ArchivDeutsches Ärzteblatt29-30/2021Lebendorganspende: Ein immenser Gewinn
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Schon seit vielen Jahren habe ich die Meinung geäußert, dass der große Bedarf an Nierenspenden nur dann gedeckt werden kann, wenn es deutlich mehr Lebendspenden gibt, zumindest solange die Züchtung genetisch humaner Nieren in Tieren noch in weiter Ferne liegt. Es ist zu begrüßen, dass die Debatte über die Lebendorganspende wieder angestoßen wurde; aber es müssen nun auch endlich Beschlüsse gefasst werden. Dabei sollte man folgende Punkte beachten:

1. Potenzielle Spender müssen selbstverständlich ausführlich beraten und gründlich untersucht werden. Die Aufklärung über mögliche Nebenwirkungen wie das Fatigue-Syndrom ist notwendig. Allgemein sind jedoch keine ernsten Folgen zu befürchten, wie das prominente Beispiel des Bundespräsidenten zeigt, der seiner Ehefrau eine Niere gespendet hat.

2. Die Auswahl der Spender darf nicht auf Verwandte oder andere Betroffene (Überkreuzspende) beschränkt werden. Jeder gesunde Mensch, der eine Niere spenden möchte, sollte dazu die Möglichkeit erhalten.

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3. Die Nierenspende sollte wie eine Samen- oder Eizellen-Spende bezahlt werden, allerdings in anderen Dimensionen. So hatte ich bereits vorgeschlagen, das Honorar in Höhe einer Jahresdialyse (ca. 70 000 Euro) zu wählen. Dieser Betrag sollte von den Krankenkassen bezahlt werden, die nach einer Nierentransplantation viele Jahresdialysen einsparen können. Dieses Honorar sollten auch diejenigen Personen erhalten, die aus altruistischen Gründen spenden wollen; sie können das Honorar ja eventuell einem guten Zweck zuführen.

4. Die Spender sollten einen Bonus erhalten, in dem Sinne, dass sie bei der Organvergabe bevorzugt werden, wenn sie später einmal selbst niereninsuffizient werden sollten.

5. Ein Organhandel muss unbedingt vermieden werden. Es darf nicht sein, dass sich reiche Patienten ein Organ kaufen können.

6. Ethische Bedenken sind nicht gerechtfertigt, da alle Beteiligten profitieren. Die Empfänger erhalten das sehnlichst erwartete Organ, die Spender werden auf ihre gesundheitliche Eignung überprüft und angemessen vergütet und die Krankenkassen sparen hohe Dialyse-Summen ein.

Es wäre ein immenser Gewinn für die vielen hoffnungsvollen Nierenkranken, wenn endgültige gesundheitliche, juristische und politische Regeln bezüglich der Lebendorganspende getroffen würden. 

 Prof. Dr. med. Claus Werning, 50226 Frechen/Köln

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