ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2021Krankenhäuser: Ruf nach Budgetabsicherung

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Krankenhäuser: Ruf nach Budgetabsicherung

Osterloh, Falk

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Da die Fallzahlen 2021 weiter gesunken sind, steigt für viele Krankenhäuser die Gefahr einer wirtschaftlichen Schieflage. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft fordert die künftige Bundesregierung deshalb auf, die Krankenhäuser auch im Jahr 2022 finanziell zu unterstützen.

Immer mehr Betten in deutschen Krankenhäusern sind nicht belegt. Foto: mauritius images/Enis72 Alamy
Immer mehr Betten in deutschen Krankenhäusern sind nicht belegt. Foto: mauritius images/Enis72 Alamy

Die Fallzahlen in den deutschen Krankenhäusern sind in den ersten fünf Monaten des Jahres 2021 noch einmal zurückgegangen. Das haben aktuelle Analysen von Prof. Dr. med. Reinhard Busse von der Technischen Universität Berlin ergeben (siehe nachfolgenden Artikel). In der Folge sanken sowohl die Bettenauslastung als auch die Erlöse der Krankenhäuser. Vor diesem Hintergrund hat die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) die künftige Bundesregierung dazu aufgefordert, die Krankenhäuser auch im Jahr 2022 über eine Budgetabsicherung finanziell zu unterstützen.

„Wir sind noch mittendrin in der Coronapandemie“, betonte der Präsident der DKG, Ingo Morell, Anfang Oktober vor Journalisten in Berlin. „Und auch für das Jahr 2022 müssen wir davon ausgehen, dass der Normalbetrieb in den Krankenhäusern nicht erreicht werden kann.“ Damit es kein unkontrolliertes Ausscheiden von Krankenhäusern aus der Versorgung gebe, müsse der Bund die Krankenhäuser wirtschaftlich absichern – so wie er es über weite Teile der Coronapandemie auch getan hat.

Probleme durch Pflegebudget

„Die Fallzahlentwicklung belastet die Krankenhäuser nachhaltig“, sagte Morell. „Wenn diese Entwicklung so weitergeht, werden die Krankenhäuser in wirtschaftliche Schwierigkeiten kommen.“ Man könne aber heute noch nicht sagen, wie sich die Fallzahlen in den kommenden Jahren entwickeln werden.

Die Liquidität der Krankenhäuser belaste außerdem, so Morell, dass bei vielen Häusern die Budgetverhandlungen für das Jahr 2020 noch immer nicht abgeschlossen seien – insbesondere wegen der Einführung des Pflegebudgets, bei dem Krankenhäuser und Krankenkassen erstmals die genauen Pflegepersonalkosten für jedes Krankenhaus aushandeln müssen.

Aus dem Krankenhaus Barometer des Deutschen Krankenhausinstituts gehe hervor, dass zum Befragungszeitpunkt, dem 30. April 2021, erst 21 Prozent der Krankenhäuser ein Pflegebudget verhandelt hatten, so die DKG. 26 Prozent der Häuser waren zudem davon ausgegangen, die Verhandlungen im dritten Quartal abzuschließen sowie 29 Prozent im vierten Quartal. 15 Prozent gingen davon aus, in diesem Jahr das Budget für 2020 nicht mehr abschließen zu können.

Die DKG rief Bund und Länder dazu auf, die Versorgungsstrukturen in der kommenden Legislaturperiode zu modernisieren. „Das ist eine gewaltige Aufgabe“, sagte der Vorstandsvorsitzende der DKG, Dr. rer. pol. Gerald Gaß. Um sie zu lösen, müssten sich Bund und Länder darüber klar werden, wie viele zentrale Strukturen sie wollen und wie viel Versorgung in der Fläche realisiert werden könne.

Kritik an neuer Klinikliste

Kritik übte Gaß an der Veröffentlichung der Pflegepersonalquotienten, die das Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus (InEK) im Auftrag des Gesetzgebers errechnet hat. Der Quotient beschreibt das Verhältnis der Anzahl der Vollzeitkräfte in der unmittelbaren Patientenversorgung auf den bettenführenden Stationen im Vergleich zu dem Pflegeaufwand, der sich in den einzelnen Krankenhäusern ergibt. Auf diese Weise soll sichtbarer werden, welche Krankenhäuser vergleichsweise viele und welche Häuser vergleichsweise wenige Pflegende beschäftigen. In der Liste sind vorne die Krankenhäuser aufgeführt, die mit einem niedrigen Quotienten ein relativ gutes Verhältnis von Pflegelast zu Pflegekraft aufweisen, und am Ende die Standorte, bei denen eine Pflegekraft eine höhere Pflegelast zu bewältigen hat. Das InEK weist darauf hin, dass der Pflegepersonalquotient durch Verzerrungen infolge der Coronapandemie nur beschränkt aussagekräftig sei.

Dies kritisiert auch die DKG. „Die Veröffentlichung schafft keine Transparenz, vielmehr verzerrt sie und verursacht falsche Interpretationen“, kritisierte Gaß. Deshalb habe die DKG das Bundesgesundheitsministerium auch dazu aufgerufen, die Zahlen nicht zu veröffentlichen. Falk Osterloh

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