ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2021Personalmanagement: E-Learning: Flexibles und effizientes Lernen

ÄRZTESTELLEN

Personalmanagement: E-Learning: Flexibles und effizientes Lernen

Dittmer, Gunda

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Ein Erfolg versprechendes Modell für Fort- und Weiterbildungen ist die Kombination von Präsenzveranstaltungen mit E-Learning-Modulen und Online-Formaten.

Foto: NicoElNino/stock.adobe.com
Foto: NicoElNino/stock.adobe.com

Das Coronavirus hat zu einer Flexibilität geführt, die zuvor niemand für möglich gehalten hat. Zoom-, WebEx- und Teams-Meetings haben mobiles Arbeiten befördert. Doch hatte die Generation Z, Menschen, die heute noch keine 30 Jahre alt sind, schon vor der Pandemie ein hohes Bedürfnis nach Flexibilität und räumlicher Unabhängigkeit: Freiheit steht über Karriere und Lebensqualität über Geld. Ein Vorteil im Wettbewerb um qualifizierte Ärztinnen und Ärzte bietet generell das Arbeiten in gut ausgestatteten Kliniken mit genügend iPads, Patientendatenmanagementsystemen und exzellenter Vernetzung.

Fortbildungen mit hoher Standardisierung

Auch wenn Ärzte nur bedingt online arbeiten können, gibt es dennoch Bereiche, für die eine Präsenz nicht zwingend erforderlich ist. Dies gilt in besonderem Maße für Fortbildungen mit hoher Standardisierung. Viele Krankenhäuser haben bereits vor längerer Zeit digitale Lernangebote geschaffen und bauen diese kontinuierlich aus. Hinzu kommen jetzt auch Fort- und Weiterbildungen, die wegen der Präsenzbeschränkungen nicht mehr stattfinden können.

Das Klinikum Itzehoe beispielsweise arbeitet seit Jahren mit einer Lernplattform. Die Lern-Management-Software (LMS) ist für alle Mitarbeitenden eingerichtet und jederzeit über einen betrieblichen Rechner und iPads sowie über private Geräte erreichbar. Individuell festgelegt sind alle Pflichtfortbildungen vom Datenschutz bis zur Fortbildung in ärztlicher Kommunikation mit Simulationspatienten. Für alle Mitarbeitenden und Führungskräfte ist transparent, welche Qualifizierungsmaßnahmen absolviert werden müssen und wie der aktuelle Stand ist.

Präsenzformate und Blended Learning (Theorie über E-Learning und praktische Anwendungen) können darüber ebenso organisiert werden wie E-Learning-Module. Bestätigt wird neben der Geräteeinweisung über die Software beispielsweise die erforderliche Kompetenz von Pflegekräften und Medizinischen Fachangestellten, wenn Ärztinnen und Ärzte eine Tätigkeit übertragen haben. Mit der Lernplattform als Planungstool hat das Klinikum auch den Terminprozess beim Impfen gesteuert.

E-Learning: interaktiv und abwechslungsreich

Als E-Learning-Module können alle üblichen Pflichtfortbildungen hinterlegt werden, zum Beispiel Hygiene, Daten- und Arbeitsschutz oder Alarmplan sowie auch spezielle fachbezogene Themen wie Transfusionsmedizin und IT-Anwendungen. Insbesondere wenn es darum geht, mit neuer Software umzugehen, ist ein E-Learning-Modul oft der beste Weg. Auch kurze und präzise aufgebaute Lehrvideos lassen sich darüber anbinden, beispielsweise Updates zur EKG-Befundung. Zu Beginn der Pandemie fragten Mitarbeitende Videos zu speziell aufbereiteten hygienischen Themen stark nach, die dann zu allen Fragen rund um Impfstoffe produziert wurden. Diese Schulungen können Mitarbeitende während der Arbeitszeit absolvieren, während des Bereitschaftsdienstes oder in der Freizeit. Dafür erhalten sie eine Zeitgutschrift, die automatisch auf das Zeitkonto gebucht wird.

