ArchivDeutsches Ärzteblatt33-34/2021Hämorrhagischer Schock nach Nasopharyngealabstrich
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Die stationäre Aufnahme eines 49-jährigen intelligenzgeminderten Mannes erfolgte aufgrund persistierender Epistaxis nach außerklinischem Nasopharyngealabstrich im Rahmen eines regelmäßigen SARS-CoV-2-Screenings. Der Abstrich war von geschultem Personal durchgeführt worden und ohne Auffälligkeiten verlaufen, eine Blutung war unmittelbar aufgetreten. Bei progredientem hämorrhagischem Schock sowie respiratorischer Partialinsuffizienz nach Blutaspiration wurden Intubation und Kreislaufstabilisierung erforderlich. Vorbekannt war insbesondere ein paroxysmales Vorhofflimmern unter Therapie mit Edoxaban (60 mg/d). Zusätzlich bestand eine dauerhafte ASS-Einnahme (100 mg/d). Im Zusammenhang mit der Blutung traten rezidivierend hämodynamisch relevante Tachyarrhythmien auf. Endoskopisch zeigte sich eine diffuse Blutung vornehmlich nasopharyngeal sowie links endonasal ohne interventionelle Therapiemöglichkeit. Unter Pausieren gerinnungshemmender Medikation und dreitägiger nasaler Tamponade ließ sich schließlich eine Blutstillung erreichen. Bei Aspirationspneumonie verlängerte sich die invasive Beatmung auf insgesamt sieben Tage. Der Fall demonstriert eine lebensbedrohliche Komplikation der aktuell vielfach durchgeführten nasopharyngealen SARS-CoV-2-Abstriche, sodass insbesondere bei Patienten mit hämorrhagischer Diathese alternative Methoden zur Probengewinnung erwogen werden sollten. Gerade Kombinationen gerinnungshemmender Therapien sollten regelmäßig überprüft werden.

Computertomografie (CT) des Kopf-Hals-Bereichs in sagittaler Rekonstruktion drei Tage nach dem Akutereignis (Weichteilfenster). Abbildung: Simone Mucha (Institut für Neuroradiologie, Universitätsklinikum Leipzig)
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Computer­tomografie (CT) des Kopf-Hals-Bereichs in sagittaler Rekonstruktion drei Tage nach dem Akutereignis (Weichteil­fenster). Abbildung: Simone Mucha (Institut für Neuro­radiologie, Universitäts­klinikum Leipzig)

Dr. med. Sebastian Sewerin, Bereich Nephrologie, Klinik und Poliklinik für Endokrinologie, Nephrologie, Rheumatologie, Universitätsklinikum Leipzig; sebastian.sewerin@medizin.uni-leipzig.de

Dr. med. Markus Wehner, Abteilung für Anästhesie und Intensivtherapie, Krankenhaus Wurzen, Muldentalkliniken GmbH

Dr. med. Lorenz Weidhase, Interdisziplinäre Internistische Intensivmedizin, Universitätsklinikum Leipzig

Interessenkonflikt: Die Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Zitierweise: Sewerin S, Wehner M, Weidhase L: Hemorrhagic shock following nasopharyngeal swab. Dtsch Arztebl Int 2021; 118: 560. DOI: 10.3238/arztebl.m2021.0276

Dieser Beitrag erschien online am 3. 8. 2021 (online first) auf www.aerzteblatt.de

►Vergrößerte Abbildung und englische Übersetzung unter: www.aerzteblatt.de

Computertomografie (CT) des Kopf-Hals-Bereichs in sagittaler Rekonstruktion drei Tage nach dem Akutereignis (Weichteilfenster). Abbildung: Simone Mucha (Institut für Neuroradiologie, Universitätsklinikum Leipzig)
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Computer­tomografie (CT) des Kopf-Hals-Bereichs in sagittaler Rekonstruktion drei Tage nach dem Akutereignis (Weichteil­fenster). Abbildung: Simone Mucha (Institut für Neuro­radiologie, Universitäts­klinikum Leipzig)

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