ArchivDeutsches Ärzteblatt35-36/2021KBV-Versichertenbefragung: Erneut hohe Zufriedenheitswerte

POLITIK

KBV-Versichertenbefragung: Erneut hohe Zufriedenheitswerte

Haserück, André

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte in Deutschland bekommen auch während der Coronapandemie Bestnoten – das zeigen die Ergebnisse der aktuellen Versichertenbefragung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung.

Foto: designer491/iStock
Foto: designer491/iStock

Laut der diesjährigen, Ende August vorgestellten Versichertenbefragung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) bezeichnen 90 Prozent der Bürgerinnen und Bürger ihr Vertrauensverhältnis zu ihrer Ärztin oder zu ihrem Arzt als „gut“ (40 Prozent) oder sogar „sehr gut“ (50 Prozent). Bezogen auf die jeweils zuletzt aufgesuchte Ärztin beziehungsweise Arzt bescheinigten zudem 91 Prozent aller Befragten eine „sehr gute“ (49 Prozent) oder „gute“ (42 Prozent) Fachkompetenz.

Anzeige

Die Ergebnisse würden eindrucksvoll zeigen, wie leistungsfähig die ambulante Versorgung in den Praxen der Hausärzte, Fachärzte und Psychotherapeuten und ihrer Teams sei, stellte Dr. med. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der KBV, fest.

Coronapandemie mit spürbaren Auswirkungen

Die Arztpraxen hätten sich schnell und flexibel auf die coronabedingten Sondersituationen eingestellt. In der Coronakrise hätten sich die Patientinnen und Patienten in besonderer Weise auf ihre Ärztinnen und Ärzte verlassen müssen, so Dr. med. Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV. „Diese Zahlen belegen ganz klar, dass sie das auch konnten.“ Arztbesuche gehörten auch während der Coronapandemie zum Alltag: 80 Prozent aller deutschsprachigen Erwachsenen waren in den letzten zwölf Monaten bei einem Arzt in der Praxis, um sich behandeln oder beraten zu lassen.

Dies sind allerdings sieben Prozentpunkte weniger als unmittelbar vor der Coronakrise im Jahr 2019. Zudem nahm die Anzahl der Praxisbesuche ohne Arztkontakt während der Coronakrise leicht zu. Verschiebungen gab es laut Befragung auch bei den Gründen für einen Arztbesuch: Während sich der Anteil der Konsultationen mit aktuellem Anlass rückläufig entwickelte, waren mehr Versicherte aus präventivem Anlass beim Arzt. Spürbar verändert haben sich unter den Coronabedingungen auch die Wartezeiten für Arzttermine sowie die Wartezeiten in Arztpraxen. So waren kurzfristige Termine laut der Befragung etwas weniger häufig zu bekommen. Wartezeiten von mehr als einer Woche sind allerdings nicht häufiger geworden. Zudem sind weniger Versicherte ohne vorherige Terminvereinbarung zum Arzt gegangen als in der Vergangenheit. Dies dürfte sich mit coronabedingt veränderten Patientenmentalitäten sowie angepassten Zugangsregeln zu Arztpraxen erklären lassen. Nur marginale Veränderungen zur Vor-Corona-Zeit sind bei der Anzahl der Arztbesuche festzustellen. Von denjenigen mit mindestens einem Praxisbesuch waren, wie in den vergangenen Jahren, knapp ein Drittel ein- bis zweimal, gut die Hälfte drei- bis zehnmal und etwa jeder Sechste noch häufiger bei einer Ärztin oder einem Arzt.

Bekanntheitsgrad der 116 117 steigt weiter

Der Bekanntheitsgrad der Telefonnummer für den ärztlichen Bereitschaftsdienst 116 117 bewegt sich auf konstant hohem Niveau: Nach bereits starken Zuwachsraten in den vergangenen Jahren meinen nach 45 Prozent im Vorjahr jetzt 48 Prozent aller Befragten, diese Bereitschaftsdienstnummer zu kennen.

Unter denjenigen Befragten, die zuvor sagten „Ja, ich kenne die Nummer“, antworten auf Nachfrage 67 Prozent korrekt mit „116 117“. Dies entspricht einem aktiven Bekanntheitsgrad von 32 Prozent unter allen Versicherten – 2019 lag dieser Wert noch bei 19 Prozent. Unter denen, welche die Telefonnummer für den ärztlichen Bereitschaftsdienst kennen, haben mit steigender Tendenz 29 Prozent diesen Service in den letzten zwölf Monaten auch genutzt. Einen wichtigen Aspekt der Versichertenbefragung stellten auch die bevorstehenden Herausforderungen für die Gesundheit und das Gesundheitssystem dar.

