ArchivDeutsches Ärzteblatt29-30/2021Lieferengpass bei Multivitaminpräparaten zur parenteralen Ernährung

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Lieferengpass bei Multivitaminpräparaten zur parenteralen Ernährung

Hillienhof, Arne

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Vitaminpräparate, die primär für die parenterale Ernährung eingesetzt werden, sind momentan Mangelware. Foto: Martin Carlsson/stock.adobe.com
Vitaminpräparate, die primär für die parenterale Ernährung eingesetzt werden, sind momentan Mangelware. Foto: Martin Carlsson/stock.adobe.com

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM) macht auf Engpässe bei der Versorgung von Patienten mit Multivitaminpräparaten aufmerksam. So sei das Präparat Cernevit voraussichtlich bis Ende 2021 nicht lieferbar. Auch seien weder vergleichbare Präparate noch die fettlöslichen Einzelkomponenten (FrekaVit fettlöslich und Vitalipid adult) verfügbar, hieß es.

Krankenhäuser erhielten die Vitaminpräparate, die primär für die parenterale Ernährung eingesetzt werden, daher nur noch kontingentiert. Gründe für die Engpässe sind laut DGEM ein enorm gestiegener Bedarf und anderweitig gebundene Produktionskapazitäten für COVID-19-Impfstoffe.

„Bei bestimmten Krankheitsbildern entwickeln sich sehr schnell Defizite. So sinkt beispielsweise der Vitamin-C-Spiegel bei chirurgischen Intensivpatienten vergleichsweise schnell“, erläuterte Diana Rubin, DGEM-Vorstandsmitglied sowie Leiterin des Zentrums für Ernährungsmedizin an den Vivantes Kliniken in Berlin. Selten sei zudem bekannt, welche Defizite die Patienten in die Klinik mitbrächten. „Vor allem chronisch kranke oder geriatrische Patienten weisen bei der Klinikeinweisung gravierende Mikronährstoffdefizite auf, häufig bedingt durch Mangelernährung oder die Einnahme bestimmter Medikamente“, so Rubin. Werde ein Patient länger als eine Woche parenteral ernährt, sei die Zugabe von Vitaminen und Spurenelementen unerlässlich.

Die DGEM empfiehlt, dass Ärztinnen und Ärzte intravenöse Multivitamine für Patienten reservieren sollten, die ausschließlich parenteral ernährt werden könnten oder für Patienten mit einem therapeutischen, medizinischen Bedarf an intravenösen Multivitaminen.

„Sofern möglich, sollte eine Ernährung immer auf oralem oder enteralem Weg erfolgen. Wenn notwendig, muss die Zufuhr intravenöser Multivitamine rationiert werden, indem zum Beispiel die Tagesdosis um 50 Prozent verringert wird“, ergänzte Johann Ockenga, Leiter der Medizinischen Klinik II mit Schwerpunkt Gastroenterologie, Hepatologie, Endokrinologie, Diabetes und Ernährungsmedizin am Klinikum Bremen-Mitte.

Die Fachgesellschaft empfiehlt die Empfehlungen der American Society for Parenteral and Enteral Nutrition zum Vorgehen bei Multivitaminverknappungen. hil

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