ArchivDeutsches Ärzteblatt29-30/2021Risikofaktoren für COVID-19: Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen sind vulnerabler gegenüber COVID-19

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Risikofaktoren für COVID-19: Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen sind vulnerabler gegenüber COVID-19

Gerste, Ronald D.

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Foto: picture alliance/dpa Themendienst/Christin Klose
Foto: picture alliance/dpa Themendienst/Christin Klose

Schon kurz nach Beginn der COVID-19-Pandemie haben Fachgesellschaften wie das American College of Cardiology und die European Society of Cardiology darauf hingewiesen, dass Patienten mit kardiovaskulären Risikofaktoren und mit manifesten kardiovaskulären Erkrankungen (CVD) durch die Infektion mit SARS-CoV-2 besonders gefährdet sind und nach Hospitalisierung eine erhöhte Sterblichkeit aufweisen. Es stellt sich die Frage, ob ACE-Inhibitoren und Angiotensin-Rezeptorblocker ungünstige Effekte haben könnten, da sie SARS-CoV-2 über die ACE2-Rezeptoren einen Weg in die Epithelzellen bahnen könnten.

Eine Arbeitsgruppe der Genfer Universitätskliniken hat untersucht, ob das Vorliegen von CVD bei stationären COVID-19-Patienten Einfluss auf die Krankenhaussterblichkeit und das Auftreten von Major Adverse Cardiovascular Events (MACE) beim Klinikaufenthalt hat. Das Studienkollektiv bestand aus 839 in den ersten beiden Monaten der Pandemie stationär aufgenommenen Patienten eines Durchschnittsalters von 67 Jahren. 47 % hatten arterielle Hypertonie, 27 % einen Body-Mass-Index von ≥ 30 kg/m2 und 20 % hatten Diabetes, meist Typ 2. ¹/3 der Patienten (n = 277) hatte eine kardiovaskuläre Vorerkrankung wie akutes Koronarsyndrom, Angina pectoris, Arrhythmie und Schlaganfall.

Bei der Auswertung der Krankheitsverläufe unter COVID-19 zeigte sich ein deutlich erhöhtes Risiko für Patienten mit CVD, ein MACE zu erleiden oder in der Klinik zu sterben. Dieser Risikofaktor, beschrieben über die Odds Ratio (OR), wurde in der multivariaten Analyse mit 2,4 ([95-%-Konfidenzintervall] [1,6; 3,5]) berechnet.

Das Risiko für Tod und/oder MACE war ebenfalls erhöht für Männer (OR: 1,6 [1,1; 2,3]), für ältere Patienten (OR pro 10 Jahre: 2,2 [1,9; 2,6]) und für Menschen mit einer Vorgeschichte von chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (OR: 2,1 [1,1; 4,2]).

Wenn nur die Sterblichkeit während des Klinikaufenthalts berücksichtigt wurde, war eine CVD in der Anamnese mit einer OR von 2,9 [1,7; 5,0] assoziiert. Ein weiterer Risikofaktor waren erhöhte Konzentrationen des C-reaktiven Proteins (OR für einen Anstieg um jeweils 10 mg/L: 1,1 [1,1; 1,2]).

Fazit: „Nach den Ergebnissen der vorliegenden Studie und den Beobachtungen anderer Autoren sind akute COVID-19-Infektionen mit einer erhöhten Rate kardiovaskulärer Ereignisse und mit einer erhöhten Mortalitätsrate verbunden“, kommentiert Prof. Dr. med. Hans-Joachim Trappe, Direktor der Medizinischen Klinik II (Kardiologie und Angiologie) am Marien Hospital Herne/Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum. „Es bleibt abzuwarten, ob sich ähnliche Beobachtungen auch im Langzeitverlauf bei Patienten mit CVD machen lassen.“ Dr. med. Ronald D. Gerste

Tessitore E, Carballo D, Poncet A, et al.: Mortality and high risk of major adverse events in patients with COVID-19 and history of cardiovascular disease. Open Heart 2021; 8: e001526. doi:10.1136/openhrt-2020–001526.

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