ArchivDeutsches Ärzteblatt12/2000Gutachten: Korrektive vorhanden

SPEKTRUM: Leserbriefe

Gutachten: Korrektive vorhanden

Dtsch Arztebl 2000; 97(12): A-740 / B-605 / C-565

Scheppokat, K.-D.

Zu dem Beitrag "Auch ein medizinisches Problem" von Dr. med. Dr. med. dent. Klaus Oehler in Heft 5/2000:
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LNSLNS . . . Dem Autor ist zuzustimmen, dass Gutachten in Arzthaftpflichtsachen zuweilen nicht den Ansprüchen genügen, die an die gutachterliche Bewertung in Vorwurf geratenen ärztlichen Handelns zu stellen sind. Allerdings lässt der Autor die Gutachter-Tätigkeit im Rahmen von Schlichtungsverfahren (circa 6 200 p. a.) unerwähnt. Hier finden sich aber bereits Korrektive, die der Autor bei der medizinischen Begutachtung für Gerichte vermisst. Unsere Ärztekammern, die westdeutschen seit mehr als zwei Jahrzehnten, haben Schlichtungsstellen beziehungsweise Gutachter-Kommissionen errichtet, die größte ist die - neun Kammerbereichen dienende - Norddeutsche Schlichtungsstelle. Sie schloss im letzten Jahr 2 344 Schlichtungsverfahren durch eine Entscheidung ab, in mehr als 90 Prozent der Fälle unter Zuhilfenahme von externen medizinischen Gutachten. Nach der Verfahrensordnung sind für die Bearbeitung jedes Schlichtungsverfahrens ein Jurist und ein Mediziner, Mitglieder der Schlichtungsstelle, zuständig. Beide haben volle Kenntnis des Aktenstandes und der beigezogenen umfangreichen Krankenunterlagen. Schon für die Formulierung des Auftrags und der Fragestellung an den Gutachter stehen Sachverstand und Detailkenntnis eines Juristen und eines Mediziners zur Verfügung.
Die Gutachten werden nach Eingang umgehend den Parteien (Patient, Arzt, Versicherung) zur Kenntnis gegeben, sodass diese Stellung nehmen und Kritik vortragen können: Eine erste - parteiliche - Gutachten-Kritik. Eine zweite - nunmehr neutrale und fachkundige - Prüfung des Gutachtens erfolgt durch das für das Verfahren zuständige Ärztliche Mitglied der Schlichtungsstelle, eine Prüfung der juristischen Aspekte durch den Juristen der Schlichtungsstelle. Gegenüber dem Gericht besteht der Vorteil, die Begutachtung zwischen Jurist und Arzt der Schlichtungsstelle diskutieren zu können, eine Möglichkeit, die täglich und routinemäßig genutzt wird. Zusätzlich kann das Gutachten bei Bedarf in einer Runde von vier Juristen und 29 Ärzten, die fast alle Fachgebiete repräsentieren, durch Diskussion bewertet werden.
Wir können bestätigen, dass es Gutachten gibt, die als ungenügend zu bewerten sind; daneben andere, die bei der Fehlerbewertung oder der Klärung des Kausalzusammenhangs zu vertretbaren, aber anderen Ergebnissen kommen als wir. Allerdings ist bei jeder Prüfung und Bewertung von Gutachten zu bedenken, dass es sich - wie auch bei unseren Entscheidungen - um eine Expertenmeinung handelt, die niemals die Eindeutigkeit und Reproduzierbarkeit erreichen kann wie etwa ein Autopsie-Befund. Gutachter, die es an Unvoreingenommenheit oder an der sachgerechten Bearbeitung des Auftrags fehlen lassen, werden nicht wieder beauftragt.
Prof. Dr. med. K.-D. Scheppokat, Ärztliches Mitglied Schlichtungsstelle für Arzthaftpflichtfragen der norddeutschen Ärztekammern, Berliner Allee 20, 30175 Hannover
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