ArchivDeutsches Ärzteblatt35-36/2021Intrathorakale Frakturdislokation bei proximaler Humerusfraktur
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Nach einem Treppensturz wurde eine 58-jährige Patientin bei nicht rekonstruierbarer, proximaler Humerusfraktur zur endoprothetischen Versorgung der Schulter in unsere Klinik verlegt. Darüber hinaus zeigte sich ein Thoraxtrauma mit ipsilateraler Rippenserienfraktur und Hämatopneumothorax mit einliegender Thoraxdrainage. Intraoperativ war der Humeruskopf nach deltoideopectoralem Zugang zur rechten Schulter nicht darstellbar. Es wurde zunächst die komplikationslose Implantation einer inversen Schulter-Totalendoprothese durchgeführt. In der weiterführenden computertomografischen (CT-)Diagnostik bestätigte sich der Verdacht auf eine intrathorakale Dislokation des Humeruskopfes (Abbildung). Durch die Kollegen der Thoraxchirurgie wurde schließlich mittels videoassistierter thorakoskopischer Chirurgie das nach intrathorakal dislozierte Kopffragment problemlos geborgen. Proximale Humerusfrakturen mit Dislokation des Kopffragments nach intrathorakal sind sehr selten. In der präoperativen Standard-Röntgendiagnostik ist diese oft nicht sicher zu erkennen, sodass dieser Fall zeigt, wie wichtig die präoperative CT-Diagnostik ist. Auch wenn in der Literatur Einzelfälle beschrieben sind, bei denen das Kopffragment mit gutem Ergebnis intrathorakal belassen wurde, empfehlen die meisten Autoren den dislozierten Humeruskopf frühzeitig zu bergen.

PD Dr. med. Paola Kappel, Dr. med. Sebastian Imach, Prof. Dr. med. Arasch Wafaisade, Orthopädie, Unfallchirurgie und Sporttraumatologie, Krankenhaus Köln-Merheim, Universität Witten/Herdecke, Köln; kappelp@kliniken-koeln.de

Interessenkonflikt: Prof. Wafaisade erhielt Vortragshonorare von den Firmen Stryker und Smith & Nephew. Reisekosten wurden ihm erstattet von den Firmen Stryker, Smith & Nephew, DePuy Synthes und Arthrex. Die übrigen Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Zitierweise: Kappel P, Imach S, Wafaisade A: Intrathoracic fracture dislocation in a patient with proximal humerus fracture.
Dtsch Arztebl Int 2021; 118: 578. DOI: 10.3238/arztebl.m2021.0065

►Vergrößerte Abbildung und englische Übersetzung unter: www.aerzteblatt.de

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