das Risiko einer radiogenen optischen Neuropathie mit 1–5 % gering (2).

Insgesamt ist eine individuelle Risiko-Nutzen-Abwägung einer Radiotherapie vorzunehmen. Der hierfür notwendige neurochirurgische und strahlentherapeutische Austausch unter Zuhilfenahme neuropathologischer und neuroradiologischer Expertise sollte idealerweise im Rahmen eines interdisziplinären Tumorboards stattfinden.

DOI: 10.3238/arztebl.m2021.0255

Dr. med. Michael Oertel
Klinik für Strahlentherapie – Radioonkologie
Universitätsklinikum Münster (UKM)
michael.oertel@ukmuenster.de

PD Dr. med Eric Suero Molina
Prof. Dr. med. Walter Stummer

Klinik für Neurochirurgie
Universitätsklinikum Münster (UKM)

Prof. Dr. med. Hans Theodor Eich
Klinik für Strahlentherapie – Radioonkologie
Universitätsklinikum Münster (UKM)

1.
Jaursch-Hancke C, Deutschbein T, Knappe UJ, Saeger W, Flitsch J, Fassnacht M: The interdisciplinary management of newly diagnosed pituitary tumors. Dtsch Arztebl Int 2021; 118: 237–43 VOLLTEXT
2.
Chanson P, Dormoy A, Dekkers OM: Use of radiotherapy after pituitary surgery for non-functioning pituitary adenomas. Eur J Endocrinol 2019; 181: D1–13 CrossRef MEDLINE
3.
ESTRO ACROP guideline for target volume delineation of skull basetumors. Radiother and Oncol 2021; 56: 80–9 CrossRef MEDLINE
4.
Graffeo CS, Link MJ, Brown PD, Young WF, Pollock BE: Hypopituitarism after single-fraction pituitary adenoma radiosurgery: dosimetric analysis based on patients treated using contemporary techniques. Int J Radiat Oncol Biol Phys 2018; 101: 618–23 CrossRef MEDLINE
1.Jaursch-Hancke C, Deutschbein T, Knappe UJ, Saeger W, Flitsch J, Fassnacht M: The interdisciplinary management of newly diagnosed pituitary tumors. Dtsch Arztebl Int 2021; 118: 237–43 VOLLTEXT
2.Chanson P, Dormoy A, Dekkers OM: Use of radiotherapy after pituitary surgery for non-functioning pituitary adenomas. Eur J Endocrinol 2019; 181: D1–13 CrossRef MEDLINE
3.ESTRO ACROP guideline for target volume delineation of skull basetumors. Radiother and Oncol 2021; 56: 80–9 CrossRef MEDLINE
4.Graffeo CS, Link MJ, Brown PD, Young WF, Pollock BE: Hypopituitarism after single-fraction pituitary adenoma radiosurgery: dosimetric analysis based on patients treated using contemporary techniques. Int J Radiat Oncol Biol Phys 2018; 101: 618–23 CrossRef MEDLINE

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