ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2021Hormonelle Kontrazeption: Pille kann Thromboserisiko auch bei jüngeren Frauen steigern

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Hormonelle Kontrazeption: Pille kann Thromboserisiko auch bei jüngeren Frauen steigern

Meyer, Rüdiger

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Foto: weible1980/iStock
Foto: weible1980/iStock

Auch junge Frauen unter 19 Jahren können unter hormoneller Verhütung Komplikationen erleiden, wie eine jüngst publizierte Studie nachweist. Kombinierte hormonale Kontrazeptiva (KHK) stehen hierzulande bei der Verhütung an erster Stelle. 2018 wurden mehr als 210 Millionen definierte Tagesdosen auf Kosten der GKV abgegeben.

KHK erhöhen das Risiko auf eine venöse Thromboembolie (VTE) abhängig von der Präparatzusammensetzung. Die Europäische Arzneimittelagentur EMA war 2014 zu dem Schluss gekommen, dass KHK mit den Gestagenen Levonorgestrel, Norethisteron oder Norgestimat das niedrigste VTE-Risiko aufweisen. In dieser Gruppe erleiden von 10 000 Anwenderinnen pro Jahr zu 5 bis 7 ein VTE-Ereignis.

Tania Schink und ihr Team vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie (BIPS) in Bremen haben den Zusammenhang erneut in einer Datenbank (GePaRD) von 4 gesetzlichen Krankenversicherungen untersucht. Da die „Pille“ in Deutschland nur bis zum 20. Geburtstag erstattet wird, war die Analyse auf Mädchen und junge Frauen beschränkt.

In dieser Gruppe ist das Risiko einer VTE eigentlich sehr gering. Dennoch kam es bei 677 331 Mädchen und jungen Frauen, denen von 2005–2017 erstmals ein KHK verordnet wurde, im 1. Jahr der Verordnung zu 570 VTE-Fällen, darunter 118 Lungenembolien. Den Ärzten scheint die Gefahr bewusst zu sein. Auch bei Mädchen und jungen Frauen werden zunehmend KHK der Risikoklasse 1 verordnet. Der Anteil stieg von 32 % in den Jahren 2005–2007 auf 54 % in den Jahren 2015–2017 an. Die Neuverordnungen aus Risikoklasse 3 nahmen im gleichen Zeitraum ab (46 % –33 %).

Fazit: Das BfArM nimmt die Studie zum Anlass, erneut auf die VTE-Risiken verschiedener KHK hinzuweisen. Insgesamt sei das VTE-Risiko im 1. Anwendungsjahr oder nach erneutem Beginn am höchsten. Weitere Risikofaktoren sind Rauchen, Übergewicht, Alter ≥ 35 Jahren, Immobilisierung und eine genetische Prädisposition.

Rüdiger Meyer

Schink T, et al.: Risiko venöser Thromboembolien bei Einnahme von kombinierten hormonalen Kontrazeptiva. Bulletin zur Arzneimittelsicherheit 2021; 2: 13–7.

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