ArchivDeutsches Ärzteblatt40/2021Schwere diabetische Ketoazidose assoziiert mit abdominaler Lipohypertrophie
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Periumbilikal links circa 7 × 6 cm große indurierte Lipohypertrophie mit oberflächlichen kleinen Abszessen und erfolgter Stichinzision.
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Periumbilikal links circa 7 × 6 cm große indurierte Lipohypertrophie mit oberflächlichen kleinen Abszessen und erfolgter Stichinzision.

Ein 23-jähriger Patient mit seit 15 Jahren bestehendem Typ-1-Diabetes und sozialer Deprivation wird somnolent, exsikkiert mit einer Blutglukosekonzentration von 885 mg/dL eingeliefert. Die arterielle Blutgasanalyse (pH-Wert 7,05; Bikarbonat 8,8 mmol/L) sowie massive Ketonurie sichern diagnostisch die schwere Ketoazidose. Bei chronisch-dekompensierter Stoffwechsellage (HbA1c-Wert 18,7 %) und nahezu fehlenden Blutglukoseselbstkontrollen applizierte der Patient die Insulininjektionen ausschließlich in eine große abdominale Lipohypertrophie (Abbildung). Bei sorgfältiger Inspektion und Palpation weisen 20–40 % aller Insulin-injizierenden Menschen Lipohypertrophien auf. Diese Schwellungen beziehungsweise Verhärtungen des subkutanen Fettgewebes bedingen eine unkalkulierbare Insulinabsorption mit dem Risiko von Hyper- und Hypoglykämien. Prädisponierend sind ständige Insulininjektionen in dasselbe Hautareal und Mikrotraumata bei Wiederverwendung der Pennadeln. Vermittelt über den insulinähnlichen Wachstumsfaktor 1 wirkt Insulin auch lokal wachstumsstimulierend. Unter strikter Vermeidung weiterer lokaler Insulininjektionen sind Lipohypertrophien häufig reversibel. Vorbeugend wirkt die korrekte Injektionstechnik mit systematischem Wechsel der Spritzstellen. Nach initialer intensivmedizinischer Therapie erfolgten ausführliche individuelle Diabetesschulungen mit deutlicher Reduktion der Insulindosis und die Entlassung in ambulant-diabetologische Betreuung.

Prof. Dr. med. Andreas Holstein, Milena Gehrig, Dr. med. (univ.) David J.F. Holstein, Medizinische Klinik I, Klinikum Lippe-Detmold, Detmold, Andreas.Holstein@klinikum-lippe.de

Interessenkonflikt: Die Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Zitierweise: Holstein A, Gehrig M, Holstein DJF: Severe diabetic ketoacidosis associated with abdominal lipohypertrophy. Dtsch Arztebl Int 2021; 118: 682. DOI: 10.3238/arztebl.m2021.0074

►Vergrößerte Abbildung und englische Übersetzung unter: www.aerzteblatt.de

Periumbilikal links circa 7 × 6 cm große indurierte Lipohypertrophie mit oberflächlichen kleinen Abszessen und erfolgter Stichinzision.
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Periumbilikal links circa 7 × 6 cm große indurierte Lipohypertrophie mit oberflächlichen kleinen Abszessen und erfolgter Stichinzision.

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