ArchivDeutsches Ärzteblatt33-34/2021Modernisierte Ausbildungen
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Foto: ipopba/stock.adobe.com
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Noch ist sie zwar nicht beschlossen – doch der Referentenentwurf des Bundesgesundheitsministeriums für eine neue Ärztliche Approbationsordnung (ÄApprO) liegt vor. Fast drei Jahre nach Verabschiedung des Masterplans Medizinstudium 2020 hat das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) Ende 2019 seine Vorstellungen für eine zeitgemäße ärztliche Ausbildung präsentiert. Mit ihr soll unter anderem die wissenschaftliche und digitale Kompetenz der Medizinstudierenden, das Öffentliche Gesundheitswesen sowie die Allgemeinmedizin gestärkt werden. Mit der neuen ÄApprO, die 2025 in Kraft treten soll, soll sich auch die Struktur des Praktischen Jahres ändern. Statt Tertiale soll es künftig Quartale geben, wobei mindestens eines im ambulanten vertragsärztlichen Bereich absolviert werden muss. Im Staatsexamen soll die Allgemeinmedizin obligatorisches Prüfungsfach sein.

Die neue Approbationsordnung für Zahnärzte (ZApprO) ist dagegen bereits zum 1. Oktober 2020 in Kraft getreten. Die rechtlichen Grundlagen dafür legte der Gesetzgeber im Mai 2020 mit dem Zweiten Gesetz zum Schutz der Bevölkerung bei einer epidemischen Lage von nationaler Tragweite. Damit ist die zahnärztliche Ausbildung, die seit 1955 fast unverändert galt, nun modernisiert.

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In Kraft getreten, und zwar zum 1. September 2020, ist auch das Psychotherapeutenausbildungsreformgesetz. Es ermöglicht Studierenden der Psychologie, einen Masterstudiengang Psychotherapie zu absolvieren und die Approbation bereits nach dem Studium zu beantragen. Dann können sie eine Weiterbildung absolvieren, in der sie sich für Psychotherapieverfahren und die Versorgung von Kindern und Jugendlichen oder Erwachsenen spezialisieren.

Am 1. Januar 2020 sind zudem die neuen Pflegeausbildungen zur „Pflegefachfrau“ oder zum „Pflegefachmann“ gestartet. Die „Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für die Pflegeberufe“ ermöglicht es, nach einer gemeinsamen Ausbildung von Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflegern in allen Versorgungsbereichen zu arbeiten. Die Auszubildenden können aber auch nach zwei Dritteln der Ausbildung einen gesonderten Abschluss wählen. Außerdem ist eine Ausbildung an einer Hochschule mit Bachelorniveau möglich.

Modernisiert wurde auch die Ausbildung von Hebammen und Entbindungshelfern. Sie werden künftig in einem dualen Studium von sechs bis acht Semestern auf ihren Beruf vorbereitet, das die wissenschaftliche Theorie mit der Praxis verknüpft. So sieht es das Gesetz zur Reform der Hebammenausbildung vor, das der Bundestag 2019 beschloss. Voraussetzung für das duale Studium sind zwölf Jahre Schulausbildung oder aber eine abgeschlossene Ausbildung in einem Pflegeberuf. Ab 2022 wird die Ausbildung nur noch an einer Hochschule möglich sein. Die Akademisierung der Hebammenausbildung entspricht europäischen Standards und setzt die Berufsanerkennungsrichtlinie der EU um.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat zudem weitere Ausbildungsreformen für Gesundheitsberufe auf den Weg gebracht: Das „Gesetz zur Weiterentwicklung des Berufsbildes der Ausbildung der pharmazeutisch-technischen Assistentinnen und Assistenten (PTA)“ und das „Gesetz über die Ausbildung zur Anästhesietechnischen Assistentin und zum Anästhesietechnischen Assistenten (ATA) und über die Ausbildung zur Operationstechnischen Assistentin und zum Operationstechnischen Assistenten (OTA)“ wurden 2019 beschlossen. Anfang 2021 folgte das „Gesetz zur Reform der technischen Assistenzberufe in der Medizin und zur Änderung weiterer Gesetze“ (MTA-Reformgesetz).

Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann

Hintergrund: http://daebl.de/HH19

Fazit

Selten wurde in einer Legislaturperiode der Grundstein für so viele Änderungen der Berufs- und Ausbildungsstrukturen im Gesundheitswesen gelegt:

  • Der Entwurf für eine neue Ärztliche Approbationsordnung (ÄApprO) liegt vor.
  • Eine neue Approbationsordnung für Zahnärzte (ZApprO) sowie das Psychotherapeutenausbildungsreformgesetz sind in Kraft.
  • Das Pflegeberufegesetz und das Gesetz zur Reform der Hebammenausbildung legen den Grundstein für eine Modernisierung und Akademisierung dieser Berufe.
  • Ausbildungsreformen für weitere Gesundheitsberufe (PTA, ATA, OTA, MTA) wurden auf den Weg gebracht.

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