ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2021Blutzucker- und Gewichtsregulation bei Typ-2-Diabetes: Der duale GIP/GLP-1-Rezeptor-Agonist Tirzepatid ist Semaglutid überlegen

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Blutzucker- und Gewichtsregulation bei Typ-2-Diabetes: Der duale GIP/GLP-1-Rezeptor-Agonist Tirzepatid ist Semaglutid überlegen

Vetter, Christine

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Foto: zaschnaus/stock.adobe.com
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GLP-1-Rezeptor-Agonisten waren seinerzeit ein Meilenstein in der Behandlung des Diabetes mellitus. Mit Tirzepatid gibt es nun einen neuen „Stern am Diabeteshimmel“: Der duale GIP/GLP-1-Rezeptor-Agonist kombiniert die Wirkung der beiden Inkretine Glucagon-Like Peptide-1 (GLP-1) und Glucose-Dependent Insulinotropic Polypeptide (GIP) miteinander. Der Wirkstoff hat sich in der Vergleichsstudie SURPASS-2 dem GLP-1-Rezeptor-Agonisten Semaglutid in Bezug auf die Parameter HbA1c-Senkung und Reduktion des Körpergewichts als überlegen erwiesen.

In der offenen 40-wöchigen Phase-3-Studie wurden 1 879 Patienten mit Typ-2-Diabetes (mittlerer HbA1c-Wert 8,3 %, mittleres Körpergewicht 93,7 kg) und einer Metformin-Behandlung randomisiert und einmal wöchentlich subkutan mit 5, 10 oder 15 mg Tirzepatid oder 1 mg Semaglutid behandelt.

Es wurde dabei nicht nur eine Nichtunterlegenheit, sondern sogar eine Überlegenheit des dualen GIP/GLP-1-Rezeptor-Agonisten beobachtet. So reduzierte Tirzepatid den HbA1c-Wert um 2,01 % bei 5 mg Tirzepatid, um 2,24 % bei 10 mg Tirzepatid und sogar 2,30 % bei der höchsten Dosierung von 15 mg. Unter Semaglutid resultierte hingegen eine HbA1c-Reduktion um 1,86 %. Tirzepatid zeigte sich damit in allen Dosierungen als überlegen gegenüber Semaglutid.

Parallel zur HbA1c-Senkung war zugleich eine signifikante höhere Abnahme des Körpergewichts unter Tirzepatid versus Semaglutid (1,9 kg bei 5 mg, 3,6 kg bei 10 mg und 5,5 kg mehr bei 15 mg, p < 0,001) festzustellen.

Die Verträglichkeit war unter beiden Medikationen vergleichbar. Generell traten am häufigsten mild bis moderat ausgeprägte gastrointestinale Nebenwirkungen auf wie Übelkeit, Erbrechen und eine Diarrhö.

Zu einer Hypoglykämie kam es unter Tirzepatid bei 0,6 % der Patienten unter 5 mg, bei 0,2 % unter 10 mg und bei 1,7 % unter 15 mg des dualen GIP/GLP-1-Rezeptor-Agonisten. Unter Semaglutid lag die Hypoglykämierate bei 0,4 %. Schwere Nebenwirkungen wurden bei 5–7 % der Patienten in den Tirzepatid-Gruppen und bei 3 % unter Semaglutid berichtet.

Fazit: „Die Studie belegt die sehr ausgeprägte Wirkstärke des GIP/GLP-1-Rezeptoragonisten Tirzepatid auf die Glykämiekontrolle und das Körpergewicht, die sich auch in anderen Studien des SURPASS-Studienprogramms zur Zulassung von Tirzepatid zeigt“, kommentiert Prof. Dr. med. Baptist Gallwitz, Medizinische Klinik IV des Universitätsklinikums Tübingen und Pressesprecher der Deutschen Diabetes Gesellschaft. „GIP/GLP-1-Koagonisten, Glucagon/GLP-1-Koagonisten und auch Inkretin/Glucagon-Dreifachagonisten sind eine neue und nach diesen Daten vielversprechende Neuentwicklung bei Typ-2-Diabetes und Adipositas. Sollten die Wirksamkeits- und Sicherheitsstudien von Tirzepatid zu einer Zulassung führen, bieten sich dann zusätzliche Behandlungsoptionen.“

Christine Vetter

Frias PJ, Davies MJ, Rosenstock J, et al.: Tirzepatide versus semiglutide once weekly in patients with type 2 diabetes. N Engl J Med 2021; doi 10.1056/NEJMoa2107519.

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