ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2021Big Data: Datenmengen sinnvoll nutzen

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Big Data: Datenmengen sinnvoll nutzen

Haserück, Andre

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Für einen Ordnungsrahmen zur Nutzung digitaler Gesundheitsdaten plädiert die Bundesärztekammer. Dieser müsse positive Versorgungseffekte ermöglichen und zugleich eine ausschließlich ökonomisch motivierte Sammlung und Auswertung von Daten verhindern.

Big Data bietet viel Potenzial, welches aber verantwortungsvoll genutzt werden muss. Foto: INchendio/iStock
Big Data bietet viel Potenzial, welches aber verantwortungsvoll genutzt werden muss. Foto: INchendio/iStock

Die Digitalisierung des Gesundheitswesens bewirkt ein Zusammentreffen disruptiver Entwicklungen und etablierter Strukturen. Mittlerweile wird eine Flut von Daten produziert, die vielfältige Auswertungsmöglichkeiten zu unterschiedlichsten Zwecken bieten – zugleich stellen gerade Gesundheitsdaten in der digitalen Ökonomie eine wertvolle Ressource dar und wecken vielfältige Begehrlichkeiten.

Im Rahmen der Digitalisierungs- der Bundesärztekammer (BÄK) mit Entscheidungsträgern aus Politik, gesetzlicher und privater Krankenversicherung, ambulanter und stationärer Versorgung, Wissenschaft und Forschung, Verbraucherverbänden, Selbsthilfegruppen, Start-ups sowie der Beraterbranche wurden deshalb auch die Herausforderungen dieses Bereiches näher beleuchtet. Klar ist: Die potenziellen Nutzungsszenarien im Gesundheitswesen sind breit angelegt und reichen von der Akutversorgung über alle Szenarien der Regelversorgung hin zur personalisierten Medizin oder auch zur Nutzung dieser Daten für Forschungszwecke oder Anwendungen auf dem Felde der Künstlichen Intelligenz (KI).

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Allerdings bestehen bei der Zusammenführung großer Datenmengen auch Herausforderungen. So kann der Wunsch nach einer breiteren Datenbasis und großen Datenbeständen, die nicht nur an einzelne Forschungsprojekte oder -zwecke gebunden sind, mit den Recht des individuell Beteiligten kollidieren, seine Anonymität zu wahren. Analysen auf der Basis von Big Data können im besten Falle das Auffinden ganz neuer Korrelationen ermöglichen und die Medizin bei der Forschung unterstützen – im ungünstigen Fall könnten sich aber in den Daten oder KI-Auswertungsverfahren angelegte Verzerrungen beziehungsweise Diskriminierungen mit negativen Auswirkungen auf die Gesundheitsversorgung manifestieren. Die umfassende Verknüpfung von Daten bietet zudem das Potenzial, herkömmliche Steuerungsmechanismen abzulösen. Der Chance, die Patientensteuerung unter qualitativen Gesichtspunkten effizienter vorzunehmen, steht jedoch das Risiko gegenüber, primär ökonomische Motive zur Grundlage einer Steuerung werden zu lassen.

Anforderungen aus Sicht der Bundesärztekammer

Die BÄK plädiert deshalb für einen Ordnungsrahmen zur Verwendung großer medizinischer Datenmengen. Ein solcher Rahmen müsse eine rein ökonomisch motivierte Sammlung und Auswertung von Daten verhindern – die Nutzung zur qualitativen Verbesserung der Gesundheitsversorgung jedoch ermöglichen beziehungsweise fördern. Für KI-basiertes Lernen brauche es eine qualitativ hochwertige Datenbasis. Die Ergebnisse von Algorithmen müssten transparent, reproduzierbar und nachvollziehbar gemacht werden.

Ebenfalls zwingend transparent und vor allem sicher müssten Anonymisierungs-, Pseudonymisierungs- und Einwilligungsverfahren bei der freiwilligen Zurverfügungstellung von Daten durch Patienten ausgestaltet werden. Die BÄK verweist auf einen weiteren Aspekt: Eine Monopolisierung von Datenzugängen könnte in die Entwicklung leitungsseitig beherrschender Anbieterstrukturen münden – dies gelte es zu verhindern. Andre Haserück

Mitgestalten

Das Deutsche Ärzteblatt (DÄ) wird in den kommenden Ausgaben weitere Thesen zur Digitalisierung aufgreifen und zur Diskussion stellen. Zudem bietet das DÄ zusammen mit der Bundesärztekammer eine Veranstaltung an: Am 20. Oktober stellen sich die beiden Vorsitzenden des Ausschusses „Digitalisierung der Gesundheitsversorgung“ der Bundesärztekammer, PD Dr. med. Peter Bobbert und Erich Bodendieck, den Fragen von Ärztinnen und Ärzten in einer digitalen Veranstaltung. Bis dahin freut sich die Redaktion auf Fragen, Anregungen und Erfahrungen zum Thema Digitalisierung im Gesundheitswesen.

Schreiben Sie uns an:
digitalisierung@aerzteblatt.de

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