ArchivDeutsches Ärzteblatt33-34/2021Impfverweigerer: Fatale Entscheidung
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Mit Erschrecken habe ich den Medien entnommen, dass sich der Deutsche Ethikrat gegen eine komplette Impfpflicht – im Gegensatz zu Frankreich – ausgesprochen hat. Kinder können nicht geimpft werden und sind deshalb schutzlos. Kinderbetreuer (Lehrer, Kitaerzieher*innen) haben sich für den Beruf als Schutzbefohlene für Kinder entschieden.

Wer den Schutz der ihnen Anvertrauten durch eigene Impfverweigerung aufkündigt, kann diese Aufgabe nicht mehr wahrnehmen. Krankenschwestern, Pfleger und Ärzte betreuen besonders gefährdete Risikogruppen, eine auf diese übertragene COVID-Erkrankung kann zu Tod und neurologischem Dauersiechtum führen. Die Ausrede, es gäbe ja auch andere Schutzmaßnahmen, ist schon längst ad absurdum geführt. Jährlich bis zu 20 000 Tote durch Krankenhauskeime und Hunderte Coronakranke und Tote unter Pflegepersonal und Ärzten trotz aller Sicherheitsmaßnahmen sind der Beweis.

Wer das Elend von Kindern und Eltern auf Intensiv- und kinderonkologischen Stationen erlebt hat, ist fassungslos zu erfahren, dass eine ausgebildete, onkologische Kinderkrankenschwester ihre Impfung ablehnt – kein Einzelfall.

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Die Veröffentlichungen in den Medien durch die Vorsitzende des Ethikrates, dass es für niemanden, damit auch auch für keine Berufsgruppen, eine Impfpflicht gibt, wurde von der Bundesregierung und der Gewerkschaft Verdi sofort aufgegriffen. Jetzt können Krankenhausangestellte, die Impfverweigerer sind und die Immunsupprimierte auf Krebsstationen, Kinderintensivstationen etc. betreuen, sich auf den Ethikrat und die Regierung berufen. Keine Krankenhausverwaltung wird sich unter diesen Bedingungen trauen, einem Impfverweigerer zu kündigen oder auch nur zu versetzen, selbst wenn er auf Abteilungen mit besonders gefährdeten Kranken arbeitet. Die Aussage der Ethikratvorsitzenden, es gäbe in diesen Berufsgruppen doch viele Geimpfte, ist eine Vermutung, da es, soweit ich weiß, keine validen Erhebungsdaten gibt. Die Folgen dieser Fehlentscheidung werden zu vermeidbarem Leid, Erkrankungen und wahrscheinlich sogar Toten führen. Die Botschaft des Ethikrates, auch wenn dies nicht beabsichtigt ist, wird in der Bevölkerung so verstanden, dass Impfverweigerung als Selbstverwirklichung ein höheres Rechtsgut ist als die Fürsorge für Schutzbefohlene, Kranke, Hilflose und deren Leben und Gesundheit.

Dr. med. W. Stück, 56072 Koblenz

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