ArchivDeutsches Ärzteblatt33-34/2021Ophthalmologie: Risikofaktoren einer Netzhautablösung nach Kataraktoperation

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Ophthalmologie: Risikofaktoren einer Netzhautablösung nach Kataraktoperation

Gerste, Ronald D.

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Foto: picture alliance/ Hans-Jürgen Wiedl
Foto: picture alliance/ Hans-Jürgen Wiedl

Die operative Entfernung der meist altersbedingt getrübten Linse (Katarakt) gilt als der häufigste operative Eingriff überhaupt und wird in Deutschland rund 900 000 Mal im Jahr durchgeführt. An die Stelle der natürlichen Linse wird eine künstliche gesetzt, eine Intraokularlinse (IOL) – das Auge wird gemäß der augenärztlichen Fachsprache pseudophak. Eine der gefürchtetsten, wenn auch seltenen Komplikationen nach Kataraktchirurgie ist eine pseudophake Netzhautablösung (Amotio retinae).

Eine österreichische Autorengruppe hatte es sich zum Ziel gesetzt, die Häufigkeit von pseudophaken Netzhautablösungen und pseudophaken Netzhautrissen (die in eine Amotio übergehen können) zu untersuchen und Risikofaktoren für diese den Visus und damit das Operationsergebnis bedrohenden Ereignisse zu identifizieren.

Dazu werteten sie die Daten von Patienten aus, die an der Universitätsaugenklinik Graz von Juli 1996 bis Juli 2017 wegen einer Katarakt operiert worden waren. Von 65 662 kataraktoperierten und mit einer IOL versorgten Augen (45 043 Patienten mit einem Durchschnittsalter von 73,8 Jahren) entwickelten 393 Augen eine pseudophake Netzhautablösung (0,6 %) und 66 Augen einen pseudophaken Netzhautriss – dies im Schnitt 1,8 Jahre nach dem Eingriff.

Der wichtigste Risikofaktor war ein Einriss der Hinterkapsel der Linse während der Operation selbst (Hazard Ratio [HR] 5,94; 95-%-Konfidenzintervall [95-%-KI] 4,21–8,38) führte. Ebenfalls deutlich höher von einer Netzhautablösung bedroht waren das männliche Geschlecht mit einer HR von 2,40 (KI 1,93–2,99) und das Vorliegen einer hohen Kurzsichtigkeit (HR 1,87; KI 1,30–2,68). Eher ungewöhnlich in der Ophthalmologie oder in der Medizin überhaupt: ältere Patienten – 75 Jahre und älter gegenüber unter 65-jährigen – waren weniger gefährdet (HR 0,18; 0,14–0,24), ebenso wie Diabetiker (HR 0,41; 0,21–0,79).

Fazit: „Die Erfahrung des Operateurs spielt eine entscheidende Rolle zur Vermeidung der Kapselruptur und sollte bei der Operationsplanung angesichts individuell vorliegender Risikofaktoren berücksichtigt werden“, erklärt PD Dr. med. Christopher Wirbelauer, Direktor der Augenklinik Berlin-Marzahn und Präsident der Deutschsprachigen Gesellschaft für Intraokularlinsen-Implantation, interventionelle und refraktive Chirurgie (DGII).

Dr. med. Ronald D. Gerste

Gabriel M, Großpötzl M, Wallisch F et al.: In-depth analysis of risk factors for pseudophakic retinal detachments and retinal breaks. Acta Ophthalmol 13. Juli (online), doi: 10.1111/aos.14974.

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