ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2021Welttag der Patientensicherheit: Sicherheit der Geburt verbessern

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Welttag der Patientensicherheit: Sicherheit der Geburt verbessern

Osterloh, Falk

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Das Aktionsbündnis Patientensicherheit hat eine Aufwertung der Patientensicherheit in Deutschland gefordert. „Patientensicherheit müsse wesentliches Entscheidungskriterium in allen Organisationen und Einrichtungen des Gesundheitswesens sein.

Es besteht Handlungsbedarf für die Verbesserung der sicheren Versorgung während der Geburt. Foto: bevisphoto/stock.adobe.com
Es besteht Handlungsbedarf für die Verbesserung der sicheren Versorgung während der Geburt. Foto: bevisphoto/stock.adobe.com

Die Politik muss ein klares Signal setzen und das Primat der Patientensicherheit im kommenden Koalitionsvertrag niederlegen.“ Das forderte die Vorsitzende des Aktionsbündnisses Patientensicherheit (APS), Ruth Hecker, vergangene Woche anlässlich des dritten Welttags der Patientensicherheit am 17. September. Es müsse alles dafür getan werden, um vermeidbare unerwünschte Ereignisse zu verhindern. Der diesjährige Welttag der Patientensicherheit stand unter dem Motto „Safe and Respectful Childbirth“. Vor diesem Hintergrund erklärte Hecker, dass heute in Deutschland dank moderner Medizin, Hygiene und qualifizierten Fachkräften weniger als vier Mütter pro 100 000 Geburten sterben sowie 3,2 Kinder pro 1 000 Geburten. Dennoch bestehe Handlungsbedarf für die Verbesserung der sicheren Versorgung während der Geburt. Denn Schätzungen der Internationalen Gesellschaft für prä- und perinatale Psychologie und Medizin (ISPPM) zufolge verbinden 20 bis 50 Prozent der Gebärenden mit dem Erlebnis der Geburt ihres Kindes Belastungen, großen Stress oder entwickeln gar ein Geburtstrauma. „Medizinische Eingriffe ohne Erklärung oder die fehlende persönliche empathische Begleitung während der Geburt können Gründe dafür sein“, so Hecker.

Internationale Studien zeigten, dass auch in der Geburtshilfe mehr als zwei Drittel der sogenannten unerwünschten Ereignisse, die als vermeidbar eingestuft werden, auf Fehler in der Kommunikation zurückgeführt werden könnten.

Insbesondere bei chronisch erkrankten Müttern könne eine unsichere Kommunikation erhebliche Risiken mit sich bringen. Aber auch für gesunde Gebärende sei es wichtig, plötzliche körperliche Veränderungen während der Geburt schnell und klar mitzuteilen und gehört zu werden. Nur dann könne auf auftretende Komplikationen rechtzeitig reagiert werden.

Ausreichend Personal schafft Sicherheit

Für eine gute Kommunikation ist aber eine bedarfsgerechte Personalausstattung zwingend notwendig. Darauf wies Dr. med. (I) Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), hin. Das setze eine gezielte Nachwuchsförderung voraus. „Gerade in der Geburtshilfe zeigt sich exemplarisch, was Medizin grundsätzlich ausmacht: Jede Geburt ist ein besonderes, individuelles Erlebnis“, betonte Reinhardt. Das gelte für Mutter und Kind wie auch für das interprofessionelle Team, das Schwangerschaft und Geburt begleitet. „In der Medizin geht es darum, sensibel auf die jeweils spezifischen Anzeichen und Behandlungsverläufe zu reagieren und auf Patientinnen und Patienten individuell einzugehen – von der Geburt an bis ins hohe Alter. Das ist grundlegend für eine gute und sichere Versorgung“, so Reinhardt.

Reinhard Strametz, Generalsekretär des APS und Professor für Medizin für Ökonomen an der Hochschule RheinMain in Wiesbaden, wies auf die SEVer-Liste des Aktionsbündnisses Patientensicherheit hin. SEVer stehe dabei für „Schwerwiegende Ereignisse, die wir sicher verhindern wollen“. Diese seien mit „Never Events“ oder „Sentinel Events“ vergleichbar, also patientensicherheitsrelevante Ereignisse, die niemals auftreten sollten oder immer berichtet werden müssten. Mit dem deutschen Namen wolle das APS den Appell verbinden, dass alle Anstrengungen unternommen werden müssten, um derartige Ereignisse künftig zu verhindern. Auf der Liste ständen 22 Vorkommnisse, von der Verwechselung von Patienten, Eingriffen oder Seiten bis zum vergessenen Operationsbesteck im Operationsgebiet.

Es dürfe bei Fehlern aber nie darum gehen, einen vermeintlich „Schuldigen“ zu suchen, sondern systemische Patientensicherheitsprobleme zu erkennen und diese ursächlich zu bekämpfen. Falk Osterloh

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