ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2021Moderate bis schwere Colitis ulcerosa bei Kindern: Adalimumab senkt die Krankheitsaktivität und normalisiert den Alltag

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Moderate bis schwere Colitis ulcerosa bei Kindern: Adalimumab senkt die Krankheitsaktivität und normalisiert den Alltag

Siegmund-Schultze, Nicola

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Foto: yanadjan/ stock.adobe.com
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Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED) werden bei Kindern ab dem 7. Lebensjahr häufiger und sie verlaufen oft aggressiver als bei Erwachsenen. Ein großer Teil der Kinder wird Off-Label mit Medikamenten behandelt, die für Erwachsene zugelassen sind. Die Phase-3-Studie ENVISION-1 ist die bislang größte randomisierte, doppelblinde Studie, in der ein Biologikum bei Kindern mit Colitis ulcerosa untersucht worden ist.

In die internationale kontrollierte Phase-3-Studie sind Kinder im Alter von 4–17 Jahren (Durchschnitt: 14,1 Jahre) mit mittelschwerer bis schwerer Colitis ulcerosa trotz Glukokortikoidtherapie (≥ 2 mg oral Prednisolon oder Äquivalent) oder Immunsuppression (Methotrexat, Azathioprin, Mercaptopurin) aufgenommen worden. Es erfolgte eine Induktion mit Adalimumab subkutan in hoher Dosis (2,4 mg/kg KG bis maximal 160 mg) in den Wochen 0 und 1 oder mit Standarddosierung von Adalimumab (2,4 mg/kg KG bis maximal 160 mg) nur in Woche 0 und in Woche 1 Placebo. Co-Therapien mit Immunsuppressiva und/oder Steroiden waren möglich.

Nach 8 Wochen wurden die Responder randomisiert in eine Gruppe mit Placebo-Erhaltungstherapie (20 % der Responder) und in 2 weitere Gruppen mit entweder einer Hochdosis Adalimumab als Erhaltungstherapie oder einer Standarddosis Adalimumab als Erhaltung. Koprimäre Endpunkte waren Ansprechraten zu Woche 8 mit einem partiellen Mayo-Score ≤ 2 (kein Subscore > 1) und zu Woche 52 nach Erhaltungstherapie.

93 Patienten wurden in die Hauptstudie rekrutiert und 74 von ihnen (80 %) hatten nach der 8-wöchigen Induktion angesprochen. Von den Respondern wurden 12 Patienten mit Placebo als Erhaltung weiterbehandelt und 62 mit Adalimumab in den beiden verschiedenen Dosierungen.

Die Response-Rate war in der Hochdosis-Adalimumab-Gruppe mit 60 % höher als in der Gruppe mit Standarddosis des TNF-α-Inhibitors (43 %) und als in der externen Placebogruppe (19,8 %). Nach 1 Jahr waren noch 45 % der Responder aus dem Studienarm mit Hochdosis-Adalimumab in einer Remission und 18,4 % im Placeboarm (p = 0,0001). In der Gruppe mit der Standarddosis Adalimumab blieben 29 % in Remission.

In Bezug auf die Symptomatik bedeutete dies, dass sich Stuhlfrequenz und Häufigkeit von Blut im Stuhl in der Hochdosis-Adalimumab-Gruppe stärker reduzierten als in der Standard- und in der Kontrollgruppe. Es erhöhten sich die Lebensqualität, der Aktivitätsgrad und die Präsenz der Kinder und Jugendlichen in der Schule oder am Ausbildungsplatz unter TNF-α-Inhibition, in der höheren Dosis von Adalimumab am stärksten. Die unerwünschten, therapieassoziierten Effekte waren weder qualitativ noch quantitativ unerwartet.

Fazit: Die bislang größte, randomisierte und doppelblinde Studie zur Biologikatherapie für Kinder mit Colitis ulcersoa belegt, dass die TNF-α-Hemmung mit Adalimumab die Aktivität der mittelschweren bis schweren Erkrankung in klinisch relevantem Maße reduziert und die Lebensqualität deutlich verbessert. Die Therapie wird als sicher bewertet, die subkutane Adalimumab-Injektion sei im Allgemeinen unkompliziert.

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

Croft NM, Faubion WA, et al.: Efficacy and safety of adalimumab in paediatric patients with moderate-to-severe ulcerative colitis (ENVISION I): a randomised, controlled, phase 3 study. Lancet Gastroenterol Hepatol 2021; 6: 616–27.

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