ArchivDeutsches Ärzteblatt33-34/2021Geburtshilfe: Levator ani Avulsion – je schwieriger die Geburt, desto höher das Risiko

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Geburtshilfe: Levator ani Avulsion – je schwieriger die Geburt, desto höher das Risiko

Lenzen-Schulte, Martina

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Foto: mauritius images/ Sebastian Kaulitzki Alamy
Foto: mauritius images/ Sebastian Kaulitzki Alamy

Abrisse des wichtigsten Beckenbodenmuskels der Frau, des Levator ani, müssen umso eher gefürchtet werden, je komplizierter eine vaginale Entbindung verläuft. Während bei einer normalen Vaginalgeburt der Muskel bei 15 % der Schwangeren abreißt, beträgt die Rate 21 % bei Saugglocken- und sogar 52 % bei Zangengeburten. Eine Sectio wirkt hingegen protektiv: Hier hat lediglich 1 % der Gebärenden einen solchen Abriss zu fürchten. Das ist das Ergebnis einer ersten umfassenden Übersichtsarbeit zu dieser Frage, die jetzt im „BJOG“, einem der führenden internationalen Journale für Geburtshilfe erschienen ist.

Ein Levator-ani-Trauma bei der Geburt spielt eine Hauptrolle bei der Entstehung von Organsenkungen, geht mit einer Vervielfachung des Prolapsrisikos einer Frau einher und erhöht zudem die Rezidivgefahr nach einer Senkungsoperation.

In der Mehrzahl der Fälle reißt der Muskel einseitig und rechts an der Hinterseite der Schambeine neben der Symphyse ab, was als Avulsion bezeichnet wird. Hier setzen die beiden Puborectalisschenkel des Levatormuskels an, die um das Rektum herumlaufen.

Ein Abriss kann teilweise oder komplett erfolgen, die Diagnose ist einige Wochen nach der Geburt mittels Sonografie zu stellen. Geübte Diagnostiker können einen Abriss aber auch ertasten. Da es bislang keine verlässlichen Operationen gibt, mit deren Hilfe man den Muskel wieder ans Schambein annähen könnte, ist aufgrund der Verletzung der hängemattenartigen Aufhängung die Stabilität des Beckenbodens empfindlich gestört.

Fazit: Erstmals liegen quantifiziert Daten zur Levator Avulsion von 5 594 Frauen aus 37 Studien und 17 Ländern zur Beratung von Schwangeren über ihre Geburtsrisiken vor. Ultraschall oder Magnetresonanztomografie erwiesen sich dabei als gleichwertige Diagnoseverfahren.

Vor allem die Tatsache, dass jede 5.–2. Schwangere bei einer instrumentellen Geburt mit einer Avulsion rechnen muss, könnte künftig in die Aufklärung einfließen. Ebenso spielt die Tatsache eine Rolle, dass das Risiko der Levator Avulsion insgesamt bei vaginalen Geburten mit einer Odds Ratio von 10,69 10–11-mal so hoch ist wie nach einem Kaiserschnitt. Dr. med. Martina Lenzen-Schulte

Rusavy Z, Paymova L, Kozerovsky M, et al.: Levator ani avulsion: a Systematic evidence review (LASER). BJOG 10. Juli 2021. doi: 10.1111/1471–0528.16837.

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