ArchivDeutsches Ärzteblatt29-30/2021Vorhofflimmern und venöse Thromboembolien: Häufiger Blutungen bei Kombination aus direkten oralen Antikoagulanzien mit ASS

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Vorhofflimmern und venöse Thromboembolien: Häufiger Blutungen bei Kombination aus direkten oralen Antikoagulanzien mit ASS

Vetter, Christine

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Foto: nerthuz/stock.adobe.com
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Wie häufig bei Patienten mit Vorhofflimmern oder einer venösen Thromboembolie (VTE) Acetylsalicylsäure (ASS) zusätzlich zu direkten oralen Antikoagulanzien (DOAC) verordnet wird und wie sich dies auf das klinische Outcome auswirkt, hat eine US-Registerstudie untersucht. Endpunkte der Studie waren die Blutungsrate einschließlich schwerer Blutungen sowie die Häufigkeit thromboembolischer Ereignisse wie einem Schlaganfall, einer VTE oder einem Myokardinfarkt.

Eingeschlossen in die Kohortenstudie wurden 3 280 Patienten mit Vorhofflimmern oder VTE ohne Myokardinfarkt in den vergangenen 6 Monaten und ohne Herzklappenersatz in der Anamnese. 51 % der Studienteilnehmer waren Männer, das mittlere Alter lag bei 68,2 Jahren. Eine Patientengruppe (n = 1 107) wurde mit DOAC plus ASS (90,1 % in einer Dosierung ≤ 100 mg), die 2. Gruppe (n = 2 173) wurde mit DOAC alleine behandelt, wobei bei 33,8 % der Patienten unter DOAC plus ASS keine eindeutige Indikation für die zusätzliche ASS-Gabe bestand. Analysiert wurden die Daten von 2 paarweise zugeordneten Gruppen mit jeweils 1 047 Patienten unter der Kombinationstherapie und unter der DOAC-Monotherapie.

Im Verlauf des Follow-up von im Mittel 20,9 Monaten traten in der Patientengruppe unter DOAC und ASS signifikant häufiger Blutungen auf als unter der DOAC-Monotherapie (26,1 vs. 21,7 Blutungen/100 Patientenjahre; p = 0,02). Die Häufigkeit schwerer Blutungen, also tödlich, intrakranieller und lebensbedrohlicher Blutungen, war in den beiden Kohorten aber nicht statistisch signifikant unterschiedlich. Allerdings wurden Patienten unter der Kombinationstherapie signifikant häufiger aufgrund von Blutungen in die Klinik eingewiesen (9,1 vs. 6,5 Einweisungen/100 Patientenjahre; p = 0,02).

Die Inzidenz thromboembolischer Ereignisse war in den beiden Kohortengruppen nicht signifikant unterschiedlich (2,5 versus 2,3 Ereignisse/100 Patientenjahre, p = 0,80). Auch die Rate der Klinikeinweisungen aufgrund thromboembolischer Ereignisse war vergleichbar.

Fazit: „In verschiedenen klinischen Studien ist gut dokumentiert worden, dass die Kombination einer oralen Antikoagulation mit einem oder sogar mit 2 Thrombozytenfunktionshemmern zu vermehrten Blutungen führt“, erläutert Dr. med. Gunther Claus, Leitender Arzt Innere Medizin, Kardiologie und Notfallmedizin am Marienkrankenhaus Kassel. Dies sei ein wesentlicher Grund dafür, dass die ESC-Leitlinienkommission im vergangenen Jahr die Zeitintervalle für eine duale und für eine Triple-Therapie mit Antikoagulantien und Thrombozytenaggregationshemmern verkürzt hat. „Die aktuelle Publikation zur Behandlung mit einem DOAC plus ASS bestätigt die Befunde vorheriger Studien. Wir lernen aus der Untersuchung ferner, dass eine sorgfältige Anamneseerhebung vor der Verordnung eines solchen Therapiekonzeptes unerlässlich ist“, erklärt Dr. Claus. „Bei der Anamnese sollte unbedingt auch nach der Einnahme von OTC-Medikamenten wie ASS gefragt werden. Diese von uns nicht verordneten Medikamenten entgehen nicht selten unserer Aufmerksamkeit.“ Christine Vetter

Schaefer JK, Errickson J, Li Y, et al.: Adverse events associated with the addition of aspirin to direct oral anticoagulant therapy without a clear indication, JAMA Intern Med 2021; 181: 817–24.

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