ArchivDeutsches Ärzteblatt12/2000Lebensrecht: Klare Situationsbeschreibung

SPEKTRUM: Leserbriefe

Lebensrecht: Klare Situationsbeschreibung

Dtsch Arztebl 2000; 97(12): A-740 / B-605 / C-565

Coenen, Christoph

Zum Leserbrief "Ein Arzt tötet nicht" von Dr. med. Bertold Schirg in Heft 6/2000:
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LNSLNS In Ihrem Leserbrief beschreiben Sie, dass die unterschiedlichen Gesetze, die zur Zeit für die menschlichen Embryonen im Reagenzglas beziehungsweise für diejenigen intrauterin gelten, offenbar keine gemeinsame philosophische und moralische Grundlage haben. Als eine solche Grundlage erwähnen Sie den Kantschen Begriff der Menschenwürde.
An dieser Stelle möchte ich erinnern, dass auch Kant hier nicht zu einer Denovo-Erkenntnis durchgebrochen ist, sondern seinerseits auf einer vielhundertjährigen Tradition - nämlich der christlichen - aufbaute. Für unseren geographischen Aufenthaltsort waren es wohl diejenigen, die mit dem Fällen der Eichen und dem Erzählen von dem einzigen Gott, der nicht von dieser Welt ist, die Wurzeln der Aufklärung ermöglichten. Allerdings müssen wir heute zur Kenntnis nehmen, dass sowohl der Humanismus mit einer Kantschen Idee der Menschenwürde als auch das Christentum Auschwitz nicht verhindert haben.
Der Humanismus und die meisten anderen "Ismen" haben keine wirkliche moralische Kraft, die in der Lage wäre, die Menschenwürde uneingeschränkt zu schützen. Dies resultiert daher, dass die moralische Kraft nur als eigene Idee existiert und oft genug an den jeweiligen Aufenthaltsort angepasst wurde und wird, wie Sie auch für diese Tage dargelegt haben. Die von Ihnen beschriebene Situation ist eine Anfrage an die mehrtausendjährige jüdisch-christliche Tradition, die von ihrem unabhängig von jedwedem geographischen, zeitlichen oder philosophischen Aufenthaltsort existierenden Gott schon früh die Weisung erhielt, wie es sich mit dem Nächsten verhält. Dass dies sogar in der katholischen Kirche nicht mehr ganz klar ist, haben wir jüngst mit der so genannten "Scheindebatte" erlebt. Die Väter des Embryonen-Schutzgesetzes standen da wohl noch auf
moralisch-ethisch sicherem Boden.
Dr. med. Christoph Coenen, Rathausplatz 1, 85579 Neubiberg
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