ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2021Prostatakarzinom: Großteil der Patienten mit Fernmetastasen sterben an ihrer Krebserkrankung

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Prostatakarzinom: Großteil der Patienten mit Fernmetastasen sterben an ihrer Krebserkrankung

Meyer, Rüdiger

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Foto: SciePro/ stock.adobe.com
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Das Prostatakarzinom ist im Frühstadium mit langen Überlebenszeiten assoziiert. Eine Analyse ergab, dass die 10-Jahres-Überlebensrate im Frühstadium praktisch bei 100 % liegt. Auch bei einer Ausbreitung in die regionären Lymphknoten überleben mehr als 90 % der Patienten ≥ 10 Jahre. Die Bildung von Fernmetastasen ist allerdings ein Wendepunkt: Die 5-Jahres-Überlebensrate sinkt dann auf etwa 30 %, nach 10 Jahren lebt nur noch etwa jeder 5. Patient (1).

Und in fast 80 % der Fälle ist letztlich das Prostatakarzinom die Todesursache, wie eine Analyse des US-Krebsregisters SEER zeigt: Insgesamt 9 869 von 16 732 Patienten, also mehr als die Hälfte, starben innerhalb von 2 Jahren nach der Diagnose des metastasierten Prostatakarzinoms (2). Die Todesursache war bei 13 011 Patienten (77,8 %) der Prostatakrebs. Weitere 924 Patienten (5,5 %) starben an anderen Tumoren.

Ungewöhnlich häufig waren Herz-Kreislauf- und zerebrovaskuläre Erkrankungen sowie COPD. Für diese 3 Gruppen lag die Mortalität höher als bei gleichaltrigen Amerikanern ohne Prostatakarzinom. Die standardisierte Mortalitätsrate (SMR) betrug 1,34 für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, 1,31 für zerebrovaskuläre Erkrankungen und 1,19 für COPD. Eine mögliche Erklärung sind die Nebenwirkungen der Hormontherapie.

Auffallend war zudem die mit 2,97 hohe SMR für Suizide. Patienten mit fortgeschrittenem Prostatakarzinom nahmen sich fast 3-mal so häufig das Leben wie andere Männer im gleichen Alter. Die Zahl der Suizide war mit 54 zwar gering, sie zeigt aber, dass die Behandlung im fortgeschrittenen Stadium den palliativen Bedürfnissen der Patienten nicht immer gerecht wird.

Fazit: Die weit verbreitete Ansicht, dass die meisten Patienten mit Prostatakarzinom nicht an ihrer Krebserkrankung sterben, mag für das Frühstadium der Erkrankung zutreffen. Wenn der Krebs aber in andere Organe gestreut hat, sind die Überlebenszeiten auch für jüngere Patienten in der Regel kurz. Rüdiger Meyer

  1. Siegel DA, et al. MMWR 2020; 69 (41); 1473–80.
  2. Elmehrath AO, et al. JAMA Netw Open 2021 Aug 5; doi: 10.1001/jamanetworkopen.2021.19568.

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