ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2021Geschlechtsangleichung: Transgender- haben im Vergleich zu Cisgenderpersonen doppelt so hohe Mortalität

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Geschlechtsangleichung: Transgender- haben im Vergleich zu Cisgenderpersonen doppelt so hohe Mortalität

Lenzen-Schulte, Martina

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Foto: Naeblys/ stock.adobe.com
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Das Sterblichkeitsrisiko von Personen, die wegen Genderdysphorie unter einer Hormonbehandlung zur Geschlechtsangleichung stehen, ist doppelt so hoch wie das von Cisgenderpersonen. Das ist ein seit 5 Jahrzehnten fast unverändert bestehender Nachteil, wie eine retrospektive Analyse der Arbeitsgruppe um Martin den Heijer von verschiedenen Abteilungen der Universität Amsterdam nun zeigt.

Die Studie umfasst 2 927 Transgenderfrauen und 1 641 Transgendermänner, die an der Gender Identity Clinic in Amsterdam von 1972 bis 2018 eine Hormontherapie erhielten. Die begann im Durchschnitt mit 30 Jahren bei den Transgenderfrauen (Östrogene kombiniert mit Anti-Testosteron), mit 23 bei den Transgendermännern (Testosteron). Inwieweit sich dies immer noch auf die Mortalität auswirkt, war die Frage dieser Studie.

Das Mortalitätsrisiko von Transgenderfrauen war fast doppelt so hoch wie das von Cismännern der holländischen Bevölkerung (standardisierte Sterberate 1,8; 95-%-Konfidenzintervall 1,6–2,0) und fast 3-fach höher als bei den Cisfrauen (2,8; 2,5–3,1). Das Mortalitätsrisiko der Transgendermänner war zwar höher als bei Cisfrauen in der Bevölkerung (1,8; 1,3–2,4), allerdings ähnlich dem der Cismänner (1,2; 0,9–1,6).

Im Vergleich zu Letzteren starben Transgenderfrauen 1,4-fach häufiger an kardiovaskulären und fast 15-fach häufiger an HIV-assoziierten Erkrankungen. Das Suizidrisiko war rund 3-fach höher als das der Cismänner. Im Vergleich zu Cisfrauen war das Sterberisiko von Transgenderfrauen 3-fach höher für Herzinfarkt und Lungenkrebs, 50 Mal höher für HIV-assoziierte Erkrankungen und 7-fach höher für Suizid.

Fazit: Zwar seien die meisten Todesfälle nicht hormonbedingt gewesen, betont den Heijer. Aber diese Risiken müssten weiter erforscht werden. Vermehrte Akzeptanz und Therapien gegen HIV, Rauchen und kardiovaskulärer Risiken könnte die erhöhte Mortalität in dieser Kohorte weiter senken, so der Studienleiter.

Christel de Blok, die Erstautorin, ergänzt die Beobachtung, dass die meisten Suizide und HIV-assoziierten Tode in der Frühphase der Studie beobachtet wurden. Höhere soziale Akzeptanz und bessere HIV-Therapien ließen daher bereits Auswirkungen auf die Sterberisiken in der Transgendergruppe erkennen.

Dr. med. Martina Lenzen-Schulte

de Blok CJ, Wiepjes CM, van Velzen DM, et al.: Mortality trends over five decades in adult transgender people recieving hormone treatment: a report from the Amsterdam cohort of gender dysphoria. Lancet Diabetes Endocrinol 2. September 2021: S2213–8587 (21) 00185–6. doi: 10.1016/S2213–8587(21)00185–6.

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