ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2021Risiko für Typ-2-Diabetes: Erhöhte Prävalenz bei langfristiger Einnahme von Protonenpumpenhemmern

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Risiko für Typ-2-Diabetes: Erhöhte Prävalenz bei langfristiger Einnahme von Protonenpumpenhemmern

Gerste, Ronald D.

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Foto: larsneumann/stock.adobe.com
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Protonenpumpen-Inhibitoren (PPI) gehören zu den 10 weltweit am häufigsten angewendeten Medikamenten und werden vor allem zur Behandlung der gastro-ösophagealen Refluxkrankheit und von Magen- sowie Zwölffingerdarmgeschwüren eingenommen. Bei Langzeitbehandlung werden verschiedene potenzielle Komplikationen wie chronische Nierenerkrankungen, Knochenbrüche und Darmentzündungen diskutiert.

Da Protonenpumpenhemmer die Darmflora beeinflussen können, was wiederum als eine mögliche Ursache für metabolische Erkrankungen gilt, scheint ein Zusammenhang mit der Entstehung eines Diabetes mellitus unter einer PPI-Therapie nicht abwegig.

Dieser Fragestellung ist eine chinesisch-amerikanische Autorengruppe nachgegangen, welche drei große epidemiologische Studien – die Nurses Health Study (NHS), NHS II und die Health Professionals Follow-up Study (HPFS) – mit insgesamt 204 689 bei Studienbeginn nichtdiabetischen Teilnehmern daraufhin analysiert hat, ob die regelmäßige Einnahme von PPI das Risiko, an Diabetes mellitus Typ 2 zu erkranken, erhöht. Im Studienkollektiv befanden sich bei Baseline 13 528 PPI-Anwender, die insgesamt körperlich weniger aktiv waren und häufiger Bluthochdruck sowie Hypercholesterinämie hatten als die übrigen Teilnehmer.

Während des Follow-ups über mehr als 2 Millionen Personenjahre wurden 10 105 neue Diabetes-mellitus-Diagnosen gestellt. Das absolute Risiko, an Diabetes mellitus zu erkranken, betrug für PPI einnehmende Patienten 7,44 auf 1 000 Personenjahre im Vergleich zu 4,32 auf 1 000 Personenjahre bei Nichtanwendern.

Nach statistischer Stratifikation für Alter und Dauer der Studienteilnahme wurde für Menschen, die regelmäßig Protonenpumpenhemmer einnehmen, ein um 74 % höheres Diabetesrisiko berechnet, also eine Hazard Ratio (HR) von 1,74 ([95-%-Konfidenzintervall] [1,37; 2,20]).

In der multivariaten Analyse mit Angleichung von u. a. demografischen und Lifestyle-Faktoren blieb immer noch eine HR von 1,24 [1,17; 1,31]. Das Risiko war von der Dauer der PPI-Therapie abhängig: für Teilnehmer, welche die Medikamente maximal 2 Jahre einnahmen, betrug die HR 1,05 [0,93; 1,19], während sie bei Menschen mit längerer PPI-Therapie bei 1,26 [1,18; 1,35] lag.

Fazit: „Die Studie verdeutlicht, dass man bei der medikamentösen Verordnung von Protonenpumpenhemmern umsichtig sein sollte – es sind nach wie vor keine ‚Lifestyle‘-Medikamente“, kommentiert Prof. Dr. med. Antonius Schneider, Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin- und Versorgungsforschung der Technischen Universität München. „Vor diesem Hintergrund sollte man die freie Erhältlichkeit in den Apotheken noch einmal kritisch überdenken.“ Dr. med. Ronald D. Gerste

Juan J, He Q, Nguyen LH, et al.: Regular use of proton pump inhibitors and risk of type 2 diabetes: results from three prospective cohort studies. Gut 2021; 70: 1070–7.

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