Die Ängste vor Personalmangel in den Pflegeberufen (16 Prozent) sowie vor Pandemien und Infektionskrankheiten (13 Prozent) haben die Sorge vor einem Ärztemangel auf den dritten Platz gerückt (neun Prozent).

Personalmangel bei Ärzten und Pflege macht Sorgen

„Das zeigt sehr deutlich, wie aktuelle Debatten und Berichterstattungen die Wahrnehmung beeinflussen. Vor einem Jahr war die größte Sorge noch der Ärztemangel. Aber egal ob in den akademischen oder den Ausbildungsberufen – Arbeitskräftemangel im Gesundheitswesen lässt sich nicht durch kurzfristige Aktionen beheben. Er erfordert langfristige politische Lösungen“, betonte Hofmeister.

Für die KBV-Versichertenbefragung hat die Forschungsgruppe Wahlen Telefonfeld GmbH vom 29. März bis 26. April 2021 in Deutschland insgesamt 6 193 zufällig ausgewählte Bürger telefonisch befragt. Damit erfolgte die Befragung während einer Hochphase der Coronapandemie, wie die KBV betont. Entsprechend seien die Ergebnisse dieser Befragung immer auch vor dem Hintergrund dieses für Gesellschaft, Politik, Gesundheitswesen und Medien beherrschenden Themas zu interpretieren.

Im Zusammenhang mit der Coronapandemie thematisierte KBV-Vize Hofmeister auch die Umsetzung möglicher Auffrischimpfungen. Diese seien von den Arztpraxen leistbar, man erwarte aber eine „bessere Eingrenzung“ der Zielgruppen – etwa von der Ständigen Impfkommission (STIKO). Dies würde den Arztpraxen laut Hofmeister eine entsprechend angepasste Vorbereitung ermöglichen und könne zudem dazu beitragen, Diskussionen mit Patientinnen beziehungsweise Patienten um den individuellen Anspruch einzudämmen.

Deutlich zugenommen haben im Vergleich zur Vor-Corona-Zeit die Videosprechstunden. Die Hälfte der im Rahmen der KBV-Erhebung Befragten nutzt sie bereits oder würde sie nutzen. Vor zwei Jahren waren es nur 37 Prozent. „Es sind aber vor allem die jüngeren Menschen in den Großstädten, die der Videosprechstunde aufgeschlossen gegenüberstehen.

Für die Sicherstellung der Versorgung der älteren Bevölkerung in den ländlichen Gebieten ist sie daher nicht die richtige Option“, schränkte KBV-Vorstandsmitglied Dr. rer. oec. Thomas Kriedel ein. Die Versichertenbefragung offenbart Unterschiede beim Nutzungspotenzial: Während die meisten jüngeren Menschen diese Option nutzen würden, sinkt die Bereitschaft mit zunehmendem Alter erheblich. In kleinen Orten und Gemeinden würden trotz mancher Versorgungsdefizite bei Gesundheitseinrichtungen deutlich weniger Befragte Videosprechstunden nutzen als in Großstädten – wo allerdings auch tendenziell mehr jüngere Menschen leben (Grafik).

Videosprechstunde über Internet mit dem Arzt
Grafik
Videosprechstunde über Internet mit dem Arzt

Eher verhalten wird laut den Daten der Befragung die elektronische Patientenakte (ePA) aufgenommen. Nachdem vor zwei Jahren annähernd zwei Drittel der Befragten die Erweiterung der Versichertenkarte um die Funktion einer ePA gut geheißen hatten, bewerteten jetzt 59 Prozent aller gesetzlich Versicherten die elektronische Patientenakte grundsätzlich positiv. Immerhin 33 Prozent gaben an, die Einführung – diese lief im Befragungszeitraum schon schrittweise – kritisch zu sehen. Besonders stark distanziert äußerten sich ältere Befragte, wobei auch hier noch eine Mehrheit die Einführung der ePA begrüßt. Grundsätzlich scheinen die Erwartungen der Versicherten an die digitalen Akten groß zu sein: Eine Mehrheit von 57 Prozent geht davon aus, dass die Behandlung von medizinischen Problemen verbessert wird. Besonders hoch ist die Zuversicht unter Befragten mit formal hohem Bildungsniveau sowie unter jüngeren Befragten. Insgesamt ein Drittel sah jedoch keine Mehrwerte. KBV-Vorstand Kriedel gab zu bedenken, dass bislang noch „wenig praktische Erfahrungen“ durch die Patientinnen und Patienten gesammelt werden konnten. Insofern sei der Nutzen einer ePA oft noch nicht klar einschätzbar. André Haserück

Videosprechstunde über Internet mit dem Arzt
Grafik
Videosprechstunde über Internet mit dem Arzt

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Themen:

Fachgebiet

Zum Artikel

Der klinische Schnappschuss

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote