ArchivDeutsches Ärzteblatt29-30/2021Schuberts Sprechstunde: „Unser Chefarzt vergisst den Plan immer wieder– was kann ich tun?“

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Schuberts Sprechstunde: „Unser Chefarzt vergisst den Plan immer wieder– was kann ich tun?“

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Foto: Schubert Management Consultants
Foto: Schubert Management Consultants

Dipl.-Psych. Petra Schubert berät seit vielen Jahren Unternehmen aus der Gesundheitswirtschaft zu Themen rund ums Personalmanagement. An dieser Stelle beantwortet sie die interessantesten Fragen, die Ärztinnen und Ärzte aus der Klinik ihr in Coachings stellen.

Unser Chefarzt vergisst den Plan immer wieder und grätscht dazwischen – was kann ich tun?

„In Zeiten des Fachkräftemangels sind wir in unserer Abteilung für Allgemein-Chirurgie echt froh, dass wir genügend und gute Assistenzärzte haben. Als Facharzt in der Abteilung weiß ich, dass die Assistenzärzte natürlich möglichst oft bei den OPs assistieren und auch selbst welche übernehmen wollen. Das ist uns allen bewusst und wir versuchen, sie einzuplanen und anzulernen, so gut es geht. Unser Oberarzt hatte nun den Assistenzärzten versprochen, einen Plan aufzustellen, wann wer mit in den OP kann und wer was im Laufe der Zeit übernehmen könne. Alle freuten sich sehr darauf. Der Oberarzt legte seinen Plan unserem Chefarzt vor und bat ihn um seine Anmerkungen. Der Chefarzt segnete den Plan ab und der Oberarzt kommunizierte ihn an die Assistenzärzte. Leider ist es in der Realität nun so, dass unser Chefarzt den Plan immer wieder vergisst und dazwischengrätscht. Vor allem wenn er selbst operiert, möchte er immer nur einen der Assistenzärzte dabeihaben, die anderen haben das Nachsehen. Auch bei den OPs des Oberarztes und bei meinen OP-Terminen hatte er uns schon den Rat gegeben, nur diesen einen Assistenzarzt mitzunehmen, weil er am schnellsten unterstützen könne. Nun sind natürlich die anderen Assistenzärzte verärgert. Ich befürchte, dass diese nicht lange bei uns bleiben, wenn das so weiter geht.“

Petra Schubert: „Der Unmut der Assistenzärzte ist völlig verständlich – wahrscheinlich ist zudem der Oberarzt nicht bester Laune, da der Chefarzt seinen Vorschlag übergeht und insofern herabwürdigt. Aus meiner Sicht wäre es gut, wenn Sie zuerst mit dem Oberarzt sprechen und ihn fragen, ob er den Chefarzt schon mal darauf angesprochen hat. In diesem Gespräch könnten Sie ihm anbieten, gemeinsam ein Gespräch mit dem Chefarzt zu führen, um den Oberarzt zu unterstützen und selbst noch stärker „von der Basis“ zu berichten. In dem Gespräch mit dem Chefarzt könnten Sie schildern, wie die Assistenzärzte sich über die Planung gefreut haben und wie enttäuscht sie jetzt sind. Sie sollten Ihre Befürchtung über die möglicherweise anstehenden Kündigungen und die Konsequenzen daraus erläutern.

Zudem könnten Sie aus Ihrer Sicht darstellen, welcher Assistenzarzt welche Stärken, aber auch welche Entwicklungsfelder hat und wer wo eingesetzt werden könnte. Fragen Sie Ihren Chefarzt, warum er nur den einen Assistenzarzt einsetzt und welche Vorteile dieser hat. Überlegen Sie gemeinsam mit dem Oberarzt, wie die anderen Assistenzärzte schnell ein ähnliches Niveau erreichen können und bitten Sie Ihren Chefarzt, Sie bei der Ausbildung zu unterstützen.

Sobald Sie sich auf ein Vorgehen geeinigt haben, überlassen Sie es dem Oberarzt, am besten mit dem Chefarzt gemeinsam, dieses Vorgehen den Assistenzärzten zu kommunizieren.“

Mein Kollege kommuniziert unklar oder nicht eindeutig – wie gehe ich damit um?