Gute E-Learning-Module sind interaktiv und abwechslungsreich, eine durchdachte Didaktik ist essenziell für die Akzeptanz. Sie haben einen guten Workflow und bieten die Möglichkeit des Lernens über das Hören und auch des ausschließlichen Lesens mit individuell einstellbaren Geschwindigkeiten.

Wissensangebot für alle – und zwar auf Abruf

Der Einsatz von E-Learning ermöglicht ein Wissensangebot für die ganze Organisation, und zwar auf Abruf. Mit selbst gestalteten Modulen und Videos können aktuelle Themen in kurzer Zeit aufbereitet werden und zeitnah einer größeren Gruppe zur Verfügung stehen. Doch wird diese Form des Wissenserwerbs nur dann umfangreich genutzt und damit als flexibles und kostengünstiges Angebot bestehen, wenn es qualitativ hochwertig ist.

Zudem sind Updates der Fachgesellschaften zu aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen gut geeignet. Auch hier sind reine E-Learning-Module gut möglich, zum Beispiel zu Studien neuer Therapieformen oder Leitlinien. Nicht sinnvoll machbar sind hingegen Themen zur Beziehungsarbeit wie in der Psychiatrie, für die eine Face-to-Face-Kommunikation unabdingbar ist.

Über die reinen E-Learning-Angebote hinaus hat sich insbesondere im vergangenen Jahr der dialogorientierte Online-Austausch etabliert. Dies betrifft Vortragsreihen, teils mit Chatfunktionen und Fallpräsentationen. Gute Erfahrungen haben damit in der Vergangenheit Tumorboards gemacht. Umsetzbar ist es für fest definierte kleinere Gruppen mit Austausch und Diskussion sowie als zeitlich unabhängiges Kursangebot mit Vorträgen. Letzteres bieten mittlerweile fast alle Fachgesellschaften an. Oft decken Referentinnen und Referenten das Kursangebot ab, die sonst zeitlich und finanziell nicht zur Verfügung stehen würden.

Geeignet für die Wissensvermittlung

E-Learning-Module eignen sich besonders für die Wissensvermittlung. In Bezug auf Führungs- und Sozialkompetenzen gestaltet es sich deutlich komplizierter. Dafür bedarf es durchaus ausgeprägter didaktischer Kompetenzen, um eine Schulung, die in der Regel nicht in einer Stunde absolviert werden kann, interessant und effektiv zu gestalten. Der Einsatz unterschiedlicher Medien und interaktiver Elemente ist dabei unerlässlich.

Letztendlich ist die Online-Fortbildung nicht mit einem Präsenztraining zu vergleichen. Die persönliche Interaktion mit den anderen Teilnehmenden sowie der Trainerin oder dem Trainer ist insbesondere bei konfliktbehafteten Themen von Vorteil. Um in den Diskurs zu gehen, ist in der Regel eine Vertrauensbasis notwendig, um offen über Probleme und mögliche Lösungswege sprechen zu können. Ist diese hergestellt, sind Follow-up-Trainings durchaus gut online machbar. Insofern ist Lernen in virtuellen Formaten nicht immer sinnvoll und zweckmäßig.

Da ein wichtiger Bestandteil der Arbeit neben der praktischen Fertigkeit auch das Netzwerken im direkten Kontakt ist, werden Präsenzveranstaltungen in Form von Fortbildungen, Trainings und Kongressen in Zukunft weiter einen festen Platz haben.

Gunda Dittmer

Personalleiterin und stellvertretende Krankenhausdirektorin des Klinikums Itzehoe

25524 Itzehoe

Mitglied des Initiativkreises neue Personalarbeit in Krankenhäusern (InPaK)

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.



Fachgebiet

Zum Artikel

Der klinische Schnappschuss

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote