ArchivDeutsches Ärzteblatt29-30/2021GOÄ-Ratgeber: Abrechnung des (Video-)Kopfimpulstests

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GOÄ-Ratgeber: Abrechnung des (Video-)Kopfimpulstests

Wetzel, Hermann

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Mithilfe des Video-Kopfimpulstests wird über die Messung des vestibulo-okulären Reflexes geprüft, ob bei Schwindel beziehungsweise Gleichgewichtsstörungen eine Erkrankung des peripheren Vestibularsystems vorliegt. Bei der Untersuchung wird der Kopf des Patienten mehrfach kontrolliert-ruckartig in den Hauptrichtungen der Bogengänge jeder Kopfseite bewegt; hauptsächlich wird die Testung der Horizontalebene genutzt. Dabei werden Augen- und Kopfbewegungen simultan registriert, wobei eine Videobrille mit Gyrosensoren am Kopf des Patienten befestigt ist. Die Geschwindigkeit und das Ausmaß der Augen-Nachstellbewegungen werden video-okulografisch ausgewertet und der sogenannte Verstärkungsfaktor (Gain) bestimmt.

Für den Video-Kopfimpulstest existiert im Gebührenverzeichnis der geltenden GOÄ keine Gebührenposition, da diese Untersuchungstechnik zum Zeitpunkt der letzten Novellierung der GOÄ im Jahr 1996 noch nicht in die Versorgung eingeführt war. Die Leistung muss daher analog gemäß § 6 Abs. 2 GOÄ entsprechend einer nach Art, Kosten- und Zeitaufwand gleichwertigen Leistung des Gebührenverzeichnisses bewertet werden. Nach gebührenrechtlichen, medizinischen und betriebswirtschaftlichen Aspekten wird von der Bundesärztekammer für die Abrechnung des Video-Kopfimpulstests ein Analogansatz der Nr. 1413 GOÄ, „Elektronystagmographische Untersuchung“ (265 Punkte, Gebühr beim 1,0-/2,3-/3,5-fachen Satz: 15,45/35,53/54,06 EUR) empfohlen.

Für die Abrechnung der Videonystagmografie wird von der Bundesärztekammer ebenfalls ein Analogabgriff nach Nr. 1413 GOÄ befürwortet. Falls ein Video-Kopfimpulstest und eine Videonystagmografie in einer Sitzung durchgeführt werden, kann jedoch gemäß § 4 Abs. 2 a GOÄ die Nr. 1413 GOÄ analog nicht zweimal, sondern nur einmal berechnet werden, da bei einer Ableitung in derselben Sitzung eine – wenn auch geringe – Teil-Leistungsüberschneidung besteht. Der in einem solchen Fall entstandene zeitliche Mehraufwand würde beim Ansatz der Nr. 1413 GOÄ analog ein Überschreiten der Begründungsschwelle gemäß § 5 Abs. 2 GOÄ – durchaus unter gegebenenfalls maximaler Ausschöpfung des Gebührenrahmens – rechtfertigen.

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Für die Durchführung eines nicht apparativ unterstützten, klinischen Kopfimpulstests – beispielsweise am Krankenbett – kann die Nr. 826 GOÄ, „Gezielte neurologische Gleichgewichts- und Koordinationsprüfung – ggf. einschl. kalorischer-otologischer Prüfung“ (99 Punkte, Gebühr beim 1,0-/2,3-/3,5-fachen Satz: 5,77/ 13,27/20,20 EUR) berechnet werden. Erfolgt ein Kopfimpulstest im Rahmen einer neurologischen Untersuchung nach Nr. 800 GOÄ oder einer HNO-ärztlichen Gleichgewichtsprüfung nach Nr. 1412 GOÄ, kann der zusätzliche Aufwand durch Wahl eines geeigneten Steigerungsfaktors bei der Abrechnung geltend gemacht werden. Neben der Nr. 800 GOÄ oder der Nr. 1412 GOÄ ist die Nr. 826 GOÄ nicht berechnungsfähig. Dr. med. Hermann Wetzel, M. Sc.

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