„In meiner Abteilung arbeiten gute, fähige und engagierte Menschen, worüber ich als Chefarzt sehr froh bin. Wenn wir nur auf unsere Abteilung gucken, kann ich behaupten, es funktioniert gut. In meinem Fachgebiet der Hämatologie/Onkologie sind jedoch regelmäßige Konsile mit den Kollegen der anderen Fachrichtungen notwendig. Meist kommt es vor und während der Konsile zu Problemen. Eigentlich sind der Turnus und die Termine festgelegt. Bei einigen Patienten sind jedoch kurzfristige Konsile und Absprachen wichtig. In den Fällen, in denen ich meinen Kollegen der Gynäkologie kurzfristig hinzuziehen muss, kommt es immer wieder zu Unstimmigkeiten, Verzögerungen und einem mehr als ruppigen Tonfall oder kompletter Nichtkommunikation. Dies geht sehr zulasten der Diagnose und der damit verbundenen Behandlung des Patienten. Falls ein kurzfristiger Termin zustande kommt, kommuniziert mein Kollege unklar oder nicht eindeutig. Wie soll ich damit umgehen?“

Petra Schubert: „Das hört sich sehr mühsam an und ich kann mir gut vorstellen, dass Sie sich über Ihren Kollegen und dessen mangelnde Kooperation ärgern. Es scheint so zu sein, dass Ihr Kollege eine andere Auffassung von Zusammenarbeit hat als Sie. Insofern wären ein Abgleich und eine gemeinsame Vereinbarung für die künftige Zusammenarbeit wichtig.

Aus meiner Sicht wäre es gut, wenn Sie einen Termin mit Ihrem Kollegen machen, am besten in Ruhe bei einem Kaffee, und ihn fragen, wie er sich die Zusammenarbeit vorstellt und welche Erwartungen er an Sie hat. Sobald er seine Erwartungen geschildert hat, sollten Sie Ihre Wahrnehmung, am besten in der Ich-Form aus Ihrem Erleben heraus, schildern, warum das aktuelle Vorgehen schwierig für die Patienten und für Sie ist. Anschließend sollten Sie Ihre Erwartungen an die Kooperation äußern. Dann könnten Sie Vorschläge darlegen, wie die Zusammenarbeit in Zukunft laufen kann und sollte.

Fragen Sie Ihren Kollegen, ob er mit Ihren Vorschlägen einverstanden ist, ob er etwas ergänzen oder ändern möchte. Halten Sie im Anschluss am besten alles schriftlich fest und schicken Sie es ihm per E-Mail mit der Bitte, noch mal zu schauen, ob Sie alles richtig erfasst haben. Falls sich nichts ändert, sollten Sie Ihn nochmals ansprechen und im nächsten Schritt die Geschäftsführung oder den Ärztlichen Direktor zur Klärung hinzuziehen.

Die Vertretungsregelung mit meinem Oberarzt-Kollegen läuft nicht gut – was soll ich tun?

Wir haben bei uns in der Nephrologie eine Vertretungsregelung. Wenn ich im Urlaub bin, ist mein Oberarzt-Kollege zuständig für meine Patienten, aber auch für meine Briefe und administrativen Inhalte. Sobald er im Urlaub ist, gilt das Gleiche für mich. Das lief bisher gut. Nun stelle ich fest, dass die letzten beiden Vertretungen nicht gut liefen. Die administrativen Inhalte und Briefe waren gar nicht abgearbeitet, die Patienten waren unzufrieden, da sich mein Kollege in den Sprechstunden nicht wirklich Zeit nahm. Er bügelte die Patienten offenbar rüde ab oder verwies darauf, dass sie ihre Anliegen lieber mit mir besprechen sollten und er keine Zeit für solche Details habe. Ich finde das sehr unglücklich und sehe nun schon mit Grausen dem nächsten Urlaub entgegen. Was soll ich tun?“

Petra Schubert: „Das würde mich an Ihrer Stelle ärgern, aber auch die Frage hinterlassen, warum sich sein Verhalten geändert hat, wenn es zuvor gut gelaufen ist. Aus meiner Sicht sollten Sie das Gespräch suchen, vielleicht in der Pause gemeinsam Spazierengehen, um aus der Umgebung herauszukommen.

Schildern Sie ihm Ihre Wahrnehmung, dass die Urlaubsvertretung die letzten beiden Male nicht so lief wie zuvor und dass Sie sich fragen, warum das so ist. Falls er darauf nicht reagiert, schildern Sie ihm deutlicher, wie es Ihnen geht, wenn Sie aus dem Urlaub zurückkommen und fragen Sie ihn, wie es ihm gehen würde, wenn es ihm genauso erginge. Stellen Sie Ihre Erwartungen dar und bitten Sie ihn, darüber nachzudenken und nach einer Woche noch mal zu sprechen, um zu vereinbaren, wie sie beide künftig mit der Vertretung umgehen wollen. Falls sich nach Ihrem nächsten Urlaub die gleiche Situation darstellt, sollten Sie ihm sagen, dass Sie die Vertretungsregelung gerne mit ihm und Ihrem Chefarzt besprechen und eine Regelung finden wollen.“

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