ArchivDeutsches Ärzteblatt28-29/1996Steroidhormone im Zentralnervensystem: Auf der Suche nach verträglichen Anxiolytika

POLITIK: Medizinreport

Steroidhormone im Zentralnervensystem: Auf der Suche nach verträglichen Anxiolytika

Leinmüller, Renate

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LNSLNS Nicht nur die peripheren endokrinen Organe sind Produktionsquellen für Steroidhormone, auch im Zentralnervensystem können einige dieser Substanzen synthetisiert und akkumuliert werden. Manchen dieser "Neurosteroide" könnte eine große Zukunft als anxiolytische Wirksub-stanzen zukommen – über den Wert ihrer schlaffördernden und sogar antikonvulsiven Eigenschaften wird noch spekuliert.
Mit diesem Ausblick seiner Grundlagenforschung hat Professor R. Rupprecht vom Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München Hoffnungen auf "naturnähere" und vielleicht nebenwirkungsärmere Therapiealternativen in der Neurologie und Psychiatrie geweckt.


Zwiegespräch in den Zellen
Wie Prof. Rupprecht beim Jahrestreffen der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie in Marburg erläuterte, unterscheiden sich die Neurosteroide strukturchemisch von den klassischen Hormonen, obwohl sie sich von Progesteron und Deoxycorticosteron ableiten; die wichtigsten Vertreter sind Tetrahydrodeoxycorticosteron (THDOC), Allopregnanolon (THP) und Pregnanolon.
Offensichtlich entfalten die Neurosteroide ihre regulatorische Wirkung wie die klassischen Hormone über die Bindung an bestimmte Strukturen im Zellkern; sie sind aber auch in der Lage, die neuronale Exzitabilität über Bindungsstellen an Ionenkanälen, etwa am GABA-Benzodiazepin-Rezeptor-Komplex, zu modulieren. "In der Zelle findet sozusagen ein Zwiegespräch zwischen genomischen und nichtgenomischen SteroidEffekten statt", so Rupprecht, wodurch die Neurosteroide quasi eine binäre Wirkung haben und damit ein bislang noch ungenutztes neuro-psychopharmakologisches Potential besitzen dürften. Von einer praktischen Umsetzung für die Klinik ist man allerdings noch weit entfernt, auch wenn das Elektroenzephalogramm bei gesunden männlichen Probanden während des Schlafes nach der Gabe von Progesteron (als Vorläufersubstanz der Neurosteroide) ähnliche Veränderungen zeigte wie nach der Einnahme von Barbituraten. Dr. Renate Leinmüller

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